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Deutschlands Zukunft: 7 Fakten über die wirtschaftliche Lage

Gastautor: Arthur Vott
20.07.2018, 15:19  |  1167   |   |   
Auf den Punkt gebracht:
  • Aktuell geht des der deutschen Wirtschaft blendend. Das Wachstum stimmt, die Inflation ist moderat und die Arbeitslosenquote ist auf einem historischen Tiefststand.
  • Während das mittelfristige Wirtschaftsbild stimmt, liegt die größte Herausforderung für Deutschlands Zukunft in der Sicherstellung des langfristigen Wachstums.
  • Vor allem bei den öffentlichen und privaten Investitionen hat Deutschland sich lange auf seinen historischen Erfolg ausgeruht. Auch das neue Koalitionspaket bringt nur wenig Veränderung.

 

IWF Report 2018

Anfang Juli erschien von der IWF (Internationaler Währungsfonds) ein Report über Deutschland, welcher die aktuelle wirtschaftliche Lage des Landes analysiert. Der IWF an sich ist eine unabhängige Organisation der vereinten Nationen, welche zum Zweck hat, das globale Wachstum und die wirtschaftliche Stabilität durch Politik, Beratung und Finanzierung der Mitglieder zu gewährleisten. Die Jahresreports dienen dabei als Zusammenfassung der Analyse- und Beratungstätigkeiten und liefern einen transparenten Einblick in das Herz eines Landes. Wir haben den 100-Seitigen Bericht genauer unter die Lupe genommen und für Sie die relevantesten Erkenntnisse zusammengetragen

#1: Die Wirtschaft brummt. Auch in naher Zukunft

Das kommt kaum erstaunlich für viele Leser, schließlich vermag man die ein oder andere Meldung über eine blendend laufende Wirtschaft in den Zeitungen gelesen haben. Das reale Bruttoinlandsprodukt(BIP)-Wachstum nahm jedenfalls deutlich zu und erreichte sogar 2,5% in 2017. Vor allem der starke Privatkonsum, sowie ein bestens laufender Arbeitsmarkt – in dem die Arbeitslosenquote auf ein Niveau gesunken ist, welches seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht worden ist – sorgten für den Antrieb im letzten Jahr. Und trotz immer steigender Löhne blieb sogar die Inflation moderat gering, was sich in Zukunft weiterhin positiv auf den Konsum der Haushalte auswirken kann. Insgesamt war 2017 also fiskaltechnisch ein hervorragendes Jahr für Deutschland. Der Staatsüberschuss stieg auf 1,2% des BIP und damit auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Aufgrund dieser ausgezeichneten Basis, rechnen die Experten vom IWF bis 2021 mit ähnlich starken Ergebnissen. Erwartet wird eine durchschnittlich jährliche Steigerung des BIPs von 2%, welche vor allem durch eine weiterhin steigende Beschäftigung, höhere Investitionen und eine nach wie vor lockere Geldpolitik getrieben wird.

BIP Wachstum DE

#2: Deutschland spart und spart und spart

Auch diese Erkenntnis mag nicht neu klingen, schließlich hat sich Deutschland über die letzten Jahrzehnte einen internationalen Ruf als Sparweltmeister aufgebaut. Die Neigung des Deutschen exzessiv zu sparen, ist historisch aus den Nachkriegszeiten gewachsen und bleibt auch heutzutage spürbar präsent. Neu ist jedoch, dass neben den privaten Haushalten, auch immer mehr Unternehmen und der Staat im Allgemeinen auf diesen Zug aufsteigen. Während die staatlichen Ersparnisse seit 2001 um vier Prozentpunkte des BIPs gestiegen sind, hat sich der Nettokreditvergabe-Betrag (eine Kennzahl zur Messung der im Unternehmen verfügbaren Mittel) der Unternehmen von 2001 bis 2015 um etwa fünf Prozentpunkte des BIPs erhöht. Bei den Sparquoten ist dabei der Anstieg bei den kleinen und mittleren Unternehmen am stärksten, während Familienunternehmen insgesamt die höchsten Sparquoten aufweisen. Laut IWF vollzieht sich der Trend vor allem auf Kosten der Dividenden und Zinszahlungen an Anleger. D.h. die Unternehmen sparen mehr, indem sie weniger vom verfügbaren Geld auszahlen.

Warum? Nun das hat offensichtlich mit strukturellen Änderungen der letzten Jahre zu tun, welche durch Steuerreformen dazu beigetragen haben, dass unter anderem einbehaltene Gewinne steuerlich günstiger wegkommen. Auch die Angst der deutschen Unternehmen vor einer weiteren Krise (nach 2008) und den damit einhergehenden schlechten Kreditbedingungen spielen laut IWF eine große Rolle in dem aktuellen Spartrend.

Auf den Privatsektor übertragen haben die gestiegenen Ersparnisse der Regierung und der Unternehmen die Kaufkraft der Haushalte geschmälert. Das verfügbare Einkommen der Deutschen ist seit 2010 um etwa vier Prozentpunkte des BIP zurückgegangen, was auf die eben angesprochenen niedrigeren Kapitaleinkünfte (aufgrund geringerer Dividendenzahlungen und Zinserträge) und auch in geringem Maße auf höhere Steuerzahlungen zurückzuführen ist. Obwohl also so viel Geld im System verfügbar ist, merkt der Endverbraucher davon nur wenig.

#3: Deutschlands Staatsinvestitionen gehören zu den niedrigsten aller entwickelten Ländern

Hier sollte sich nicht nur der IWF besorgt zeigen, sondern auch (potentielle) Anleger. Schließlich ebnen Investitionen in das Land, unabhängig ob durch den Staat oder durch die Unternehmen, den Weg für eine erfolgreiche Zukunft für die Bürger des Landes. Und genau hier zeigt Deutschland seine aktuell größte Schwäche. Die öffentlichen Investitionen gingen von rund 3% des BIPs pro Jahr in den frühen 1990er Jahren auf ca. 2% zurück. Da relative Zahlen manchmal schwer zu greifen sind, möchten wir das Ausmaß wie folgt verdeutlichen: Seit 1990 hat Deutschland seine Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt ungefähr verdoppelt. Die Investitionen in das Land stiegen aber nur rund um 38%. Oder anders gesagt, im Vergleich zu dem alten Investitionsstandard, fehlen dem Land 40 Milliarden Euro, die in bessere Straßen, besseres Internet oder bessere Flughäfen (wobei in Flughäfen lieber nicht) fließen sollten.

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