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Otfried Sinner im Interview Traumhaus: "Immobilienaktien sind momentan der richtige Anker in jedem Depot"

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Die Traumhaus AG ist aus Sicht von Vorstand Otfried Sinner gut aufgestellt. Die Nachfrage ist unverändert hoch, die Expansion der Immobiliengesellschaft geht weiter.

Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet Sinner über die aktuellen Preissteigerungen am Bau. Das Thema Lieferengpässe wird von ihm ausführlich thematisiert, auch die Entwicklung bei den Grundstückspreisen wird angesprochen. Für Sinner ist klar, dass 2022 ein weiteres gutes Jahr für Traumhaus werden wird. Darauf deuten aus seiner Sicht alle operativen Indikatoren hin.

Sind Sie mit dem bisherigen Geschäftsverlauf 2022 zufrieden?

Sinner: Zunächst einmal ein klares Ja, ich darf mich an dieser Stelle auf keinen Fall beklagen und wir können mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahr 2022 zufrieden sein. Dennoch, das Jahr 2022 gestaltet sich in fast jeder Branche kompliziert, so auch in unserer. So hatten wir in Deutschland Anfang des Jahres sogar noch einen Teil-Lockdown zu verkraften. Zwei Jahre Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass Lieferketten unterbrochen wurden und in vielen Bereichen wiederkehrende Versorgungsengpässe auftreten. Der in der Ukraine seit zwei Monaten herrschende Krieg hat diese Situation sicherlich noch weiter verschärft.

Traumhaus hat es gerade durch den unermüdlichen Einsatz seiner Mitarbeiter geschafft, weitestgehend die Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren durch Corona abzufedern. Wir konnten auch bisher für ausreichend Material auf unseren Baustellen sorgen, so dass es bei uns kaum zu Verzögerungen in der Fertigstellung kommt. Unsere gegenwärtig 15 Baustellen liegen im Plan. Grundsätzlich wird bei neuen Bauvorhaben ein größerer zeitlicher Vorlauf eingeplant, um auf die schwierige Beschaffungssituation reagieren zu können. Alle genannten äußeren Einflüsse haben bei uns noch keine nachhaltigen Spuren hinterlassen. Zusammenfassend ist die Traumhaus AG auch im Jahr 2022 bis heute gut aufgestellt.

Überall hört man von steigenden Preisen. Sie haben in der vergangenen Woche auch den warnenden Finger erhoben. Wie gut können Sie Preissteigerungen weitergeben?

Sinner: Die Materialkosten steigen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere sind die enormen Schwankungen bei den Beschaffungskosten. Diese teilweise extremen Preisunterschiede von einem Tag auf den anderen führe ich darauf zurück, dass es sich gegebenenfalls auch um Zuschläge des Handels und der Produzenten handelt. Diesen begegnen wir mit einem taktischen Timing bei Warenbestellungen, die nicht im Rahmen unserer Kontingentvereinbarungen gesichert wurden und letztlich natürlich auch durch entsprechendes Einpreisen bei neu in den Vertrieb genommenen Projekten. Die DNA der Traumhaus, das serielle Bauen, gibt uns die Möglichkeit, Qualität zu einem vergleichbar überschaubaren Preis anzubieten.

Zuletzt las man von 50prozentigen Preissteigerungen bei Dachziegeln, ähnlich sieht es bei anderen Baumaterialien aus. Ist diese Preisspirale bald am Ende oder wohin kann dies noch führen?

Sinner: Sicherlich sind die Rohstoffe und Materialkosten schon in den letzten zwei Jahren während der Pandemie stark gestiegen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges sehen wir aber teilweise eine sehr hohe Volatilität der Materialkosten, zum Teil tagesaktuell. Es ist schwer zu beurteilen, welchen Anteil Angstzuschläge der Produzenten, Zwischenhändler und Händler jeweils daran haben und momentan ist auch nicht absehbar, wie lange und mit welchem Ergebnis dieser Krieg noch andauert.

Ist die Knappheit an Baumaterial nur auf den Ukraine-Krieg zurückzuführen?

Sinner: Eine Knappheit an verschiedenen Baumaterialien gab es schon vor dem Ukraine-Krieg. Insbesondere synthetische Dämmstoffe, also auf Erdölbasis und Elektronikkomponenten sind schon seit längerer Zeit mit höheren Lieferzeiten versehen. Der Ukraine-Krieg hat derzeit vor allem einen erwarteten Einfluss auf Energiepreise und die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland.

Die schwankende Materialverfügbarkeit hat ihre Ursachen vor allem in den schon während Corona ins Stocken geratenen weltweiten Lieferketten und in Folge des einsetzenden „Bunkerverhaltens“ und der erwähnten Angstzuschläge. Wir können uns noch gut erinnern, als plötzlich Toilettenpapier ausverkauft war. Und ganz offen gesprochen: Wir haben ja auch bestimmte Materialien schon Anfang des Jahres auf Vorrat gelegt.

Noch sind Lieferengpässe bei Ihnen kein großes Thema. Kann sich dies ändern?

Sinner: Traumhaus geht davon aus, dass Baumaterial in ausreichender Menge beschafft werden kann. Wir haben in den letzten Monaten unsere Geschäftsprozesse angepasst und planen mit einer längeren Vorlaufzeit, um mögliche Verzögerungen abfedern zu können. Darüber hinaus hören wir aus dem Markt, dass viele kleinere Bauträger und Einmalbauherren ihre geplanten Vorhaben verschieben. Dasselbe haben wir in den zwei Pandemie-Jahren auch schon einmal erlebt. In der Konsequenz blieben die befürchteten Engpässe für Unternehmen mit einer kontinuierlichen Marktpräsenz wie Traumhaus letztlich doch aus. Doch können wir letzten Endes noch nicht absehen, wie sich die Lieferungen im Allgemeinen entwickeln.

Sie klagten zuletzt über zähe und zeitintensive Genehmigungsprozesse. Was muss geschehen, dass es bei den Behörden wieder runder läuft? Kann man dies nur mit Corona begründen?

Sinner: Schon vor der Pandemie hatten die Behörden begonnen, Personal bei gleichzeitigem Anstieg von Anträgen abzubauen. Und dann kam Corona, die Mitarbeiter wurden ins Homeoffice geschickt. Von dort aus sind aber viele formale Vorgänge gar nicht abzuwickeln. So hat sich die Zahl der bearbeiteten Anträge zusätzlich verringert. Wenn die Beamten in ihre Büros zurückkehren und der Publikumsverkehr wieder zugelassen ist, wird sich auch die Situation verbessern. Jedoch nicht sehr schnell, sondern über einen längeren Zeitraum, weil der Stapel der nicht bearbeiteten Anträge einfach zu hoch ist.

Unternehmen wie Hypoport rechnen aufgrund bald steigender Zinsen mit einer verstärkten Nachfrage von Bauinteressenten. Spüren Sie dies auch?

Sinner: Natürlich versuchen viele Interessenten, noch möglichst schnell in den Genuss aktuell noch immer günstiger Zinsen zu kommen. Die sind im historischen Vergleich auch bei den ersten erkennbaren Anstiegen noch immer günstig. Die Inflation tut ihr übriges, da eine Immobilie ja quasi einen Inflationsschutz besitzt. Aktuell würde ich aber sagen, die Nachfrage von Bauinteressenten ist nach wie vor vorhanden.

Gibt es Veränderungen in Ihrer Strategie aufgrund der aktuellen Situation – auch hinsichtlich der geographischen Expansion?

Sinner: Traumhaus bleibt weiter auf Expansionskurs. Nachdem wir uns letztes Jahr in Bremen mit einem weiteren Standort etabliert und in Köln ein neues Büro bezogen haben, kommt im Sommer der Standort Memmingen hinzu. Damit erschließen wir uns die Regionen Bayern und Baden-Württemberg. Außerdem bleiben wir auch bei der bewährten Auswahl der Grundstücke unserer Strategie treu: Wir suchen auch weiterhin Areale rund um Ballungszentren.

Ziehen die Grundstückspreise weiter an?

Sinner: Zurzeit sind die Grundstückspreise unverändert hoch. Ob sie weiter steigen, bleibt abzuwarten, denn wir verzeichnen seit ein paar Monaten ein höheres Angebot als vorher. Für uns ist diese Entwicklung eine gute, weil wir uns besser auf die Filetstücke fokussieren können: Die Grundstücke, die optimal im Speckgürtel der Metropolen liegen. Eigentlich müsste das gestiegene Angebot mittelfristig zu fallenden Preisen führen. Wir lassen uns überraschen.

Von der angepeilten Marktkapitalisierung von 100 Millionen Euro haben Sie sich wieder ein Stück entfernt. Derzeit liegt Traumhaus bei der Market Cap um die 70 Millionen Euro. Ein schwerer Rückschlag?

Sinner: Wenn Sie den gesamten Kapitalmarkt betrachten, dann haben so gut wie alle Unternehmen an Marktkapitalisierung verloren. Der größte deutsche Leitindex DAX hat seit Kriegsbeginn mehr als 3.000 Punkte, rund 20 Prozent verloren. Das Geschäftsmodell der Traumhaus AG ist gut und tragfähig und unser adressiertes Marktsegment des günstigen Wohnraums damit eher krisensicher. Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 haben wir unsere Prognosen sogar übertroffen.

Unsere Eigenkapitalquote liegt mit 30 Prozent über Niveau, unsere Bonität ist hervorragend und wir sind auf der Cash-Seite ausgesprochen liquide. Soweit wir es beurteilen können, vertrauen uns unsere Anleger und dementsprechend wird sich die Marktkapitalisierung nach diesem monumentalen exogenen Schock auch wieder in die Richtung 100 Millionen Euro erholen. Wir sehen derzeit vor allem Chancen.

Sie wagen aktuell keine Prognose für 2022. Könnte Traumhaus letztlich rote Zahlen schreiben?

Sinner: Für eine solche Sorge besteht kein Anlass. Aufgrund der vielen beschriebenen Unsicherheiten in allen Märkten und der gesellschaftlich und gesamtwirtschaftlich ungewissen kommenden Monate sind wir der Meinung, dass verlässliche Prognosen heute einfach nicht möglich sind. Als Traumhaus können wir im Wesentlichen unseren operativen Geschäftsverlauf voraussehen, nicht aber, was in der Welt um uns herum noch weiter an außergewöhnlichen Ereignissen passieren wird. Und solange diese Rahmenbedingungen derart ungewiss sind, halten wir uns mit Prognosen schlicht zurück.

Unseren eingeschlagenen Wachstumskurs habe ich dargelegt und unser herausragend profitables Ergebnis im Corona-Jahr 2021 dokumentiert zumindest ein wenig, wie wir bereits durch diese Krise gesteuert sind. Viele Investoren, die uns kennen, wissen, dass wir trotz aller Innovationsfreude eher zum bodenständigen Lager unserer Branche zählen. Und so wollen wir es auch weiterhin halten.

Noch vor wenigen Wochen hielten Analysten bei Traumhaus im laufenden Jahr ein Ergebnis je Aktie von 1,48 Euro für machbar. Ist das inzwischen noch eine realistische Annahme?

Sinner: Wir verzichten momentan auf eine Prognose für das Geschäftsjahr 2022, haben aber dafür vor wenigen Tagen eine Zwischenbilanz gezogen, in der wir äußerst transparent die Situation beschreiben. Allein im I. Quartal dieses Jahres konnten Grundstücke für 11 Millionen Euro angekauft werden. Auch die Baulandentwicklung läuft planmäßig, in der Projektentwicklungsphase stehen zurzeit 33 Projekte. Alle operativen Indikatoren weisen nach wie vor auf ein gutes Geschäftsjahr hin.

Hat die aktuelle Problematik Auswirkungen auf die Dividende?

Sinner: Die vorläufigen, noch nicht testierten Zahlen bescheinigen Traumhaus, dass die Prognose für das Geschäftsjahr 2021 eingehalten und teilweise sogar deutlich übertroffen wurde. Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat wie in den letzten Jahren eine Empfehlung für eine Dividende vorschlagen, die dann auf der Hauptversammlung den Aktionären zur Entscheidung vorgelegt wird. Grundsätzlich ist die Traumhausaktie ein Hybrid zwischen einer Wachstums- und einer Value Aktie. Dazu gehört aus unserer Sicht auch eine Beteiligung am Unternehmensgewinn und eine werthaltige Ausschüttung an die Aktionäre.

Wie stark belastet Corona noch den Bau und den Vertrieb bei Traumhaus?

Sinner: Den Bau belastet es, wenn der Krankenstand in die Höhe geht, was aber glücklicherweise kein durchgängiges Phänomen ist, sondern nur ab und zu vorkommt. Daraus entstehende Verzögerungen halten sich aber in Grenzen. Im Vertrieb haben wir durch einen noch höheren Einsatz der Mitarbeiter und die Anpassung der Prozesse an die Pandemie einen guten Fluss erreicht.

Allerdings finden bei uns noch immer Einzeltermine in den Musterhäusern statt, so dass ich feststellen muss, dass es ohne Corona immer noch schneller ginge. Unsere digitale Bemusterung haben wir im letzten Jahr durch ein leistungsfähigeres System ersetzt, so dass der Bemusterungsprozess für den Kunden deutlich vereinfacht wurde. Da bleiben wir dran, die Möglichkeiten werden immer besser.

Immobilienaktien sind an der Börse derzeit nicht sonderlich beliebt. Haben Investoren damit Unrecht?

Sinner: Eher sind momentan Immobilienaktien der richtige Anker in jedem Depot. Sie haben Potenzial und gleichzeitig immer einen sichtbaren Gegenwert. Ob Bauvorhaben sich verzögern oder nicht, das können Sie direkt sehen. Ob ein Problem innerhalb eines Technologie- oder Pharmaunternehmens auftritt, das ist für einen Privatanleger kaum nachvollziehbar. Insofern würde ich als Privatanleger – ganz besonders in unsicheren Zeiten – Immobilienaktien als Fixpunkt im Depot sehen. Die aufkommende Inflation bestärkt mich dabei noch.

Wie sehr achten Sie bei Ihren Bauprojekten auf Glasfaser und 5G für die späteren Bewohner?

Sinner: Glasfaser und schnelles Internet steht bei uns weit oben auf der Liste, die für die Käufer von heute wichtig ist. Nachdem wir Anfang des Jahres einen Rahmenvertrag mit einem Telekommunikationsunternehmen geschlossen haben, bieten die allermeisten unserer Projekte unseren Kunden Glasfaser und 5G. Da sind wir derzeit sehr gut aufgestellt.

Wie sehen Sie die Zukunft der KfW-Förderung?

Sinner: Die gedeckelte Förderung der Bundesregierung durch die KFW von Effizienzstandartgebäuden 40 setzt in erster Linie klimapolitische Ziele. Die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum wird nur begrenzt gefördert. Die begrenzten Mittel, die die Bundesregierung der KFW für dieses Jahr freigegeben hat, waren schon nach einem Tag ausgeschöpft. Die Förderung im Neubaubereich wäre wünschenswert, um die gesetzten Klimaziele bezahlbar umsetzen zu können.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online mit der Redaktion von www.4investors.de.


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Nachrichtenquelle: 4investors
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