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Warum Celgene weniger riskant als attraktiv ausschaut

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
02.08.2018, 23:16  |  898   |   |   

Ja, Celgene (WKN: 881244) ist wahrscheinlich die risikoreichste große Biotech-Firma der Welt. Sie erzielt 64 % ihres Umsatzes mit einem Medikament – Revlimid. Auf drei Medikamente entfallen fast 88 % des Gesamtumsatzes, mehr als bei jedem anderen großen Arzneimittelhersteller. Das Marktforschungsunternehmen EvaluatePharma hat das Pipeline-Risiko von Celgene, das es durch Schätzung der kumulierten Produktverkäufe zwischen 2018 und 2024 in Prozent zum Gesamtumsatz berechnet, als das Höchste der Branche eingestuft.

Aber nach Celgenes Bericht zum zweiten Quartal am Donnerstagmorgen (26.07.2018) scheint das Biotechnologie-Unternehmen weniger riskant zu sein, als es bisher war. Hier sind drei Gründe, warum ich denke, dass dies der Fall ist.

1. Ausblick für das Gesamtjahr angehoben

Zuerst einmal berichtete Celgene über großartige Ergebnisse für das zweite Quartal, die die Wall Street-Schätzungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertrafen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 17 %. Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie (EPS) kletterte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 %, auch unter Berücksichtigung der Verwässerung durch die Akquisition von Juno Therapeutics.

Dank der enormen Steigerung im zweiten Quartal hat Celgene den Ausblick für das Gesamtjahr 2018 angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden USD, das sind 200 Millionen USD mehr als bisher. Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie wird nun zwischen 8,70 und 8,75 USD erwartet. Zuvor schätzte Celgene den Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr auf 8,45 USD.

Pessimisten könnten darauf hinweisen, dass die verbesserte Prognose für das Gesamtjahr nur auf höhere Erwartungen für Revlimid zurückzuführen ist. Erhöht nicht die Abhängigkeit von dem Medikament auch das Risiko für Celgene, anstatt es zu reduzieren? Dies ist nur dann der Fall, wenn das Unternehmen früher als erwartet die Exklusivrechte für Revlimid verliert oder keine neuen Wachstumsmöglichkeiten findet, bevor es die exklusiven Vermarktungsrechte für das Mittel verliert.

Ich glaube nicht, dass das erste Szenario eintritt. Und wir werden im nächsten Punkt darauf eingehen, warum Celgene neue Wachstumstreiber entwickeln wird. In der Zwischenzeit sollte die positive Anpassung der Jahresprognosen die Anleger daran erinnern, wie erfolgreich Celgene nach wie vor ist.

2. Pipeline-Erfolge

Celgenes CEO Mark Alles begann die Telefonkonferenz zum zweiten Quartal und erinnerte daran, dass das Unternehmen allein in den letzten vier Wochen für drei klinische Spätphasen-Studien positive Ergebnisse bekannt gab. Wie viele andere Biotechs können dies von sich behaupten?

Zwei der Studien, auf die sich Alles bezog, befassten sich mit Luspatercept. Das Medikament hat sich in Phase-3-Studien zur Behandlung der seltenen Blutkrankheiten myelodysplastischer Syndrome (MDS) und der Beta-Thalassämie bewährt. Anfang der Woche gab Celgene positive Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie zu Revlimid in Kombination mit Rituximab, das das Biotech-Team als „R2“ bezeichnet, zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem indolentem Lymphom, bekannt.

Celgene plant im ersten Halbjahr 2019 einen Zulassungsantrag für Luspatercept. Das Medikament könnte einen jährlichen Spitzenumsatz von mindestens 2 Milliarden USD erzielen, wenn es sowohl für MDS als auch für Beta-Thalassämie zugelassen wird. Celgene wird voraussichtlich im ersten Quartal 2019 weltweit Zulassungsanträge für die R2-Kombination einreichen.

Diese Erfolge zeigen, was Celgene für eine großartige Pipeline besitzt. Das Unternehmen möchte bis Ende 2018 eine FDA-Zulassung für Fedratinib zur Behandlung von Myelofibrose (chronische Erkrankung des Knochenmarks) und im ersten Quartal 2019 die amerikanische sowie europäische Zulassung für Ozanimod, zur Behandlung von Multipler Sklerose, beantragen. Celgene hofft zudem, für die CAR-T-Therapie liso-cel im nächsten Jahr eine Zulassung beantragen zu können. Alle diese Medikamente sind potenzielle Blockbuster. Kein Wunder, dass EvaluatePharma für die Celgene-Pipeline den drittbesten Platz der gesamten Biopharma-Industrie vergibt.

3. Mehr Klarheit über die Immunologie-Strategie

Eine Überraschung in Celgenes Konferenz zum zweiten Quartal war, dass das Unternehmen seine Phase-3-Studie zu Otezla gegen Colitis ulcerosa (Darmentzündung) „überdenkt“. Warum? Celgene ist der Meinung, dass Ozanimod das bessere Produkt zur Behandlung von Darmentzündungen ist.

Meiner Meinung nach ist die verbesserte Klarheit bei der Immunologie-Strategie ein weiterer Pluspunkt für Celgene. Sie zeigt eindeutig, welches Vertrauen das Unternehmen in Ozanimod hat. Celgene überprüft das Medikament zur Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa derzeit in fortgeschrittenen Studien.

Dennoch sind die Aussichten für Otezla nicht schlecht. Das Medikament ist immer noch auf dem besten Weg, in diesem Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden USD zu erzielen. Celgene erwartet enorme Fortschritte bei Oztela, da die Ergebnisse einer Phase-3-Studie zur Behandlung der Kopfhaut-Schuppenflechte, Zulassungsanträge in den USA und Japan für Morbus Behcet (rheumatische Erkrankung), eine mögliche FDA-Zulassung für eine einmal tägliche Verabreichung des Medikaments und der Start einer klinischen Studie zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte, vorliegen.

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