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Notenbanken Warum ich ab 3,75% Inflation verkaufe

Gastautor: Max Otte
08.02.2018, 09:16  |  4958   |   |   

Investieren ist keine Wissenschaft, sondern eine der letzten freien Künste. Oder wie Investmentexperte Robert Hagstrom es ausdrückte: die letzte freie Kunst. Wir haben immer mit Unsicherheit zu tun – letzte Gewissheiten gibt es nicht, wenn wir in die Zukunft schauen.

 

Aber wir haben Leitlinien, die wir nutzen können. Unser System ist überschuldet. Irgendwann kommt die nächste Krise. Auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim am 25. Januar 2018 war ich einer der wenigen, die sehr deutlich warnten, dass der jetzige Boom vorbeigehen wird. Und ich habe mich festgelegt: Es wird noch in der Amtszeit von Donald Trump der Fall sein.

 

Dies bedeutet eine deutliche Veränderung meiner Ausrichtung: Die gesamten letzten neun Jahre war ich Bulle und habe mehr oder weniger deutlich zum Vollgas für Aktien geraten. Nun heißt es, Schritt für Schritt vorsichtiger zu werden.

 

Warum in einem überschuldeten System die Deflation Gift für die Finanzmärkte ist, dürfte jedem klar sein. Die Wirtschaftsaktivität bricht zusammen, die Märkte kollabieren. Ich habe in Mannheim über mögliche Ursachen der deflationären Krise gesprochen und werde in meinen Beiträgen der nächsten Wochen noch einige Male darauf zurückkommen.

 

Die Notenbanken versuchen deswegen krampfhaft, die Deflation zu vermeiden und Inflation zu produzieren. Vielleicht gelingt es ihnen, vielleicht nicht. Aber auch höhere Inflation ist Gift für die Märkte. Geldforderungen müssen vernichtet werden. In der Deflation passiert dies durch Insolvenzen, Staatsbank- rotte und Währungsreformen. In der Inflation werden die Geldforderungen einfach weniger wert. Man könnte also annehmen, dass Inflation das kleinere Übel sei. Stimmt erstmal … aber wenn die Inflation über eine gewisse Marke springt, reagieren die Märkte ebenfalls sehr negativ.

 

Und das hat seinen Grund: Die Angst davor, dass die Notenbanken das von ihnen geschaffene Geschöpf nicht mehr unter Kontrolle haben (wie bei Goethes Zauberlehrling), ist sehr groß. Im Dow Jones kann man sehr gut beobachten, dass die Märkte fallen, sobald die Inflation die 4-Prozent-Marke überschreitet. Das ist kein Naturgesetz, aber doch ein sehr robuster Zusammenhang.

 

In den 60er Jahren kam der Dow Jones nicht über die 1.000er-Marke hinaus. Als die Inflation 4 Prozent überschritt, erfolgten zwei Korrekturen – und 1973/74 dann der große Crash der Märkte. In den frühen 80er Jahren lag die Inflation konstant über 4 Prozent – der Dow Jones stagnierte.

 

Von 1982 bis 1987 änderte sich das – und der Dow stieg. Der Crash von 1987 erfolgte, als die Inflation 4 Prozent überstieg. Dann die lange Boomphase der 90er. Sie ahnen es schon: bei einer Inflation unter 4 Prozent. Und was war beim Dotcom-Crash? Die Inflation hatte ebenfalls 4 Prozent überschritten. In den letzten Jahren ist das Muster nicht ganz so ausgeprägt, aber selbst hier lässt es sich gut erkennen.

 

 

Fazit: Nicht nur Deflation, auch höhere Inflation ist Gift für die Märkte. Ich werde hier ab 3,5 Prozent sehr vorsichtig und verkaufe ab 3,75 Prozent. Dabei gibt es noch einen weiteren Anhaltspunkt. Je schneller der Anstieg erfolgt, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Notenbanken die Sache nicht mehr unter Kontrolle haben.

  

Auf gute Investments,

Ihr

Max Otte

P.S.: Auf unserem Blog bringen wir täglich neue Analysen und Kommentare, vermitteln Börsenwissen und Anlagestrategien. Es lohnt sich, regelmäßig vorbeizuschauen!



3 Kommentare

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Kommentare

Zitat von neuflostein: Das ganze Timing und Absichern klappt eh nicht und mindert die Rendite...


Sichert aber das Einkommen anderer :D
Was einem stark zu denken gibt, ist, dass Herr Otte sich "festlegt", ein Crash wird noch unter Trump erfolgen. Wie kann man sich bei sowas festlegen?

Wie wäre es, man kauft Qualität und lässt die einfach liegen? BASF, Fresenius, Novo Nordisk, Unilever, 3M, Honeywell, Microsoft, Linde kaufen und abwarten? Das ganze Timing und Absichern klappt eh nicht und mindert die Rendite...

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