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System-Kritik "Kettenreaktion von Sparkassen-Insolvenzen"? - Was ist da dran?

08.10.2018, 15:42  |  106455   |   |   

Heiß diskutiert wird zurzeit ein Bloomberg-Bericht über "versteckte Risiken", die von den deutschen Sparkassen ausgehen sollen. Was ist dran?

Wenn der "Handelsblatt-FinanceToday-Newsletter" Schlagzeilen wie "Sparkassen als Sorgenkinder" oder "Sparkassen: Drohen reihenweise Insolvenzen?" veröffentlicht, schrillen die Alarmglocken. Gedankliche Kettenreaktionen enden womöglich im bösen Bild von Banken Runs. Bei einer solchen Berichterstattung ist deshalb Vorsicht geboten, zumal es zurzeit keine handfesten Fakten darüber gibt, dass das deutsche Sparkassen-System tatsächlich vor dem Kollaps steht.

Die aktuellen Berichte beziehen sich auf einen Bloomberg-Artikel vom 5. Oktober 2018. Darin wird von "Belastungserscheinungen" geschrieben, die aufgrund der engen Verbindungen von Politikern zu den öffentlichen-rechtlichen Sparkassen entstünden. Schnell wird ein passendes Zitat gefunden: "Das größte Bankensystem in Deutschland wird überwiegend von Menschen gesteuert und überwacht, deren Finanzkenntnisse fragwürdig sind", sagte Ralf Jasny, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Frankfurt.

Als weiteres Argument für die angebliche Krisenanfälligkeit der Sparkassen wird die Zinswende angeführt. "Ein rascher Anstieg der Zinsen könnte für alle gleichzeitig Probleme bereiten", sagt Isabel Schnabel, Finanzprofessorin an der Universität Bonn und Mitglied im Wirtschaftsberaterrat von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Wir könnten an einen Punkt kommen, an dem es zu viele sind, um zu versagen", so Schnabel.

Auf der weiteren Suche nach fundierter Kritik am Sparkassen-System, die tatsächlich Grund zu akuter Besorgnis wäre, stößt man in dem vermeintlichen Alarm-Bericht auf eine alte Warnung der Ratingagentur Fitch aus dem März dieses Jahres: Hier werden ebenfalls steigende Zinsen als Hauptgefahrenquelle für die öffentlich-rechtlichen Finanzinstitute ins Feld geführt. Demnach seien die meisten langfristigen Vermögenswerte der Sparkassen Hypotheken und andere Instrumente, die die aktuell niedrigen Zinsen einsperren würden. Die kurzfristigen Einlagen bestünden aber aus dem Geld auf den Konten der Sparkassen-Sparer. Diese Gelder müssten bei steigenden Zinsen schneller neu bewertet werden. Das würde die Sparkassen stärker treffen als größere Banken, die über diversifizierte Portfolios verfügten. "Ein Einbruch könnte zu einer Kettenreaktion von Sparkasseninsolvenzen führen, die für das Sparkassensystem schwer oder unmöglich zu absorbieren wäre", sagte dazu Reint Gropp, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle.

Zum Schluss weisen die Bloomberg-Autoren daraufhin, dass Länder wie Frankreich, Italien und Österreich ihren Sparkassen-Sektor durch Fusionen und externe Investoren auf Vordermann gebracht hätten. "Es gibt einen Grund, warum so viele andere EU-Länder, die ähnliche Systeme hatten, diese reformiert haben", sagte Nicolas Véron, Senior Fellow bei Bruegel, einem wirtschaftlichen Think Tank mit Sitz in Brüssel. "Deutschland ist im Grunde genommen das letzte Land, das keine Reformen in diesem Bereich vorweisen kann", so Véron.

Alle Kritikpunkte an den deutschen Sparkassen sind berechtigt, aber nicht neu und deshalb wenig alarmierend. Von "Sparkassen-Insolvenzen" und "Sorgenkindern" zu schreiben, schießt über das Ziel hinaus. Immerhin heißt es im Bloomberg-Bericht, dass die Verteidiger des Sparkassen-Systems auf die Stabilität der Banken in vergangenen Krisen hinweisen.

Quelle:

Bloomberg

Handelsblatt-FinanceToday

 

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Kommentare

Die Kritik ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Sparkassen haben deutlich höhere Personalkosten als andere Banken und haben sich viel zögerlicher von ihren vielen Filialen getrennt, die ebenfalls hohe Kosten verursachen. Die Digitalisierung haben sie ebenfalls verschlafen. Dass die meisten Sparkassen immer noch Geld verdienen, ist ihren vielen Kunden zu verdanken, die ihrer Sparkasse nahezu blind vertrauen und jede Gebührenerhöhung schlucken. Aber die Bankenlandschaft ändert sich. Es braucht zukunftsfähige Konzepte für die Sparkassen, vielleicht auch eine Privatisierung, um einen schnelleren Wandlungsprozess zu erreichen. Aber solange im Verwaltungsrat lokale Politiker sitzen, von den die meisten weiter glauben, das Geschäftsmodell der Sparkasse sei, die Einlagen der Kunden als Kredite auszureichen, wird es keine Besserung geben. Und übrigens: Für etwaige Insolvenzen haftet der Steuerzahler, da der Haftungsverbund der Sparkassen schon bei zwei größeren Insolvenzen finanziell überfordert wäre. Nachzulesen im Ratíngbericht der Sparkassen.
Hallo alle zusammen,

eine wirklich Überraschung ist der Bericht jetzt nicht. Und die nächste Krise steht vor der Tür, man schaue sich den VIXX Index dazu mal an.

Aber ich muss Fidor recht geben, Sparkassen sind noch besser geschützt als Spekulanten wie die Deutsche Bank.

Warten wir es mal ab! Aktuell empfehle ich trotzdem jedem Unternehmen über hedging, Währungskursabsicherung nachzudenken!

Ausserdem sind Anbieter wie ForexFix auch günstiger hinsichtlich der Gebühren weltweit:

Beispiel Zahlung nach China:

Sparkasse 55,50 Euro
Commerzbank 41 Euro
ForexFix 6 Euro

Mit der Gesetzesänderung und dem Stichtag 1 Januar, wenn alle gebühren offengelegt werden, wird es nochmal spannend! Wir beobachten jetzt schon, dass viele Kunden abwandern.

Es bleibt spannend!
Mag schon sein das einige Sparkassen schlecht gewirtschaftet haben, aber eine Insolvenzwelle? Bezweifle ich stark. Bei einem angenommenen(außerdem unwahrscheinlichen) raschen Anstieg der Zinsen wären wohl andere Marktteilnehmer eher von der Pleite betroffen, als eine konservativ wirtschaftende Sparkasse.
An Herrn Ralf Jasny ,
Ihr seit ja BWL'ler und wohl auch Banker nun so ein richtig guter könnt ihr ja nicht sein sonst hätten ihr ja einen Job in einer richtigen Bank und würdet 7 bis 10 mal soviel im Monat verdienen wie Unterricht an einer Uni zu geben, und nur noch einmal zur Erinnerung Krise von 2008/2009 die haben wir 100% Bänker zu verdanken und die waren nun wirklich fragwürdig ! Ich muss auch kein Automechaniker sein nur weil ich Auto fahre.
Will sagen ihr seit für mich auch sehr fragwürdig.

Das größte Bankensystem in Deutschland wird überwiegend von Menschen gesteuert und überwacht, deren Finanzkenntnisse fragwürdig sind"
Sparkassen und Raiffeisenbanken sind sicher besser geschützt und abgesichert als andere Banken.
Aber sollten die Zinsen stark steigen werden auch diese Banken aufgrund des Immobilienbooms in Bedrängnis kommen. Zinsen unter 2% haben viele die sich Bauen nicht leisten konnten das Risiko eingehen lassen. Und das für die kommenden Jahrzehnte.

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