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Gefahr für Dividendenaktien Warum der Zinswandel nicht nur den Anleihemarkt beeinflusst

Gastautor: Michael Walter
12.07.2018, 10:19  |  262   |   |   

Wie der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik funktionieren kann, hat Amerika bereits
vorgemacht. Jetzt ist Europa dran, im Juni beschloss die EZB das Ende der Anleihekäufe
2018. Auch, wenn die Leitzinsen vorerst bei Null verharren und die sich abkühlende
Wirtschaft Zweifel an der Zinswende aufkommen lässt, ist klar: Das Ende einer Ära wurde eingeläutet. Michael Walter, Geschäftsführer der EVV Vermögensverwaltung, erklärt, warum nicht nur Anleiheinhaber gefährdet sind und wie man von den geplanten Zinserhöhungen profitieren kann. Der erfahrene Anlageexperte und ehemalige Börsenhändler meint:

„Anleger sollten sich rechtzeitig auf steigende Zinsen vorbereiten. Die Märkte nehmen
Entwicklungen voraus und beim ersten Zinsentscheid ist es zum Handeln schon zu spät.“

Drohende Kursverluste bei Anleihen
Steigende Zinsen sind Gift für den Anleihemarkt. Nach mehr als zehn Jahren Niedrigzins
droht sich umzukehren, was Anleihebesitzer nach der Finanzkrise in Verzücken versetzte:
Statt Kursgewinnen kündigen sich jetzt herbe Kursverluste an. Nachdem Anleger sich in den letzten Jahren mit nicht existenten Renditen rumärgern mussten, könnten die anstehenden Veränderungen so Manchen jetzt auch noch auf dem falschen Fuß erwischen. In einem Umfeld steigender Marktrenditen fallen die Anleihekurse. Das erklärt sich mit der sinkenden Nachfrage nach den alten, im Vergleich nun weniger einträglichen, Papieren. Wenn der Zins nicht angepasst werden kann, wird die Rendite eben über den Kurs reguliert. Und die Verluste fallen umso höher aus, je länger die Restlaufzeit der Anleihe. Wer in seiner Verzweiflung auf langlaufende Festverzinsliche gesetzt hat, um wenigstens ein bisschen Zins herauszuholen, sollte die momentane Unentschlossenheit der EZB nutzen, sein Depot auf Zinssensibilität zu überprüfen und unliebsamen Überraschungen vorzubeugen.

Dividendenaktien besonders anfällig
Nicht nur Anleihebesitzer werden von Zinserhöhungen betroffen sein, denn auf der Jagd
nach Rendite ist viel Geld vom Anleihe- in den Aktienmarkt geflossen. Dividende statt Zinsen, davon konnten besonders konservative Aktien mit attraktiver Dividendenrendite profitieren. Dass fundamentale Bewertungskriterien dabei in den Hintergrund rückten, zeigt zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im S&P 500, das mit 19 zu Beginn des Jahres weit über dem langjährigen Durchschnitt lag. Keine Frage, die Wirtschaft läuft und das spricht grundsätzlich weiterhin für Aktien. Dennoch ist die Gefahr groß, dass sich der Trend der letzten Jahre umdreht, wenn die Zinsen wieder steigen. Dann sinkt die relative Attraktivität der Dividenden und das Geld fließt wieder in zurück ins Anleihesegment. US-Anleger haben bereits zu spüren bekommen, wie sich eine Umkehr der Zahlungsströme auswirken kann.

Seit die Fed die Zinsschraube anzieht, haben gerade Dividendenklassiker wie Procter &
Gamble, Johnson & Johnson, 3M oder McDonalds mit Kursverlusten zu kämpfen. Allein in diesem Jahr verloren sie bis zu 20 Prozent von ihren Höchstkursen. Sollte die EZB
nachziehen, könnte ihre europäischen Pendants dasselbe Schicksal ereilen.

Finanzbranche profitiert von Zinserhöhungen
Neben den Risiken sehen die Experten der EVV aber auch ausgewählte Chancen in einem veränderten Zinsumfeld. Aktien von Banken, denen die Zinserträge wegen der Niedrigzinsen weggebrochen sind, können endlich wieder aufatmen. Und auch Versicherer dürften Nutzen aus der Entwicklung ziehen. Finanztitel werden die Hauptprofiteure der Entwicklung sein, meint der Stratege Walter. Er bevorzugt im Szenario steigender Zinsen außerdem Titel aus der Chemie- und Automobilbranche. Diese würden zwar nicht direkt von der Entwicklung begünstigt, gälten aber als weitgehend unanfällig für steigende Zinsen.

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