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    Charisma-Coach Julia Sobainsky  3532  0 Kommentare “Das Mindset ist überzeugender als der Inhalt”

    Das Mindset ist überzeugender als der Inhalt

    Als Keynote-Speakerin, Coach, Autorin und Gründerin des Familienunternehmens ,Pro Charisma‘ möchte sie Menschen gemeinsam mit ihren Söhnen ein Phänomen näherbringen, das gerade auf der Managementebene dringend gebraucht wird.

     

    Rainer Brosy: Frau Sobainsky, wie wird man Charisma-Coach?

     

    Julia Sobainsky: In meinem Fall kam die Berufung über die Schauspielerei. Mein Studium legte das theoretische Fundament für eine These, die ich auch in meinen Büchern immer wieder aufgreife: Mithilfe von Charisma kann man die Gefühle des Gegenübers beeinflussen, ihn starke Gefühle in Bezug auf die eigene Person empfinden lassen. Als Charisma-Forscherin beschäftige ich mich schon seit 1996 mit dem Thema und konnte meine Behauptung immer wieder in der Praxis überprüfen. Charisma wirkt! Mittlerweile gebe ich dieses kombinierte Wissen sowohl als Dozentin an Studierende als auch in meiner Tätigkeit als Keynote-Speakerin und Trainerin weiter. Zusammen mit meinen Söhnen Fynn und Daniel habe ich 2015 zusätzlich ein digitales Charisma-Beratungsunternehmen aufgebaut. Während Daniel sich lieber bedeckter hält, mischt Fynn – selbst ein großer Charismatiker, wie viele finden – aktiv im Vordergrund mit.

     

    Ziehen nicht nur privat an einem Strang: Julia Sobainsky und ihre Jungs beraten immer mehr auch auf digitalem Wege werdende Charismatiker. Bildquelle: Privat

     

    Rainer Brosy: Ist Charisma demnach keine angeborene Eigenschaft, wie viele glauben?

     

    Julia Sobainsky: Diesem Irrtum sitzen gerade in Deutschland viele Menschen bis heute auf. Denn sie halten das ominöse Phänomen der Ausstrahlung für etwas Gottgegebenes. Wie die meisten Dinge im Leben, ist Charisma aber vor allem eine Frage der inneren Einstellung, des Mindsets. Körperhaltung, Kleidung, Gestik und Mimik während des Redens und natürlich der gesprochene Inhalt sind wichtig, aber nicht das eigentlich Überzeugende. Doch die innere Haltung zu hinterfragen, dauert nun mal seine Zeit, weshalb sich Charisma oft nur mit Unterstützung von außen lernen lässt. Das Schöne ist, dass der Erfolg dann langfristig anhält.

     

    Rainer Brosy: Gilt das auch für introvertierte Menschen?

     

    Julia Sobainsky: Aber ja! Charisma und in sich Gekehrte gehen ebenso gut wie Charisma und offene, gesellige Typen. Was dagegen gar nicht geht, ist, sich selbst untreu und damit unauthentisch zu werden. Gespielte Ausstrahlung, also ,Fakes’, fallen auch dem Publikum auf.

     

    Rainer Brosy: Dann beraten Sie primär Menschen mit Bühnenambitionen?

     

    Nicht nur, aber auch. Da ich auch als Managementtrainerin tätig bin, gehören zu meinen Kunden ebenso Führungskräfte aller Branchen, etwa aus Versicherungen, Mobilfunk- und Automobilindustrie. Wir als ,Pro Charisma‘ betreuen aber auch verstärkt Coaches und Speaker, die ein Publikum oder schlicht ihre Kunden für sich gewinnen möchten. Gewissermaßen sind auch sie damit Führungspersonen.

     

    ,Hallo, hier bin ich!’. Managementtrainerin Julia Sobainsky beweist, dass mit dem Charisma auch die Präsenz kommt – ob auf der Bühne vor Publikum oder im Meeting mit den eigenen Mitarbeitern. Bildquelle: Privat

     

    Rainer Brosy: Immer wieder ist in der Führungs-Theorie die Rede von einer ,Transformation’. Welche Rolle spielt Charisma bei diesem Trend?

     

    Julia Sobainsky: Charisma ist hier gewissermaßen das Salz in der Suppe. Jedoch haben Manager das Konzept charismatisch-transformationaler Führung lange Zeit missverstanden und zur One-Man-Show gemacht. Das ist die dunkle Seite der Macht, wenn man einen Zugang zu seinen Mitarbeitern auf der Beziehungsebene findet. Wo entsprechend Vertrauen herrscht, wird das althergebrachte, autoritäre Führungsverhalten schnell nicht mehr notwendig.

     

    Rainer Brosy: Also ist Kontrolle in der Führung Schnee von gestern?

     

    Julia Sobainsky: Sagen wir, die charismatische Führungskraft kontrolliert sich selbst stärker als seine Mitarbeiter. Zunächst kontrolliert sie die eigene Einstellung: Vertraue ich meinen Mitarbeitern so, wie sie mir vertrauen, und kann sie somit ein stück weit ,loslassen’? Übernehme ich wirklich die Verantwortung für mein Handeln gegenüber mir und anderen und setze mein Charisma mit der richtigen, also ethisch korrekten Motivation ein? Nur, wer bereit ist, sich selbst mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, kann sein Charisma sinnvoll einsetzen.

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    Rainer Brosy
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    Rainer Brosy (B.Eng.) ist seit 10 Jahren Geschäftsführer einer Digital-Agentur und führt gerne Interviews mit Köpfen aus der Businesswelt.
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    Verfasst von Rainer Brosy
    Charisma-Coach Julia Sobainsky “Das Mindset ist überzeugender als der Inhalt” Julia Sobainsky kam über die eigene Schauspielpraxis zu einer Theorie: Charisma wirkt – und ist lernbar.