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Marktkommentar: Dr. Georg von Wallwitz (Eyb & Wallwitz): KARAMASOWS TEUFEL - 10 Jahre nach der Lehman-Pleite
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Marktkommentar Dr. Georg von Wallwitz (Eyb & Wallwitz): KARAMASOWS TEUFEL - 10 Jahre nach der Lehman-Pleite

Nachrichtenquelle: Asset Standard
24.09.2018, 09:30  |  665   |   |   

Ein Blick auf die langfristigen Konsequenzen, der (hoffentlich) größten wirtschaftlichen Katastrophe unserer Generation.

Die Lehman-Pleite erschütterte vor 10 Jahren die Welt. Was warum passiert ist, konnte man schon anderswo oft genug lesen. Dr. von Wallwitz wirft daher einen Blick auf die langfristigen Konsequenzen, die sich aus dieser (hoffentlich) größten wirtschaftlichen Katastrophe unserer Generation ergeben haben. Auch wenn das Gedächtnis an den September 2008 langsam verblasst, so sind seine Auswirkungen bis heute sehr real.


Iwan Karamasow hat in der Nacht vor dem Mordprozess gegen seinen Bruder einen Traum (oder eine Halluzination), in welchem ihm der Teufel erscheint, mitten in seinem Wohnzimmer, an der Wand gegenüber dem Divan. Bei Dostojewskij – der die Geschichte der Brüder Karamasow aufgeschrieben hat – ist der Gottseibeiuns „ein russischer Gentleman einer gewissen Sorte, nicht mehr ganz jung, … mit dunklem, grau meliertem, langem, noch dichtem Haar und Spitzbärtchen“, gekleidet in einen Anzug, der in die Jahre gekommen ist, wie ihn „ein vermögender Mann von Welt schon seit zwei Jahren nicht mehr angezogen hätte“, dem der Kenner aber gleichwohl ansieht, dass er einmal bei einem teuren Schneider angefertigt wurde. Er sieht aus wie jemand, der zur „Kategorie der früheren arbeitsscheuen Gutsbesitzer gehörte, … [der] die große Welt und die bessere Gesellschaft gekannt und einst bedeutende Konnexionen unterhalten hatte, [… der nun] verarmt war und sich nach und nach in eine Art Schmarotzer, allerdings der feinsten Sorte verwandelt hatte, …“

Dostojewskij, Die Brüder Karamasow, S. Fischer 2010, S. 1011f.


Iwan Karamasow und sein ungebetener Gast philosophieren nun über den Stellenwert der Tugend und der Idee Gottes, über den Zustand der Gesellschaft, die Realität von Erscheinungen, die Grenzen des Erlaubten usw. Im Lauf dieses langen Gesprächs gibt der „gefallene Engel“ seinen Daseinsgrund an: Gott mag der erste Beweger schlechthin sein, aber der konkrete Anlass, warum in der Welt überhaupt etwas geschieht und damit, in gewissem Sinne, existiert, ist immer der Teufel. „Liefe auf Erden alles vernünftig ab, würde auch nichts passieren. Ohne [ihn] wird nichts passieren, aber es ist notwendig, dass etwas passiert.“ (S. 1023) Sein Bewegungsprinzip ist gerade die Unvernunft. Durch sie geraten die menschlichen Angelegenheiten erst in einen spannenden, unberechenbaren Zustand – und damit überhaupt in Bewegung. Ohne einen gewissen Irrsinn würde „alles in der Welt erlöschen und nichts, gar nichts mehr passieren.“ (S. 1032) Die Zeitläufte würden erstarren, niemals wäre etwas anders, neu; alles wäre immer nur eine automatische Entwicklung nach den Gesetzen der Logik. Die menschlichen Verhältnisse würden sich dann gleich den Sternen bewegen, ewig, rein und immergleich, ohne die Möglichkeit von Schuld und Vergebung, ohne Freiheit und am Ende auch ohne Sinn.

Das Hervorbrechen von ungezügelter Emotion, wie es bei den Brüdern Karamasow zur Natur gehört, ist ein manchmal ruinöser, manchmal kreativer Charakterzug, den Dostojewskij in allen Einzelheiten schildert. Im Fall der Karamasows ist er destruktiv: Wenn die Brüder keinen Boden im Glauben finden, treibt Ihre Haltlosigkeit sie in den Wahnsinn oder ins Zuchthaus. In der Ökonomie kennen wir diesen Impuls aber positiv auch als „Animal Spirit“ oder „Unternehmergeist“, der zwar Unordnung bringt, aber auch Wachstum und Innovation. Bei Dostojewskij kann allein der Glaube den Teufel in die Schranken weisen, Sinn und Orientierung über den Tag hinausgeben. Der Mensch braucht ein Fundament, um nicht auf die nur scheinbar einfachen Lösungen, die ihm die Leidenschaft oder das Vernünfteln nahelegen, hereinzufallen. Er braucht den Glauben an eine höhere Instanz – sei es die Religion oder die Wissenschaft oder die Gesellschaft (vertreten durch den Staat) - denn die Stimme des Guten, Wahren und Schönen in ihm ist oft zu leise, um gegen die Verlockungen der Unvernunft zu bestehen.


Oberstes Ziel des Teufels muss es daher sein, die ordnenden Instanzen zu diskreditieren und so der Unvernunft Bahn zu brechen.

Wie dies auf ökonomischem Gebiet funktioniert, hat er vor 10 Jahren beim Zusammenbruch von Lehman Brothers eindrücklich gezeigt.

Oberflächlich betrachtet war beim Ausbruch der Finanzkrise in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 keine unerklärliche Instanz am Werk. Alle Rückblicke, die in diesen Tagen erscheinen, machen eines klar: Die Ursachen der Katastrophe waren einfach bis zur Trivialität. Es wurden zu viele Kredite an zu schlechte Schuldner vergeben, wodurch das Vertrauen in die Banken verschwand – und damit ihre Geschäftsgrundlage. Die Entwicklung neuer Techniken im Umgang mit Immobilienkrediten ermöglichte es den ursprünglichen Kreditgebern (z.B. regionalen Banken), diese Kredite weiterzureichen an Investoren, die keinen blassen Schimmer hatten, wem sie auf diese Weise ihr Geld liehen. Der Kredit floss nun immer leichter, denn die Qualität der Kreditnehmer war den letztlichen Kreditgebern nicht bekannt. Für sie waren diese nur Punkte auf der Bilanz, keine Menschen, denen man von weitem ansehen konnte, dass sie ihre Kredite niemals zurückzahlen würden. Aber diejenigen, die das sehen konnten und durchaus auch sahen, behielten die Kredite ja nicht auf den eigenen Büchern, und so war es ihnen im Grunde egal, ob die Kredite bedient wurden oder nicht.

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