Corona Auswirkungen auf die Erotikbranche

Gastautor: Martin Brosy
23.06.2020, 08:38  |  287   |   |   

Es gibt kaum einen Lebensbereich, der aktuell nicht von der Corona Pandemie beeinflusst wird: Geburtstage werden im kleinsten Kreis gefeiert, gearbeitet wird im Home-Office und anstatt ins Restaurant zu gehen, gibt es Pizza vom Lieferdienst. So ist es kaum verwunderlich, dass sich die Krise auch massiv auf die Erotikbranche auswirkt. Wir berichten über die diesbezüglichen Entwicklungen und zeigen auf, wer von Corona profitiert – und wer als bitterer Verlierer um seine Existenz bangen muss.


Photo by Dainis Graveris on SexualAlpha

Sexspielzeuge stehen hoch im Kurs

Vom Dildo über ausgefallene Vibratoren, Handschellen und anderes Zubehör der erotischen Art bis hin zu Masturbatoren und Sexpuppen können sich die Verkaufszahlen von Erotikshops in der Corona Zeit durchaus sehen lassen. Das gilt zumindest für Online-Shops: Bekannte Anbieter, zum Beispiel Amorelie und Orion, verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Bestellungen. Eis.de spricht sogar von einem 50 %-starken Plus an Käufen. Anders sieht es aus, wenn man sich die lokalen Erotikfachgeschäfte ansieht. Lange mussten deren Türen geschlossen bleiben und auch jetzt ist das Einkaufserlebnis von Einschränkungen und fixen Regelungen geprägt. Unternehmen, die online nicht verfügbar sind und den fehlenden, lokal erzielten Umsatz entsprechend nicht durch das Online-Geschäft ausgleichen können, haben auch in der Erotikbranche schlechte Karten.

Corona führt zu Kondom-Hamsterkäufen

Das Toilettenpapier wurde in Deutschland quasi zum ironischen Symbol der Corona Pandemie. Wochenlang war Klopapier Mangelware, wurde es doch in Massen gekauft. Aber dies ist nicht das einzige Produkt, das die Menschen zurzeit offenbar zu Hamsterkäufen verleitet: Auch Kondome sind schnell vergriffen. Kondomhersteller, wie Einhorn und Ritex, sprechen von einer stark angestiegenen Nachfrage, die sich eindeutig mit der Corona Krise in Verbindung bringen lässt. Kunden greifen häufiger zu Großpackungen und kaufen oftmals gleich mehrere davon, um sich auf Dauer einzudecken. Daneben gehen auch Gleitmittel weg „wie warme Semmeln“. Zum Teil lässt sich das Kaufverhalten in dieser Hinsicht recht schlüssig erklären: Wir verbringen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden und mit dem Partner, sodass es logischerweise auch zu mehr Sex kommt. Gleichzeitig hat sich Vermutungen zufolge auch der Wunsch nach einer bombensicheren Verhütung verstärkt, und zwar insbesondere bei Paaren, die bereits Kinder haben. Durch die Betreuung der Kinder zu Hause wurde diesen wohl vermehrt bewusst, dass sie weiteren Nachwuchs (vorerst) unbedingt vermeiden wollen. Der ein oder andere krisengebeutelte Familienvater streift sich nun nach dem Motto „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ also auch ein Kondom über, obwohl seine Partnerin bereits anderweitig verhütet.

Pornoportale versüßen die Corona Krise

Daneben lässt die Corona Pandemie auch die Klickzahlen und Neuregistrierungen auf Porno Portalen in die Höhe schnellen. Einige Plattformen, zum Beispiel Pornhub, werben aktuell sogar mit kostenlosen Premium Zugängen, um ihren Usern die Krise zu versüßen. Ein Grund, aus dem Pornos derzeit stärker gefragt sind, ist sicherlich die Langeweile, die sich in Teilen der Bevölkerung breitgemacht hat. Kurzarbeit und Betriebsschließungen führen zu mehr Freizeit, das Unterhaltungsangebot im öffentlichen Raum ist aber stark reduziert. Kinobesuche, ein Nachmittag im Freibad oder das Grillen im Park sind nicht möglich – was also tun, mit der Zeit, die täglich bleibt und größtenteils in den eigenen vier Wänden verbracht wird? Viele Deutsche scheinen sich diese Zeit offenkundig mit dem Schauen von Pornos zu vertreiben. Passend zu den Sicherheitsmaßnahmen und Hygieneregeln hat sich auf Erotikportalen ein überraschender Trend entwickelt: Die Darsteller tragen vermehrt Handschuhe und Masken im Gesicht. Vor allem in Krisenregionen, darunter in Italien und Spanien, werden solche „Corona-Porn“ Clips besonders gerne angeklickt.

Erotikportale mit Anmelderekorden

Auch Erotikportale wie Bestezeit.net zählen zu den Gewinnern während des Corona Lockdowns. Zwar sind echte Treffen zwischen den Nutzern in dieser Zeit natürlich absolutes Tabu, dafür steigen die Zahlen von Cam2Cam Chats sowie privater Nachrichten an. Und auch der Zugriff auf Blogbeiträge wird stetig größer. Dies ist vor allem durch die mangelnden Möglichkeiten der realen Treffen mit potentiellen Partnern zu erklären.

Dating-Apps begrüßen Neukunden

Und wie steht es um das Online Dating? Auch hier deuten die Zahlen auf eine steigende Nachfrage hin. Services dieser Art, wie zum Beispiel Tinder und OkCupid, berichten von vielen Neukunden und einer regen Nutzung. Im Schnitt verbringen User nun mehr Zeit mit der Nutzung von Dating Apps und Portalen und entscheiden sich auch eher dazu, kostenpflichtige Angebote in Anspruch zu nehmen. Das dürfte mitunter daran liegen, dass Treffen in der Realität derzeit mehr oder weniger tabu sind. Viele Deutsche halten sich strikt an die Empfehlungen zum Selbst- und Fremdschutz und verzichten auf das Dating „in Reallife“. Dafür wird mehr gematcht, gechattet und online geflirtet. Dienste, die Videochats und Telefonie anbieten, stellen zudem fest, dass häufiger auf diese Funktionen zugegriffen wird. Ein Versuch, die Zeit des „Social Distancings“ durch die modernen Optionen, die das Netz zu bieten hat, zu überbrücken – irgendwie muss man der sozialen Isolation schließlich entgegenwirken. 

Corona Verlierer: Sexarbeiterinnen leiden unter Bordell-Schließungen

Während viele Zweige der Erotikbranche einen Aufschwung erleben, finden sich Sexarbeiterinnen in einer katastrophalen Situation wieder: Bordelle sind geschlossen, sodass ein Arbeiten unmöglich ist. Viele Prostituierte haben sich jedoch nicht nur zum Arbeiten in den „Liebeshäusern“ aufgehalten, sondern auch dort gewohnt. Sie verlieren durch Corona somit nicht nur ihre Einkommensquelle – auch das Dach über dem Kopf fehlt von heute auf morgen. Der BesD, der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen, bemüht sich derweil, Ausgleichszahlungen für die deutschen Sexarbeiterinnen zu erstreiten. Inwiefern diese Bemühungen Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten.



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