In Jubiläumslaune, Kommentar zur Commerzbank von Bernd Wittkowski

Nachrichtenagentur: news aktuell
13.02.2020, 22:30  |  119   |   |   
Frankfurt (ots) - Mit einer unterirdischen Performance, enttäuschten Erwartungen
der Stakeholder und in dementsprechend miesepetriger Stimmung lässt sich
schlecht Jubiläum feiern. Deshalb trifft es sich prima, dass die Commerzbank nun
durchaus eindrucksvoll demonstriert hat: Es geht auch anders. Und zwar gerade
rechtzeitig, bevor sich am 26. Februar zum 150. Mal der Gründungstag der
"Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg" jährt. Die Börse hat zwar mitnichten
immer recht, aber nehmen wir die Kursreaktion vom Donnerstag - ein Sprung um
fast 9 Prozent auf 6,43 Euro - einmal wohlwollend für bare Münze, dann haben die
von den Gelben vorgelegten Zahlen für 2019, ihr Ausblick und die Strategie den
Markt offenbar zumindest fürs Erste überzeugt.

Die Notierung nähert sich also erkennbar dem im März 2000 erreichten
historischen Hoch von 266,42 Euro. Sorry, so viel Ironie muss schon ein, ohne
die Feierlaune allzu sehr verderben zu wollen. Zumal der Jubilar ganz schön
große Töne spuckt. Die Bewertung soll mindestens den Buchwert erreichen, von dem
sie heute Lichtjahre entfernt ist, und, so heißt es im Jubiläumsfilmchen, die
Bank sei nicht an der Börse, um im MDax zu sein. Nun, es ist nicht verboten,
sich ambitionierte Ziele zu setzen oder gar Visionen zu haben.

Dass das angehende Technologieunternehmen Commerzbank mindestens so viel Luft
nach oben hat wie die mit ihm verpartnerte Frauen-Fußballnationalmannschaft
zuletzt bei Europa- und Weltmeisterschaften, ist CEO Martin Zielke und seinem
Team natürlich bewusst. Doch auch wenn es Stand heute eine ziemlich wilde
Fantasie braucht, von Kurs-Buchwert-Parität oder der Rückkehr in die erste
Börsenliga zu träumen: Selbstbewusstsein und Ehrgeiz der "Bank an Ihrer Seite"
sind nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Die Commerzbank ist operativ und strategisch auf dem richtigen Weg. Die aktuelle
Entwicklung zeigt, dass sich eine wohlbegründete skeptische Einschätzung der
Perspektiven sogar im heutigen extrem schwierigen Marktumfeld innerhalb weniger
Monate in gut nachvollziehbare Zuversicht verwandeln kann, zumal wenn die
Aufsicht erfreulicherweise durch Kapitalentlastungen mithilft. Dass die Bank
selbst ihre Hausaufgaben entschlossen abarbeitet, steht außer Frage. Striktes
Kostenmanagement hat sie als permanente Herausforderung erkannt und liegt damit
im Branchenvergleich eher vor der Kurve. Und schon eröffnet sich neues
Renditepotenzial, und beim MBank-Verkauf ist der Druck raus. Das Jubiläum darf
gefeiert werden.

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