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Interview Gabor Steingart: "Diese Koalition hat in der Bevölkerung keine Mehrheit mehr"

26.07.2019, 10:22  |  2257   |   |   

Gabor Steingart ist einer der bekanntesten Journalisten und Medienmacher Deutschlands. 2010 wechselte der langjährige Leiter des "Spiegel"-Hauptstadtbüros zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Seit seinem Ausscheiden als Vorsitzender der Geschäftsführung im Oktober 2018 baut der 57-jährige sein eigenes Medienunternehmen auf - die Media Pioneer Publishing GmbH.

Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit Gabor Steingart über Demokratie als Voraussetzung für ein glückliches Leben, die Medienkonzentration und -vielfalt in Deutschland und die Frage, warum sich ein Medienvisionär mit 20 Jahren "Spiegel"-Erfahrung für einen Tag vom Kapitän zum Schiffsjungen degradieren lässt.

Herr Steingart, auch Sie möchten wir zuerst fragen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Demokratie und Freiheit sind für mich die wichtigsten Voraussetzungen für ein glückliches Leben. Erst unter diesem Dach kann sich der Einzelne gemäß seiner Talente und Vorlieben entwickeln.

Die Große Koalition wackelt. Im ARD Polit-Talk "Maischberger" sprachen Sie bereits von Hinweisen auf Neuwahlen im Herbst. Aber: Bei einem GroKo-Aus würden wichtige Projekte auf der Strecke bleiben. Was nun?

Diese Koalition hat in der Bevölkerung keine Mehrheit mehr, wie mittlerweile die Meinungsumfragen aller Institute zeigen. Ich halte Neuwahlen für eine gute Möglichkeit, den erstarrten Dialog zwischen Gesellschaft und politischer Klasse zu reanimieren. Da bleibt nichts auf der Strecke. Aus dem Dialog mit angeschlossenem Neubau entsteht im Gegenteil eine neue Legitimation - als Voraussetzung für eine Gestaltung des Zukünftigen.

Mit Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg haben wir kürzlich über die ausgeprägte Medienvielfalt im "Land der Fjorde" gesprochen. Wie bewerten Sie die Medienkonzentration und -vielfalt in Deutschland?

Verbesserungsbedürftig. Der Einfluss des Staates und der Parteien ist über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr ausgeprägt. Die belebende und damit auch beglückende Erfahrung von Neugründungen im Bereich des Journalismus, die in Amerika mit Ted Turner und seinem "CNN" begann und sich über Ariana Huffington, "Politico", "Business Insider" bis zu "Axios" fortsetzte, die fehlt diesem Land.

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Kommentare

Ex-Spiegel! Relotius Presse. Der Mann steht doch für einseitige manipulierte "Information". Kein Unterschied zu Regierungsmedien. Noch einer von denen, die glauben ihre Leser erziehen zu müssen !!!

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