Peak der Ölnachfrage erreicht? BP: Ölzeitalter endet, Ära der Erneuerbaren beginnt – Energy Outlook 2020

17.09.2020, 11:26  |  15499   |   |   

Der Energiekonzern BP prognostiziert in seinem jährlichen Energie-Ausblick eine weltweit rückläufige Öl- und eine robuste Gasnachfrage bis 2050. Gleichzeitig seien erneuerbare Energien in den nächsten 30 Jahren die am schnellsten wachsenden Energieträger.

Der Energy Outlook 2020 von BP untersucht drei mögliche Zukunftsszenarien und ihren Einfluss auf die weltweite Energienachfrage. Das Net-Zero-Szenario sieht eine Reduzierung der globalen CO2-Emissionen bis 2050 auf über 95 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2018 vor. Das Rapid-Szenario geht davon aus, dass bis zum Jahr 2050 70 Prozent weniger CO2-Emissionen als im Jahr 2018 emittiert werden. Das Business-as-usual-Szenario basiert hingegen auf der Annahme, dass der Emissionsausstoß bis 2050 um weniger als zehn Prozent gegenüber 2018 sinkt.

In allen drei Szenarien – Zero, Rapid und Business-as-usual – rechnen die Energieexperten von BP mit einer rückläufigen globalen Ölnachfrage in den kommenden 30 Jahren. Beim Net Zero-Szenario geht die Ölnachfrage bis 2050 um 80 Prozent und beim Rapid-Szenario um 55 Prozent zurück. Selbst beim Business-as-usual-Szenario erwarten die Analysten einen Rückgang der Ölnachfrage um zehn Prozent bis 2050.

Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG), rechnet langfristig ebenfalls mit einem Ende der stetig steigenden Erdölnachfrage. Gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Die bislang steigende Ölnachfrage war immer auch Folge des stetig wachsenden globalen Energieverbrauchs, der unter anderem aus wachsender Weltbevölkerung und zunehmender globaler Industrialisierung resultiert.“ Der durch die Corona-Pandemie bedingte (temporäre) Rückgang des Energieverbrauchs sowie der zunehmende Ausbau erneuerbarer Energien könnten jedoch „dämpfend auf die Ölnachfrage wirken. Allerdings wird dieser Prozess länger dauern, als viele glauben.“

Erneuerbare Energien seien laut BP in sämtlichen Szenarien die am schnellsten wachsenden Energieträger in den kommenden 30 Jahren. Beim Net-Zero-Szenario steige der globale Anteil der Primärenergie aus erneuerbaren Quellen von fünf Prozent im Jahr 2018 auf 60 Prozent bis 2050. Das Rapid-Szenario ergebe eine Steigerung auf 45 Prozent und das Business-as-usual-Szenario von immerhin 20 Prozent. Wind- und Solarenergie seien in allen Szenarien der Wachstumstreiber.

Die Gasnachfrage zeige sich insgesamt robust, sei jedoch je nach Szenario unterschiedlich stark ausgeprägt: Während im Net-Zero- Szenario die Nachfrage 2050 im Vergleich zum Jahr 2018 um rund ein Drittel sinkt, ist sie im Rapid-Szenario in 30 Jahren ähnlich hoch wie 2018. Lediglich im Business-as-usual-Szenario steigt die Gasnachfrage um rund ein Drittel bis 2050.
 


Quelle: BP Energy Outlook 2020

Bei einer zunehmenden Dekarbonisierung der Energiesysteme würden Wasserstoff und Bioenergie wie beispielsweise Biomasse und -gas außerdem an Bedeutung gewinnen, schreiben die Analysten von BP. Außerdem sei mit einer zunehmenden weltweiten Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs zu rechnen, beispielweise durch den Einsatz von Elektroautos.

Autor: Ferdinand Hammer

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2 Kommentare

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Kommentare

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21.09.20 20:44:06
Ist denn hier noch niemanden aufgefallen, das die Preise an den Tankstellen und Heizöl im Keller sind? Die Preise sind so tief wie im April, und das obwohl der Rohölpreis um über 100% gestiegen ist.
Die Wirtschaft läuft langsamer als prognostiziert und die Flieger stehen am Boden. Die Heizöltanks sind voll und die Ölförderung läuft immer noch auf Hochtouren. Das kann nicht gut gehen.
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17.09.20 14:18:30
Das Motto des Energiereports sollte heißen: "Dümmer geht es immer".

Die Prognosen von BP sind völlig lächerlich. Es gibt keinerlei Grund zur Annahme, dass der Ölbedarf, welcher die leichteste gespeicherte Energie nutzbar für die Zivilisation ist, jemals auch nur länger als ein Jahr merklich rückläufig sein wird. Das Ende des Ölzeitalters, wird eher als das Ende der Ära BP zu deuten sein. Der Konzern zerlegt sich selbst, indem er in erneuerbare Energien investiert, die nur kleine Renditen ermöglichen und keinerlei Marktbarrieren aufweisen.

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