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Marktkommentar: Prof. Dr. Jan Viebig (Oddo BHF): Innovationsstandort Deutschland
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Marktkommentar Prof. Dr. Jan Viebig (Oddo BHF): Innovationsstandort Deutschland

Gastautor: Asset Standard
02.02.2021, 15:15  |  190   |   |   

Innovationsstandort Deutschland - viel besser als sein Ruf

29.01.2021 - Chaos bei der Bereitstellung des Corona-Impfstoffs, Mangel an digitalem Lernangebot an Schulen, langsames Internet – die Liste der Kritikpunkte, die Deutschlands Rückständigkeit belegen sollen, scheint endlos.

„Bloomberg Innovation Index“

Analysten von Bloomberg haben offenbar ein anderes Bild vor Augen. Sie kürten Deutschland zum Innovationssieger 2020. Seit 2015 hat Deutschland regelmäßig den Sprung unter die besten Drei geschafft, einzig im Jahr 2018 wurde das Siegertreppchen verfehlt. Der jährlich veröffentlichte „Bloomberg Innovation Index“ misst die Innovationskraft von Volkswirtschaften anhand von sieben Kriterien, darunter die Höhe der Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die Dichte an Hightech-Unternehmen und die Häufigkeit der Patentanmeldungen. Auch die Effizienz des Hochschulsystem und die Zahl der Forscherinnen und Forscher im Verhältnis zur Bevölkerung fließt mit in die Bewertung ein.

Besonders gut schneidet Deutschland in den Kategorien Patentaktivität und börsennotierte Hightech-Unternehmen ab (jeweils Platz 3).  Auch hinsichtlich der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe, wo vor allem in der Automobilindustrie ein Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit liegt, kommt Deutschland auf eine sehr gute Bewertung.

Deutsche Forschungsinstitute – treibende Kraft im Innovationsprozess

Ein wichtiges Kriterium für Innovationskraft ist die Forschung. Die nach Mitarbeiterzahl und Budget größte Forschungsorganisation ist die Helmholtz-Gemeinschaft, die ihre Ursprünge in der Kernforschung hat, inzwischen aber Felder wie Energie, Umwelt, Medizin und Informationstechnologie abdeckt und einige Nobelpreisträger (Medizin (2008), Physik (2007)) in ihren Reihen hat.

Mit der Max-Planck-Gesellschaft verfügt Deutschland über eine weitere Forschungsgesellschaft von internationalem Rang. Knapp 24.000 Personen beschäftigt die Gesellschaft in 86 Instituten und Forschungseinrichtungen, davon sechs im Ausland. Die Max-Planck-Gesellschaft konzentriert sich auf die Grundlagenforschung, den ersten Schritt im Innovationsprozess. Seit ihrer Gründung im Jahre 1948 hat die Gesellschaft 20 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger hervorgebracht. Allein im vergangenen Jahr gingen zwei Nobelpreise an Forscher der Max-Planck-Gesellschaft: Der Astrophysiker Reinhard Genzel wurde für seine Arbeit zu Schwarzen Löchern mit dem Nobelpreis für Physik 2020 ausgezeichnet, die in Berlin lebende und arbeitende Französin Emmanuelle Charpentier – ein Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Franzosen – wurde für ihre bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Genom-Editierung mit dem Nobelpreis für Chemie bedacht.

Die Fraunhofer Gesellschaft ist die größte Einrichtung für angewandte Forschung in Europa. In 74 Instituten beschäftigt die Gesellschaft nach eigenen Angaben rund 28.000 Mitarbeiter mit dem Ziel, zukunftsrelevante Technologien anwendungsorientiert zu erforschen.

Wie Anleger Innovationen nutzen können

Forschung kann nur dann wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn Investoren Kapital für innovative Produkte  und Prozesse bereitstellen. Das zeigt sich aktuell am Beispiel der Biotechnologie-Unternehmen und Impfstoffentwickler BioNTech und CureVac. Das Mainzer Unternehmen BioNTech wurde durch die Unternehmer-Brüder Andreas und Thomas Strüngmann finanziell unterstützt, beim Tübinger Unternehmen CureVac ist SAP-Gründer Dietmar Hopp investiert.

Nicht jeder verfügt über ausreichend tiefe Taschen, Risikobereitschaft und Geduld, um in der Start-up-Szene professionell mitzumischen. Die Börsen bieten aber allen Anlegern ein weites Feld, in Innovationen und Zukunftstrends zu investieren. Interessante Themen mit hohem wirtschaftlichem Potenzial sind nach unserer Einschätzung das Cloud-Computing, Automation und Robotik, künstliche Intelligenz, E-Commerce, Cybersecurity, neue Medien, Umwelttechnologie und „grüne“ Energie sowie Änderungen des Konsumverhaltens und Medizin. Durch thematisch orientiertes, aber sektorübergreifendes Investieren lassen sich innovative Entwicklungen rasch aufgreifen und für den Anleger über eine Zertifikate- oder Fondslösung erschließen.

Besonders spannend erscheinen uns derzeit vier Bereiche: Künstliche Intelligenz (KI oder, englisch, AI), Quantencomputer (Quantum Computing), mRNA-basierte Medikamente und „grüne“ Energie.

Künstliche Intelligenz beinhaltet die Automatisierung von Lernprozessen auf der Basis von Erfahrungen und in Anlehnung an menschliche Entscheidungsprozesse. Das maschinelle Lernen stützt sich in der Regel auf große Datensätze („Big Data“) und leistungsfähige Computersysteme. Entsprechend geben sich Berührungspunkte nicht nur zu potenziellen Nutzern der Technologie, sondern auch zu Datenlieferanten wie Alphabet oder zu Technologieunternehmen wie Samsung oder dem Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC)

Quantencomputer sind Prozessoren, die auf der Basis quantenmechanischer Zustände arbeiten und damit effizienter in der Lage sind, große Datenmengen zu verarbeiten und komplexe mathematische Probleme zu lösen. In Deutschland haben das Fraunhofer-Institut und die Max-Planck-Gesellschaft ihre Kompetenz zur Entwicklung eines Quantencomputers im „Munich Quantum Valley“ gebündelt.

Die Boten-Ribonukleinsäure (Boten-RNA oder mRNA) überträgt die genetische Information einer Zelle und ermöglicht so den Aufbau eines Proteins. Bekannt geworden ist der Begriff in den vergangenen Monaten aufgrund der darauf basierenden, bemerkenswert wirksamen Impfstoffe gegen das Covid-19-Virus – an deren Entwicklung oben genannte Biotech-Unternehmen beteiligt sind. Das Potenzial der Boten-RNA ist jedoch wesentlich breiter. Ein großes Anwendungsfeld beispielsweise könnte die Krebstherapie sein.

Auch die Suche nach „grünen“ Energiequellen geht weiter. Der Klimawandel schreitet voran und politische Vorgaben zur Reduktion der CO2-Emissionen werden zunehmend verschärft. Die Elektromobilität hat viele Anhänger, und auch Wasserstoff als Energielieferant wird heiß diskutiert. Die Bundesregierung beispielsweise will die Entwicklung von „grünem“ Wasserstoff mit immerhin rund sieben Milliarden Euro fördern.

Deutschland muss sich mit seinen renommierten Forschungseinrichtungen und innovativen, vielfach mittelständischen Unternehmen nicht verstecken. Im Bloomberg Innovation Index 2021, der demnächst veröffentlicht werden wird, dürfte Deutschland wieder ganz weit vorne sein.

Auf längerfristige, innovative Themen zu setzen erscheint uns auch für Anleger eine kluge Wahl. Schlüsseltechnologien wie KI, Quantum Computing oder, im medizinischen Bereich, mRNA werden nach unserer Überzeugung die nächste Dekade mitprägen. Als risikobewusster Anleger sollte man jedoch nicht auf sein „glückliches Händchen“ bei der Auswahl eines Hoffnungsträgers vertrauen, sondern eine qualitätsorientierte, sektorenübergreifende thematische Strategie verfolgen.




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Rechtliche Hinweise

Vergangene Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für die Zukunft. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Etwaige Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung des Investment Office der ODDO BHF AG wieder, die sich insbesondere von der Hausmeinung innerhalb der ODDO BHF Gruppe unterscheiden und ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

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