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China-Aktien im Fokus AlleAktien-Gründer Jakob: Diese fünf China-Risiken sollten Anleger kennen

02.08.2021, 14:44  |  12248   |   |   

Pekings Regulierungspläne lassen China-Aktien crashen. AlleAktien-Gründer Michael Jakob erklärt im w:o-Interview auf welche Risiken China-Anleger achten sollten und in welche China-Aktien er investiert ist.

wallstreet:online: Wie siehst Du die Aussichten für Alibaba, Tencent & Co. angesichts der harten Hand, mit der die chinesische Regierung die Tech-Riesen regulieren will?

Michael Jakob: China Aktien durchlaufen in der Deutschen Anlegerkultur einen regelrechten halbjährlichen Zyklus von Angst und Gier wie man es selten sieht. Alle paar Monate kommt ein neues China-Risiko hoch (zuletzt: Jack Ma verschwindet, Überregulierung, Aufspaltung und nun die Regulierung von Bildungs-Startups).

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Alibaba und Tencent haben da eine Sonderrolle. Einerseits sind diese Unternehmen unglaublich mächtig: sie kontrollieren beinahe das gesamte Internet in China. Mit dem größten sozialen Netzwerk der Welt, WeChat. Mit den beiden größten Cloud-Angeboten AliCloud und Tencent Cloud. Mit der weltweit größten eCommerce Plattform. AliPay und WeChat Pay sind das, was hierzulande PayPal, Visa, Mastercard und Square bedienen. Das macht die Monopole viel mächtiger als etwa Google oder Facebook. Andererseits will die chinesische Regierung gerade nicht, dass Alibaba und Tencent zu mächtig werden, und der Regierung gefährlich werden könnten. Zur Sicherung der Regierung werden Alibaba und Tencent hart reguliert und gezeigt, „wer die Hosen anhat“.

Die Wahrheit ist: Chinas Regierung braucht Alibaba und Tencent genauso wie andersherum. Alibaba und Tencent sind nur so groß geworden, weil sie jahrzehntelangen Schutz der Regierung genießen konnten (Konkurrenten wie Facebook, Alphabet sind bis heute verboten). Andersherum bilden Tencent und Alibaba das mächtigste Überwachungs- und Medienkonglommerat der Welt. Nirgends gibt es so viele Daten über die Bürger. Nirgends kann man Meinung und Zensur so leicht lenken. Xi Jinping braucht auch Alibaba und Tencent.

Aus Investorensicht: Alibaba und Tencent sind durch jeweils hunderte Produkte relativ gut in sich diversifiziert. Gleichzeitig sind es lokale Monopole, die auch nach Südostasien expandieren. Und es ist schwer vorstellbar, dass China die eigenen Tech-Champions gegen die Wand fahren wird.

Rein fundamental sind Alibaba und Tencent intakt: je 40 Prozent und 20 Prozent Umsatzwachstum und hoch profitabel mit Gewinnmargen von 25 Prozent. Gleichzeitig Bewertungen um das 25er KGV bei einer starken Monopolstellung. Und: Tencent und Alibaba profitieren direkt von der Road-and-Belt-Initiative, bei dem die China-Regierung bis 2030 unglaubliche 1.000 Milliarden US-Dollar investieren will. Knapp 50 Mrd. US-Dollar wurden allein 2020 investiert. Das Unternehmen ist nicht das Problem. Sondern die Aktie.

wallstreet:online: Sind chinesische Aktien für Dich eher eine riskante Beimischung im Depot oder ein unverzichtbarer Baustein?

Michael Jakob: Das sieht jeder anders. China ist die zweitgrößte Wirtschaft der Welt nach BIP, soll bis 2028 auch die USA als #1 ablösen. Daher sind China-Aktien für mich außer Frage ein unverzichtbarer Baustein — genau wie die USA oder Japan oder Deutschland. Die vier größten Volkswirtschaften.

Allerdings halte ich mich relativ stark an Alibaba und Tencent. Kleine „Mittelstandsaktien“ aus China meide ich eher. Erstens sind die Bilanzen und Geschäftsberichte da oft undurchdringlich — es wird hier gerne mal „optimiert“ und die Berichte sind nicht von einem internationalen Wirtschaftsprüfer wie KPMG, EY oder PwC geprüft — und die Risiken sind enorm, wenn die Regierung in genau diesem einen Segment ein neues Gesetz erlässt. Dann passiert genau das, was wir bei New Oriental Education gesehen haben: Minus 90 Prozent Kursverlust. Tencent und Alibaba sind gut diversifiziert, da ist ein Totalverlust schwer vorstellbar.

Ich fasse gemäß AlleAktien China Studie alle China-Risiken in fünf einfachen Kategorien zusammen:

  1. Bilanzvertrauen: Stimmen die Zahlen überhaupt, die in der Bilanz stehen?
     
  2. ADR Verbot: Was geschieht mit meinen ADRs, falls diese in den USA verboten werden. ADRs sind ein etabliertes Verfahren, um ausländische Aktien an US-Börsen handeln zu können.
     
  3. Antimonopolgesetze und Regulierung: Dieses Risiko haben wir gerade bei New Oriental Education gesehen. Neue Gesetze und stärkere Regulierung können ganze Unternehmen und Branchen stilllegen. Je entwickelter und wohlhabender eine Nation wird, umso mehr Regulatorik und Verbraucherschutz gibt es. Genau das erleben wir gerade auch in China.
     
  4. Lokale Enteignung: China enteignet oder „vergesellschaftlicht“ Firmen in China. In der Regel werden hier aber, genau wie in Deutschland, die Werte zu Marktpreisen abgekauft.
     
  5. Globale Enteignung: China macht ernst mit internationalen Investoren. Per chinesischem Gesetzestext ist es ausländischen privaten Investoren nicht erlaubt, in China ohne Genehmigung zu investieren. Nur institutionellen Investoren ist dies erlaubt. China könnte per Beschluss feststellen, dass China-Aktien jetzt nicht mehr im Ausland gehandelt werden dürfen. Dieses Risiko sehe ich als am größten — aber auch eher unwahrscheinlich.
     

wallstreet:online: Einerseits DER Zukunftsmarkt schlechthin, andererseits auch große Risiken. Abseits der großen Tech-Riesen, welche chinesischen Unternehmen bzw. Aktien werden hierzulande zu wenig beachtet?

Michael Jakob: Aufgrund der insgesamt hohen Risiken orientiere ich mich in China vor allem an Alibaba und Tencent. Besonders spannende und nachhaltige Geschäftsmodelle haben aber auch der Akku- und E-Autohersteller BYD. Oder der IoT- und Smartphonehersteller Xiaomi, der hochwertige Smartphones zu Herstellungskosten verkauft und stattdessen mit Software und Werbung Geld verdient. JD.com disruptiert die Logistikbranche mit Drohnen und vollautomatisierten Warenhäusern (in denen kein einziger Mitarbeiter mehr arbeitet), die sogar von Amazon Managern als Vorbild bewundert werden. ICBC ist die größte Bank der Welt, gemessen an der Bilanzsumme. Von unprofitablen Unternehmen wie Didi (China’s UBER) halte ich mich fern, um Risiken zu reduzieren. So oder so gilt: Diversifikation bleibt das Credo der Stunde: maximal drei Prozent sollte jede Position im eigenen Depot ausmachen.

Die Fragen stellte Julian Schick. Einleitung und Titel: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion.


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