CEO Christoph Gerlinger im Interview German Startups Group: Fusion sorgt für milliardenschwere Perspektive

Nachrichtenquelle: 4investors
17.07.2020, 12:12  |  2280   |   |   

Bei der German Startups Group (GSG) stehen große Veränderungen an. Man will mit einem Private Equity Asset Manager fusionieren und so ein völlig verändertes Geschäftsmodell auf den Weg bringen. Solche Modelle kennt man international von EQT, KKR oder Blackstone. Christoph Gerlinger, CEO und Geschäftsführer der Komplementärin der German Startups Group, erläutert im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de die Hintergründe der Vereinbarung. Er geht auf die künftigen Pläne der neuen Gesellschaft ein und deutet an, dass man sich schon bald an einem „hidden champion“ aus Deutschland beteiligen könnte. Dabei zeigt er sich überzeugt, dass die Transaktion den Shareholder Value maximieren wird.

www.4investors.de: Aus der German Startups Group (GSG) wird nach einer Fusion mit der SGT Capital Pte. Ltd. die SGT German Private Equity GmbH & Co. KGaA. Was ist die Strategie der neuen Gesellschaft?

Gerlinger: Es ist uns gelungen, eine Fusion mit einem überaus erfolgreichen Private Equity Asset Manager zu vereinbaren. Mit dieser Fusion vollziehen wir die angestrebte, tiefgreifende Transformation unserer Gesellschaft mit dem Ziel, unsere Aktie für den Kapitalmarkt deutlich attraktiver zu machen.

Wir wandeln unser Geschäftsmodell hin zu nachhaltiger, planbarer Profitabilität, da unsere Gewinne künftig nicht mehr nennenswert von Wertsteigerungen und -verlusten von VC Investments abhängen, sondern von Management Fee-Erlösen, die langfristig vereinbart sind und nur von dem zugesagten Fondsvolumen abhängen, nicht einmal beeinflusst durch Wertschwankungen im Portfolio.

Daneben eröffnen wir uns erstmals wieder substantielle Wachstumsperspektiven durch die Kumulation von langfristigen Kapitalzusagen. Und als weiterer Nebeneffekt dürfte sich die Marktkapitalisierung und die Handelsliquidität der Aktie um ein Vielfaches erhöhen.

www.4investors.de: Wieso suchen sie ein neues Geschäftsmodell? Konnte sich das alte listed VC-Modell am Kapitalmarkt nicht durchsetzen?

Gerlinger: Wir mussten leidvoll erfahren, dass sich unser bisheriges sog. listed VC-Modell nicht wirklich für den Kapitalmarkt eignet, da wir bezüglich unserer Assets, der VC-Beteiligungen an Technologie-Startups, strukturell zu wenig Transparenz bieten können. Demgegenüber ist das angestrebte neue sog. listed asset manager-Geschäftsmodell nicht nur kapitalmarktgeeignet, sondern dort sogar ausgesprochen erfolgreich, wie Beispiele wie die Partners Group in der Schweiz, EQT in Schweden oder KKR und Blackstone in den USA beweisen, auch wenn diese natürlich heute viel größer sind. Sie haben aber auch mal klein angefangen.

Ein solches pure play private equity asset manager-Geschäftsmodell fehlt in Deutschland auf dem Kurszettel. Deshalb sind wir überzeugt, dass die Weiterentwicklung zu einem Asset Manager – wie es durch die Transaktion erreicht wird – unseren Shareholder Value maximiert.

www.4investors.de: Was wird aus den noch vorhandenen VC-Beteiligungen von German Startups?

Gerlinger: Unser Beteiligungsportfolio betreuen wir weiterhin mit der gleichen Aufmerksamkeit wie bisher, auch weitere Follow-On Investments sind möglich. Die gehaltenen Beteiligungen werden wir mittelfristig ohne jeglichen Zeitdruck veräußern. Wir haben die Minderheitsbeteiligungen dafür in unsere 100prozentige Tochtergesellschaft German Startups Group VC GmbH ausgegliedert.

www.4investors.de: Aufgrund der Fusion gibt es eine große Kapitalerhöhung. Wie sieht die Aktionärsstruktur in der Folge aus?

Gerlinger: Die Alleingesellschafterin der Sacheinlage, der SGT Capital Pte. Ltd., ein lizensierter Asset Manager mit Sitz in Singapur, die SGT Capital LLC, eine Holding der SGT-Partner, wird je nach Umfang des bis Ende 2022 erreichten Fondsvolumens 82 Prozent bis 93 Prozent der Aktien der GSG halten, die wir dann in SGT German Private Equity umbenennen. Die neue Großaktionärin hat das Interesse, eine nachhaltige börsennotierte Private Equity Plattform in Deutschland aufzubauen, wird der Gesellschaft also langfristig erhalten bleiben. Wir haben dementsprechend langfristige Lock-ups vereinbart, die nur die Veräußerung einer vergleichsweise geringen Anzahl Aktien bis 31.12.2025 zulässt.

www.4investors.de: Wer sind die Männer hinter diesem Unternehmen aus Singapur?

Gerlinger: Wir kennen das sehr erfahrene, unternehmerische und professionelle, fünfköpfige SGT-Partnerteam mit seinem eindrucksvollen, nachprüfbaren Track Record seit knapp zwei Jahren. SGT ist hervorgegangen aus dem Team eines Vorläufer-Private-Equity-Asset Unternehmens, das knapp fünf Jahre sehr erfolgreich gemeinsam tätig war, sein letztes Portfoliounternehmen erst im Februar 2020 verkauft hat. Davor waren die SGT-Partner unter anderem für Permira, Blackrock, Bain Capital, McKinsey und JP Morgan in führenden Positionen tätig.

Drei der fünf Partner sind übrigens Deutsche und arbeiten vom Büro der SGT Ländergesellschaft im Frankfurter Westend aus, das wir im Mai gemeinsam bezogen haben. Nach der Transaktion werden voraussichtlich zwei der Partner in die Geschäftsleitung der Komplementärin eintreten und ich werde umgekehrt in den Partnerkreis der SGT-Gruppe aufgenommen. Die Rollen verteilen sich wie folgt: Joseph Pacini als CEO (Managing Partner), Carsten Geyer als CIO und Managing Partner, Marianne Rajic als COO, General Counsel und Partner, Marcel Normann als Partner, Jens Dino Steinborn als Partner und ich als CFO und Managing Partner.

www.4investors.de: Wieso will die SGT Capital an die Börse?

Gerlinger: Ein Listing schafft SGT als Asset Manager einen einfachen Kapitalmarktzugang für Aktien-, Anleihen- und Mezzanine-Emissionen. Damit wird die Möglichkeit zu Übernahmen von anderen PE-Managern geschaffen sowie die Erweiterung des Produktangebots bezüglich der gemanagten Asset-Klassen über Private Equity hinaus durch Akquisitionen erleichtert, z.B. Credit, Infrastructure usw. Der Kapitalmarktzugang verschafft der SGT eine Akquisitionswährung. Auf diese Art wird aus SGT eine nachhaltige PE-Plattform auch mit anorganischem Wachstumspotenzial.

www.4investors.de: Über welche Assets verfügt der neue Fonds der SGT Capital Pte. Ltd derzeit?

Gerlinger: Der Vorläufer-Fonds hat seine letzte Beteiligung erst im Februar 2020 veräußert. Der neue Fonds hat noch keine Beteiligung erworben, das dürfte sich aber zeitnah ändern.

www.4investors.de: Werden Sie CEO der neuen Gesellschaft sein?

Gerlinger: Nein, diese Rolle wird einer der SGT-Partner einnehmen. Ich bleibe der Gesellschaft allerdings dauerhaft als Geschäftsführer verbunden.

www.4investors.de: Ein Unternehmen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von weniger als 20 Millionen Euro soll mittels Fusion bald einen Asset Manager mit einem Fondsvolumen von 1,0 Milliarden Euro bis zu 3,5 Milliarden Euro sein Eigen nennen. Wie kam es zu diesem Zusammengehen?

Gerlinger: Wir haben uns vor knapp zwei Jahren kennengelernt, spontan festgestellt, dass unsere Pläne sich gut ergänzen und wir komplementäre Eigenschaften mitbringen, mit deren Vereinigung sich zusätzlicher Wert schaffen lässt, danach eine Zeit auf die Konzeptionierung und Planung verwendet, danach kurz und hart verhandelt. Das alles mit dem Ergebnis einer Transaktionsstruktur, wie wir sie nun veröffentlicht haben, und die zwei Gewinner schafft.

www.4investors.de: Der Fokus der Investments ihres neuen private Equity-Fonds wird auf Europa und Nordamerika liegen. Was sind hier für sie interessante Ziele?

Gerlinger: Der Fonds soll über eine Laufzeit von 10 Jahren im Basisszenario 8 bis 10 mittelständische Zielgesellschaften erwerben und diese im Durchschnitt drei bis fünf Jahre halten. Priorisierte Sektoren für die Investitionen des Fonds umfassen dabei Business Services, Medizintechnik sowie Industrieunternehmen.

www.4investors.de: Und wann kann man mit ersten Aktionen rechnen?

Gerlinger: Mit dem Erwerb der ersten Beteiligung rechnen wir noch im laufenden dritten Quartal 2020. Vielleicht wird es sogar ein deutscher „hidden champion“ sein.

www.4investors.de: Wird aus der neuen Gesellschaft dann eine deutsche KKR oder EQT?

Gerlinger: Wir wollen jedenfalls in diese Richtung streben, auch wenn die Zielvorgabe jedenfalls bezüglich der erstgenannten Gesellschaft sehr hoch liegt. Es wird Zeit, dass ein in Deutschland beheimateter Player sich auf dieses Spielfeld begibt.

www.4investors.de: Es soll ein neuer Fonds aufgelegt werden, für den es schon Zusagen über 500 Millionen Dollar gibt. Wer kann diesen Fonds zeichnen? Und welches Volumen soll der Fonds letztlich haben?

Gerlinger: Zeichnen können den SGT Capital Fund II nur qualifizierte, institutionelle Investoren ab 10 Millionen Dollar Zeichnungsbetrag, sofern sie die KYC- und AML-Regularien erfüllen. Für die Fondsgröße gibt es verschiedene Szenarien, die sich zwischen einem Basisszenario mit Assets under Management (AUM) von 1 Milliarde Dollar und einem besten Szenario in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar bis Ende 2022 bewegen.

www.4investors.de: Der Vorläufer der SGT Capital hat innerhalb von zwei Jahren rund 1,2 Milliarden Dollar investiert. Wären sie mit einer solchen Zielvorgabe zufrieden?

Gerlinger: Ja, auch mit einem Fondsvolumen von 1,2 Milliarden Dollar könnten wir schon sehr zufrieden sein, wir trauen uns aber deutlich mehr zu. Die eingeworbenen Kapitalzusagen dann binnen nur zwei Jahren in gute Beteiligungen zu investieren, ist ebenfalls eine sehr gute Leistung. Der Vorläufer-Fonds lief insgesamt gut vier Jahre und hat seinen Investoren in dieser Zeit netto nach allen Kosten eine Verdopplung ihres Kapitaleinsatzes gebracht. Das SGT Team hat brutto 1,4 Milliarden Dollar Wertzuwachs für seine Investoren generiert.

www.4investors.de: Sie erwarten für das kommende Jahr einen Gewinn je Aktie von 0,15 Euro bis 0,20 Euro. Wie kommen sie zu diesen Schätzungen?

Gerlinger: Wie schon erwähnt handelt es sich bei den Erlösen und den Kosten im Asset Management Geschäft um sehr gut planbare, wenig schwankende Größen, ähnlich einem Renten- oder Mieten-Geschäftsmodell. Unsere Schätzungen basieren auf einer umfangreichen und detaillierten, von Ebner Stolz geprüften Businessplanung anhand verschiedener Szenarien bezüglich des Fondsvolumens zwischen 1 Milliarde Dollar und 3,5 Milliarden Dollar. Für 2022 ergeben sich daraus sogar rund 0,20 Euro bis 0,30 Euro Gewinn pro Aktie.

Das Schöne aus Sicht eines ehemaligen VC-Investors ist: Steht das Volumen der Assets under Management (AUM) erst einmal fest, gibt es bezüglich der Profitabilität keine Überraschungen, sondern ist diese nachhaltig. So etwas mag die Börse und der nicht für besondere Risikofreude bekannte deutsche Anleger.

www.4investors.de: Bei unserem letzten Zusammentreffen auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt wirkten sie auf mich nicht ganz zufrieden. Jetzt spreche ich mit einem optimistischen und gut gelaunten Christoph Gerlinger. Gibt es so gar keine Risiken?

Gerlinger: Das einzige nennenswerte Risiko für unsere Aktionäre in der vereinbarten Transaktionsmechanik ist doch, dass das Basisszenario von 1 Milliarde Dollar Fondsvolumen verfehlt wird, auf das die Transaktion gepreist ist, und zwar sogar mit erheblichem Puffer, da wir weniger Gegenleistung erbringen als den fairen Wert der Sacheinlage, also unsere Aktie zu fast dem Doppelten des Aktienkurses vor Veröffentlichung Berücksichtigung findet. 411 Millionen Dollar sind kurz nach Beginn des Fundraisings und trotz der seither grassierenden Covid-19-Pandemie schon rechtsverbindlich zugesagt.

Die SGT-Partner haben bereits bei ihrem Vorläufer-Fonds bewiesen, dass sie über 1,2 Milliarden Dollar einwerben können, obwohl es sich damals um einen sog. first time fund handelte, also ganz ohne auf den Track Record eines Vorläufer-Fonds verweisen zu können, wie das jetzt der Fall ist. Und das SGT-Team hat mit dem Vorläufer-Fonds sogar eine für das sog. Vintage herausragende Nettoperformance von 24,3 Prozent p.a. erzielt und damit hohe Zufriedenheit bei ihren Investoren erzeugt. SGT und wir sind überzeugt, dass die Zusagen bezüglich der für das Basisszenario noch fehlenden 589 Millionen Euro noch vor Jahresende 2020 vorliegen werden. Bis 2022 sehen wir auch das beste Szenario nicht als unwahrscheinlich an.

Je greifbarer die Kapitalzusagen für den PE-Fonds in den nächsten Wochen und Monaten werden, desto stärker dürfte sich der Kurs unserer Aktie den Werten annähern, mit denen er laut Bewertungsgutachten von Ebner Stolz als Gegenwert für die Sacheinlage Berücksichtigung findet, also den genannten 2,92 Euro bis 4,04 Euro. Ich habe gestern 50.000 GSG-Aktien zu 1,79 Euro gekauft, nachdem der vorgestern nachbörslich auf 2,04 Euro gestiegene Kurs wieder etwas zurückgekommen war. Auf diesem Niveau hat unsere Aktie m.E. ein hervorragendes Chance-Risiko-Verhältnis.

www.4investors.de: Was passiert, wenn die Hauptversammlung von German Startups im August dem Zusammengehen nicht zustimmt? Gibt es einen Plan B?

Gerlinger: Dann findet die Transaktion leider nicht statt. Das wäre meines Erachtens eine vertane, große Chance, aber von mir als Geschäftsführer nicht zu ändern. Damit ist aber nach meinen Gesprächen mit unseren Großaktionären nicht zu rechnen. Plan B der SGT wäre dann wohl, sie von uns losgelöst an die Börse zu führen, wofür sie aussagegemäß versuchen würden, mich als Finanzvorstand zu gewinnen. Plan B für die GSG wäre wohl, sich ein anderes Target für ein sog. reverse listing zu suchen.

Dabei wäre es äußerst fraglich, ob sich noch einmal jemand finden ließe, der so gut passt, und mit dem deshalb so vorteilhafte Konditionen vereinbart werden können. Unklar ist auch, wie lange das dauern würde. Auch könnten wir die Assetklasse für die eigenen Anlagen wechseln und weg von VC gehen. Alternativ könnte man die GSG liquidieren, was allerdings mehrere Jahre dauern dürfte und entsprechende Kosten verursachen würde. Dies würde bezüglich der Gewinnung des dafür nötigen Personals eine größere Herausforderung verkörpern und natürlich keine Monetarisierung des vorhandenen Listings, Rufs, Deal flows usw. beinhalten.

www.4investors.de: Bleibt die neue Gesellschaft im Segment Scale gelistet?

Gerlinger: Vorläufig ja, aber bei der mittelfristig zu erwartenden Marktkapitalisierung jenseits von 200 Millionen Euro würde es Sinn machen, konkret über einen Wechsel in den Prime Standard nachzudenken.

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