wallstreet:online
41,40EUR | -0,60 EUR | -1,43 %
DAX+0,08 % EUR/USD-0,32 % Gold+1,20 % Öl (Brent)+0,06 %

Tele Columbus: Zu hohe Schulden? Tele Columbus: Unterstützen Sie United Internet!

Gastautor: Volker Glaser
19.08.2019, 00:51  |  8470   |   |   

Timm Degenhardt, CEO von Tele Columbus, hat ein Problem. Das Unternehmen ist verschuldet bis unter die Dachkante. Mit den ganzen Schulden kann der Firmenchef sicherlich die kompletten Wände seines Büros tapezieren. Per Ende 2018 war die Gesellschaft mit netto fast 1.4 Mrd. Euro verschuldet. Haushoch! Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei knapp einer halben Mrd. Euro. Das normalisierte EBITDA betrug 236 Mio. Euro und das berichtete EBITDA lag bei rund 190 Mio. Euro.

Der operative Cashflow erreichte im vergangenen Jahr einen Wert von rund 160 Mio. Euro. Ziehen wir den Cashflow aus der Investitionstätigkeit ab, konnte noch ein Free Cashflow von rund 16 Mio. Euro erzielt werden. Viel zu wenig angesichts der immensen Verschuldung. Degenhardt erwartet in 2019 eine Stabilisierung des normalisierten EBITDA im Vergleich zum Vorjahr. Capex soll sich erneut auf Höhe des Jahres 2018 bewegen. In der Summe kommt Tele Columbus bestenfalls im Schneckentempo voran. Degenhardt hat das Amt des Firmenchefs beim Kabelanbieter im Januar 2018 angetreten. Bisher können wir noch keine Akzente des CEOs erkennen, die er vor allem bei der Reduktion der Verschuldung gesetzt hat. Ganz kritische Marktbeobachter sehen das Unternehmen trotz Kursrutsch weiterhin als einen großartigen Short. Sie spielen die Meinung, dass mit flächendeckender Einführung von 5G kein Mensch mehr einen Kabelnetzanbieter braucht. So drastisch sehen wir es nicht. Das würde markttechnisch das Aus für die Firma bedeuten. Alarmierend finden wir jedoch das Zahlenwerk und die Bilanz der Gesellschaft. Die Gewinn- und Verlustrechnung war in 2018 mit aktivierten Eigenleistungen von über 20 Mio. Euro geprägt. Das EBITDA von mehr als 200 Mio. Euro ist um diesen Betrag aufgebläht. Die Schulden müssen verzinst werden. 2018 lagen die Aufwendungen für Zinsen bei mehr als 75 Mio. Euro. Die Verschuldung steht unserer Meinung nach in keinem Verhältnis zum berichteten EBITDA.

Das Eigenkapital lag per Ende Dezember 2018 bei 354 Mio. Euro. Dem stehen immaterielle Vermögenswerte von sage und schreibe 1.26 Mrd. Euro gegenüber. Ziehen wir davon nur 50 % ab, ist das Eigenkapital bereits mehr als verbraucht. Die Kabelnetze stehen selbst mit über 600 Mio. Euro in den Büchern. Ob das werthaltig ist, erscheint durchaus fraglich. Da Tele Columbus eifrig ins eigene Netz investieren muss, dürfte auch der Free Cashflow schwach bleiben. Rechnen wir nunmehr noch die hohen Zinskosten hinzu, bleibt überhaupt kein Free Cashflow mehr übrig. Es ist uns ein Rätsel, wie der CEO angesichts der Schulden ruhig schlafen kann. Ohne einen Schuldenschnitt oder Tausch in Eigenkapital wird’s aus unserer Sicht nicht funktionieren. Die kreditgebenden Banken sollten dem Management einmal die Frage stellen, wie die Kredite zurückbezahlt werden sollen oder sich mit einem Tausch in Eigenkapital näher beschäftigen.

Diesen Artikel teilen
Seite 1 von 3
Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
Timm DegenhardtHohe SchuldenSchuldenEuroBanken


3 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Die Redakteure haben es noch immer nicht verstanden...auf Sicht bleiben die Zinsen niedrig..

Und dann wird die 3,875% Anleihe --ähnlich wie heutige TELEKOM Anleihen auf 0,xx% wechseln...
Ähnliches gilt für die vermutlich noch hohen Bankzinsen..

5G so ein Schwachsinn....viel zu teuer und für die Bedürfnisse der Kabelkunden krass überdimensioniert...

Heute ein Artikel im HB über Videospieler über Cloud...und die brauchen schnelles Internet!!!
Der Trend kommt erst...
Dieser Artikel ist eine einzige Farce. Und das von einem Chefredakteur? 'Gekauft von United Internet' kann man da nur mutmaßen. Unabhängig klingt der Artikel jedenfalls nicht.

"Bisher hatte Dommermuth schlichtweg Wichtigeres zu tun." Ach, genau das wird dann später im Artikel zwei Aufsichtsratkandidaten der Tele Columbus vorgeworfen. Dabei klingen CEO-Position beim Musikstreamer Deezer bzw. CFO bei Sunrise Communications in meinen Augen als SEHR geeignet.

Niemand benötigt den Störfaktor United Internet. Die heute veröffentlichten Q2-Zahlen bestätigen, dass Tele Columbus auf dem richtigen Weg ist. United Internet hat bisher vor allem erhöhte Kosten durch Verschiebung der HV beigetragen. Auf einen solchen Großaktionär kann man verzichten. Bei United Internet geht inzwischen doch einfach nur die Angst um, dass der eigene Anteil durch den Einstieg eines weiteren Investors verwässert wird.
Vor ca. zwei Jahren habe ich die Aktie auch gekauft. Ich weiß gar nicht mehr warum. Wahrscheinlich habe ich auf irgendeinen Aktien-Guru gehört. Jetzt ist es zu spät zum Verkaufen. Bei 6,- Euro hatte ich sie gekauft. Momentan liegt sie bei knapp 2,- Euro.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel