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Früh in den Ruhestand: der komplette Guide

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
12.09.2018, 18:34  |  1547   |   |   

Wie viele junge Erwachsener hatte ich nur eine vage Vorstellung vom Ruhestand. Man hofft natürlich, dass einen die berufliche Karriere so weit bringt, dass man sich irgendwann bequem zurückziehen kann. Eine abbezahlte Immobilie wäre schön, ein paar Ersparnisse sowie natürlich eine auskömmliche Rente oder Pension. Aber eine zielgerichtete aktive Altersvorsorge? Definitiv ein fremdes Konzept. Zumindest ich hatte mir ehrlich gesagt kaum Gedanken darüber gemacht, weil der Ruhestand noch in so weiter Ferne erschien und es doch viel dringlichere Herausforderungen gab.

Als ich dann schon ein paar Jahre im Berufsleben stand und auf meinem Gehaltsauszug die wachsenden Einzahlungen in die Rentenkasse sah, vermutete ich zwar, dass ich in der Lage sein würde, einen recht komfortablen Ruhestand zu haben, glaubte aber immer noch, dass ich das ganze Berufsleben voll durcharbeiten müsste.

Aber irgendwann kam der Punkt, als sich bei mir etwas änderte. Ich begann zu verstehen, wie zahlreiche Menschen mit ansonsten recht durchschnittlichen Lebensläufen zu beachtlichem Wohlstand kommen. Hier bei The Motley Fool bekommen wir regelmäßig Rückmeldung von Lesern, die es mit der richtigen Strategie ebenfalls geschafft haben.

Deren persönlichen Lebensgeschichten sind beneidenswert. Sie strotzen vor Freiheit und Selbstverwirklichung. Statt sich im Hamsterrad eines Großkonzerns zu drehen oder 60-Stunden-Wochen abzuarbeiten, folgen sie ihrer Passion und genießen die Annehmlichkeiten des Lebens und können sich auf ein Vermögen verlass

Bei weiteren Recherchen entdeckte ich, dass sich geradezu eine neue Bewegung junger Berufstätiger entwickelt hat, die den herkömmlichen Weg zum Ruhestand aufgaben. Statt bis Mitte 60 zu arbeiten und dann auf eine gute Rente zu hoffen, streben sie konsequent an, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und dann frühzeitig aus dem formellen Berufsleben auszuscheiden.

Was genau steckt dahinter?

Diese Bewegung definiert „Ruhestand“ etwas anders als die meisten es gewohnt sind. Den meisten Anhängern geht es gar nicht primär um materiellen Reichtum. Vielmehr geht es um eine bestimmte Mentalität oder Lebenseinstellung. Darum, das Leben auf eine Art genießen zu können, wie du dir es erträumst. Das ist natürlich ganz individuell und bedeutet für jeden etwas anderes. Der eine sehnt sich nach einem Plätzchen im Grünen, den nächsten zieht es in eine der Weltmetropolen und ein Dritter wünscht sich eine Villa am See mit Privatyacht.

Worauf es jedoch jeweils ankommt ist, dass du dir in Zukunft den gewählten Lebensstil leisten kannst, ohne unbedingt noch weiterhin hart dafür arbeiten zu müssen. Dabei muss man aber keineswegs ganz aufhören. Man muss sich nur sicher genug fühlen, um bei der Art der Arbeit und der dafür zur Verfügung gestellten Zeit wählerisch sein zu können.

Die meisten Anhänger haben folglich nicht das Ziel, sich im Alter von 40 Jahren auf den Golfplatz zurückzuziehen. Vielmehr wollen sie aus der einengenden Abhängigkeit eines traditionellen Vollzeitjobs flüchten. Wer unabhängig ist, der kann jederzeit entscheiden, ob er dabeibleibt oder kündigt, je nachdem wie erfüllend die Aufgaben sind und wie persönlich bereichernd das Umfeld ist.

Nach einer etwaigen Kündigung haben sie alle Freiheiten und können sich Zeit nehmen für den nächsten Lebensabschnitt. Und plötzlich ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Vielleicht schreibst du wie ich gerne? Oder hast du Know-how, mit dem du jungen Unternehmen in die Wachstumsspur verhelfen kannst? Eventuell willst du dich sozial engagieren, ein eigenes Hotel leiten oder einen Pferdehof aufbauen.

In der Szene gibt es viele Beispiele in dieser Richtung. Während viele Frührentner praktisch komplett von Kapitalerträgen leben, haben andere völlig neue Einkommensströme gefunden, die jedoch meist viel weniger Zeit in Anspruch nehmen, als ein Vollzeitjob.

Vorzeitiger Ruhestand und die „4-%-Regel“

Wie kann jemand mit 40 oder 50 einfach seinen Job aufgeben und sich zur Ruhe setzen? Eigentlich ist die Mathematik dahinter ziemlich einfach, wenn man mit der so genannten 4-%-Regel vertraut ist. Die ist zwar bei weitem nicht perfekt, aber eine gute Faustregel dafür, wie viel Geld man im Ruhestand sicher abheben kann, ohne dass einem schon vor dem eigenen Tod das Geld ausgeht. In den 90er Jahren untersuchte der Finanzberater William Bengen die Aktien- und Anleiherenditen über einen Zeitraum von 50 Jahren und kam zu dem Schluss, dass man von seinen ursprünglichen Ersparnissen Jahr für Jahr einen an die Inflation angepassten Anteil von 4 % abheben kann. Die Chancen stehen dann ausgezeichnet, dass das Vermögen bis zum Schluss hält, egal wie lange man noch lebt. Echte Sicherheit bietet sie jedoch nur für 30 Jahre.

Und so wendet man die 4-%-Regel an: man berechnet die voraussichtlichen jährlichen Ausgaben während des Ruhestands und multipliziert diese mit 25. So viel muss man ansparen und zurückgelegt haben, bevor man in Rente geht. Nehmen wir zum Beispiel an, dass man den Lebensstandard, den man sich für den Ruhestand wünscht, mit etwa 40.000 Euro pro Jahr abdecken kann. Dann müssen die Ersparnisse 1 Million Euro betragen. Hier die Rechnung:

40.000 * 25 = 1.000.000

Diese Regel ist für Portfolios konzipiert, die aus einem Aktien-und-Anleihen-Mix von 50-50 bis 60-40 bestehen. Die Regel erlaubt einem auch, die Jahr für Jahr getätigten Abhebungen an die Inflation anzupassen. Abhängig von der Vermögensallokation des Portfolios kann sich dieser Ansatz jedoch als zu vorsichtig oder zu riskant erweisen.

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