USD/JPY Japaner stärken ihren Premier ... und schwächen damit ihre Währung

Gastautor: Torsten Gellert
22.07.2013, 12:53  |  1488   |   |   

Wie ist die Stärke des Japanischen Yen heute Morgen nach der Oberhauswahl, aus der die Regierungskoalition unter Ministerpräsident Shinzo Abe als eindeutiger Sieger hervorging, zu erklären? Nachdem der US-Dollar in der Nacht zunächst noch über die Marke von 101 Yen gestiegen war, konnte Japans Währung bis zum Handelsstart in Europa nicht nur die Verluste wieder aufholen, sondern sogar ein kleines Plus verbuchen. Mit Sicherheit liegt es nicht daran, dass die Marktteilnehmer nun glauben, mit dem für japanische Verhältnisse sehr seltenen Umstand, dass ein Premier ganz ohne Opposition durchregieren kann, würde nun der jahrelange politische und damit vor allem wirtschaftliche Stillstand Nippons überwunden und dem Land stehe eine dauerhafte Erholung bevor.

 

Langfristig stehen die Chancen dafür sicher so gut wie lange nicht, aber dieser Weg führt nur über einen ganz klar weiter schwachen, mehr noch, viel schwächeren Yen. Die Gründe in der heutigen Berg- und Talfahrt des Yen sind eher woanders zu suchen. Erstens gab es die ganz großen Optimisten, die Abe sogar eine Mehrheit im Oberhaus ohne die Koalitionsparteien zugetraut hatten. Diese von allen anderen Parteien unabhängige Mehrheit hat die Koalition mit nur 114 der nötigen 122 Sitze leicht verfehlt. Mit ihren Partnern kommt die Liberaldemokratische Regierungspartei (LDP) auf immerhin komfortable 135 von 242 Sitzen. Wenn man allerdings bedenkt, dass Abes Kurs, die nach ihm benannten „Abenomics“, selbst innerhalb seiner Partei bei einigen Interessensgruppen auf gesunde Skepsis stößt und man die Koalitionäre bei allen Gesetzesänderungen von der Notwendigkeit überzeugen muss, kann schnell mal die geforderte Mehrheit verfehlt werden.

Der zweite Grund ist aber auch hier wie in vielen anderen Fällen an der Börse in der Tatsache zu suchen, dass man sich auf ein bevorstehendes Ergebnis, hier den Sieg der LDP, hin positioniert und dieses Ereignis eingepreist hat. Und nun, nachdem das Ergebnis wie vorhergesagt auch eingetroffen ist, werden die Gewinne in dieser Position erst einmal glattgestellt, bzw. spekulative Positionen geschlossen. Wer aber wie ich von einem weiter eher schwachen Yen ausgeht, sollte die heutigen Kurse unter 100 USD/JPY zum Einstieg nutzen. Denn wenn überhaupt, führt ein Erholungskurs Japans nur über die Fortsetzung des im Frühjahr eingeschlagenen geldpolitischen Kurses, der eine Verdopplung der Geldmenge in nur 20 Monaten vorsieht. Und an einer Ausweitung dieses Kurses auf zusätzliche Lockerungsmaßnahmen, die zum Ziel die angestrebte zweiprozentige Inflation haben, führt in meinen Augen in den nächsten Monaten kein Weg vorbei.

Der Weg über die Notenpresse ist einfacher als Strukturreformen

Ob der Weg aber nun nach den Wahlen und der Mehrheit in beiden Häusern auch über die notwendigen Strukturreformen, die „dritte Säule“ der „Abenomics“, führt, daran habe ich so meine Zweifel. Neben auf Pump finanzierten Konjunkturprogrammen und der angesprochenen Geldschwemme hat Abe zumindest vor der Wahl auch Reformen des bislang unflexiblen Arbeitsmarktes, Steuersenkungen für Unternehmen und tiefgreifende Änderungen im Gesundheits- und Agrar-Sektor versprochen. Und da wäre dann wieder das Problem mit einer zwar auf den ersten Blick stabilen, aber auch gefährlichen Parlamentsmehrheit. Geld aus Konjunkturprogrammen und von der Notenbank nimmt jeder gern, geht es aber für die Angestellten ans Eingemachte in Sachen Kündigungsschutz und verteuert ein immer schwächerer Yen für Unternehmen die Importe von Energie und Rohstoffen, sehen die Wähler schnell die andere Seite der Medaille.

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