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Aktuelle Entwicklungen in der Schlaganfallbehandlung

Nachrichtenquelle: Pressetext (PM)
17.06.2018, 09:00  |  2773   |   |   

Lissabon (pts002/17.06.2018/09:00) - Schlaganfall hat epidemische Ausmaße erreicht: Europa verzeichnet jährlich um die 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr. "Dank großer Fortschritte bei Prävention, Therapie und Rehabilitation sinken zwar die Sterberaten seit zwei Jahrzehnten. Es muss uns aber noch besser gelingen, bleibende Behinderungen nach einem Schlaganfall oder Schlaganfälle insgesamt zu verhindern. Dazu tragen die neueste Forschungsergebnisse wesentlich bei", sagte Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas (Graz) beim 4. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Lissabon.

Eine aktuelle Studie (Amarenco et al) unterstreicht etwa die Bedeutung der Sekundärprävention, um wiederkehrende Schlaganfälle zu verhindern. Sie führt vor Augen, wie hoch das Risiko ist, nach einem kleinen ischämischen Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) erneut einen Schlaganfall zu erleiden. Dafür wurden Daten von rund 3.800 Patientinnen und Patienten bei einem Fünf-Jahres-Follow-up herangezogen. Bei fast 13 Prozent der Patienten, das sind 469 Personen, traten innerhalb von fünf Jahren entweder ein Schlaganfall oder ein akutes Koronarsyndrom auf oder sie waren aufgrund eines Herzkreislaufproblems verstorben. "345 Patienten hatten im Untersuchungszeitraum Schlaganfälle, davon 196 allein im ersten Jahr und 149 in den restlichen vier Jahren", so der President elect der EAN, Prof. Fazekas.

Duale Plättchentherapie mit Clopidogrel und Aspirin

Es wird daher intensiv nach Methoden gesucht, um diese besonders gefährdete Personengruppe vor weiteren Schlaganfällen zu schützen. Eine aktuelle Studie (Johnston et al) konnte nachweisen, dass sich als Präventionsmaßnahme eine kombinierte Gabe des Thrombozyten-Aggregationshemmers Clopidogrel mit Aspirin eignet. "Die Kombination war erfolgreicher als Aspirin allein, doch es steigt damit auch die Gefahr für große Blutungen. Die Anwendung dieser dualen Therapie, die gegen die Verklumpung von Blutplättchen wirkt, ist jedoch im Einzelfall sicher sinnvoll und gerechtfertigt", so Prof. Fazekas.

Für die Studie waren fast 4.900 Patientinnen und Patienten 90 Tage lang begleitet worden, die nach einem kleinen ischämischen Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke entweder Clopidogrel und Aspirin oder nur Aspirin und Placebo enthalten hatten. Ischämischer Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod infolge eines ischämisch-vaskulären Problems kamen in der ersten Gruppe bei nur fünf Prozent im Untersuchungszeitraum vor. Das waren 121 von 2.432 Patienten. In der Kontrollgruppe (Aspirin und Placebo) waren 6,5 Prozent von großen ischämischen Ereignissen betroffen, konkret 160 von 2.449 Patienten. Größere Blutungen wurden bei 23 Patienten der Clopidogrel-Aspirin-Gruppe verzeichnet, in der Aspirin-Placebo-Gruppe waren es nur zehn.

Schlaganfall aufgrund von Embolie: Rivaroxaban erhöht Blutungsrisiko

Weniger Hinweise für einen Nutzen brachte das Ergebnis einer Untersuchung (Hart et al) zur Prävention von embolischen Schlaganfällen ungeklärter Ursache: Der oral verabreichte Faktor Xa-Hemmer Rivaroxaban, ein "Blutverdünnungsmittel", ist nicht, wie erhofft, Aspirin überlegen. Er erhöht im Gegenteil sogar das Risiko für Blutungen. "Das ist bedauerlich, denn wir bräuchten dringend Möglichkeiten, um Schlaganfällen dieser Art vorzubeugen", so Prof. Fazekas. Ein Fünftel aller Hirninfarkte entstehen durch Embolien. Überlebende haben ein hohes Risiko, erneut einen Hirnschlag aufgrund eines angeschwemmten Blutgerinnsels zu erleiden.

"Bevor wir also eine Antikoagulanzientherapie einleiten, sind wir besonders gefordert sorgfältig abzuklären, ob eine Kardioembolie vorliegt", so der Experte. Für die Studie wurden mehr als 7.000 Schlaganfallpatienten über durchschnittlich elf Monate mit Rivaroxaban (Tagesdosis 15mg) oder Aspirin (Tagesdosis 100mg) behandelt. In beiden Gruppen kam es nahezu zu gleich vielen Schlaganfällen (158 in der Rivaroxaban-Gruppe, 156 in der Aspirin-Gruppe). Größere Blutungen erlitten in der Rivaroxaban-Gruppe aber mit 62 Patienten fast dreimal so viele wie in der Aspirin-Gruppe, wo 23 Patienten von Blutungen betroffen waren.

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