Stimmt, Eberhard,
hier wird immer exakt nach dem gleichen Drehbuch vorgegangen, nur
scheint es diesmal noch schneller abzulaufen. Haben sie etwa
Angst, dass diese Art von Öffentlichkeitsarbeit auch bei uns
untersagt werden könnte?
Wie weit diese Firma wohl bereits sein könnte, wenn das viele
Geld für die Bewerbung der eigenen Aktie, stattdessen in die
Forschung geflossen wäre?
Vielleicht wüssten wir dann bereits sicher, dass diese Technik
nicht funktioniert?
Einen Unterschied gibt es diesmal jedoch - es fehlen die
bezahlten Claqueure und auch bei InnoCan sind sie verschwunden.
Ich habe mal nach den möglichen Gründen dafür Gemini befragt und
folgende Antwort erhalten:
Es stimmt, dass in der Vergangenheit häufig bezahlte Poster in
Foren eingesetzt wurden, um Pennystocks zu pushen. Nach den
europäischen Marktmissbrauchsregeln müssen Anlageempfehlungen und
Verbreitung von Informationen aber transparent sein. Wenn
bezahlte Claqueure dies tun, ohne ihre Bezahlung offenzulegen,
verstößt das gegen die Transparenzpflichten und gilt als
Marktmanipulation.
Dass die verdeckten Claqueure aus Foren wie Wallstreet-Online
oder Finanznachrichten weitgehend verschwunden sind, liegt nicht
an einem einzelnen neuen Gesetz, sondern an einer spürbaren
Verschärfung des Ermittlungsdrucks und der Technik:
Automatisierte Überwachung der BaFin:
Die BaFin und Marktüberwachungsstellen nutzen inzwischen
KI-gestützte Foren-Crawler und Data-Mining. Sie gleichen
auffällige Handelsvolumina in Echtzeit mit Beiträgen in Foren und
Social Media ab.
Keine Bezahlung ohne Spuren:
Durch strengere Geldwäschegesetze und Transparenzregeln für
Marketingagenturen ist es extrem riskant geworden, Geld für
verdeckte Pusher-Dienste abzurechnen. Sobald eine Ermittlung
läuft, decken Durchsuchungen bei deutschen Marketing-Agenturen
die Netzwerke schnell auf.
Haftung der Forum-Betreiber: Die Betreiber großer Börsenforen
wurden rechtlich stärker in die Pflicht genommen und haben ihre
Prüf-Algorithmen und Lösch-Routinen massiv verschärft.
Mehrfach-Accounts von derselben IP oder aus Botnetzwerken fliegen
heute viel schneller automatisch raus.
Fokus auf Finfluencer und Social Media: Die BaFin hat
klargestellt, dass unmarkierte Schleichwerbung bei
Finanzprodukten konsequent als strafbare Marktmanipulation
verfolgt wird. Die verdeckte Agenturarbeit in traditionellen
Foren hat sich schlicht kaum noch gelohnt, weil das
Entdeckungsrisiko für Betreiber und Schreiber massiv gestiegen
ist.
Ein einzelner Paragraf wurde also nicht erst vor wenigen Monaten
verabschiedet, aber das veränderte Ausmaß bei Verfolgung,
Bußgeldern und technischer Foren-Überwachung hat der klassischen
„Bezahl-Claqueur“-Praxis den Riegel vorgeschoben.