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Exklusivinterview mit Fondsmanagerin Sybille Wyss Wasserfonds besser als der DAX: „Bedeutung von Wasser-Investments nimmt zu“

13.12.2019, 13:12  |  4677   |   |   

Wasserinvestments sind ein Megatrend: Durch Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung nimmt der weltweite Bedarf an Trinkwasser zu. Unternehmen, die Lösungen für die Überwindung der Wasserknappheit anbieten, dürften langfristig profitieren. wallstreet:online sprach mit Sybille Wyss, Fondsmanagerin des Tareno Global Water Solutions Fund, über nachhaltige Wasserinvestments.

wallstreet:online: Frau Wyss, viele Anleger befürchten bei nachhaltigen Investments Renditeeinbußen. Die Performance Ihres nachhaltigen Wasserfonds „Tareno Global Water Solutions Fund R1 EUR“ beweist das Gegenteil: Plus 22 Prozent innerhalb eines Jahres (04.12.18- 04.12.19). Damit hat sich Ihr Fonds besser entwickelt als der DAX (+16,5 Prozent). Wie machen Sie das?

Sybille Wyss: Zum einen kann jeder Fondsmanager nur so erfolgreich sein, wie es sein Anlageuniversum erlaubt. Diesbezüglich können wir sehr zufrieden sein, denn im Bereich Wasser finden sich weltweit beeindruckend geführte Firmen mit vielversprechenden Aussichten.

Zum anderen hilft uns unser Bewertungsmodell dabei, die Unternehmen von drei unterschiedlichen Blickwinkeln (ESG, Fundamental, Momentum) zu analysieren und diejenigen mit der besten Kombination auszuwählen. Da sich das Aktienmarktumfeld schnell ändern kann, aktualisieren wir unser Modell monatlich und sind entsprechend aktiv im Rebalancing.

Und letzten Endes erkennen immer mehr Investoren, was für aussichtsreiche Perspektiven Wasser-Firmen in Zukunft bieten und bauen entsprechend Positionen auf.

wallstreet:online: Nur eine kleine Gruppe von Publikumsfonds investiert bereits in Unternehmen, die Lösungen für die Überwindung der Wasserknappheit anbieten. Wie schätzen Sie das Potenzial von Investments in den Wassersektor vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Klimawandels ein?

Sybille Wyss: Wir glauben, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wasser in den kommenden Jahren mit Überschwemmungen, Dürren, Versauerung der Ozeane bis hin zum Anstieg des Meeresspiegels noch verstärken werden. Damit ist klar, dass der Klimawandel den Druck verschärft, mit der Ressource Wasser sorgsam und effizient umzugehen. Der unmittelbare Handlungsbedarf führt zwangsweise zu riesigen Wachstumschancen für Firmen in verschiede­nen Bereichen des Wassersektors. Die Bedeutung von Wasser-Investments wird daher in Zukunft immer mehr zunehmen.

wallstreet:online: Ihr Fonds ist zu fast 50 Prozent in US-amerikanische Wasser-Aktien investiert. Die größten Aktienpositionen ihres Fonds sind derzeit „Watts Water Technologies“, „American Water Works“ und „American Sts Water“. Was ist der Grund für den starken Fokus auf US-Wasser-Unternehmen?

Sybille Wyss: Ein Grund dafür ist, dass die Liberalisierung der Wasserversorgung in den USA viel weiter fortgeschritten ist als in anderen Ländern – wie beispielsweise der Schweiz. Es gäbe hier über 2.600 Wasserversorger, von denen jedoch keiner an der Börse kotiert ist. Dazu kommt, dass zahlreiche global agierende Konzerne im Bereich Wassertechnologie und -infrastruktur ihren Sitz in den USA haben. Dies hat zur Folge, dass rund 40 Prozent unseres investierbaren Anlageuniversums aus US-Firmen besteht. Betrachtet man ausschließlich die groß kapitalisierten Firmen (large caps), steigt diese Zahl auf 67 Prozent.

wallstreet:online: Ihr Fonds wurde bereits 2007 lanciert, aber erst seit Ende 2017 sind Nachhaltigkeitskriterien fester Bestandteil des Investitionsprozesses. Wie kam es zu dieser späten strategischen Neuausrichtung?

Sybille Wyss: Wir waren lange Zeit der Überzeugung, dass die thematische Ausrichtung auf den Rohstoff Wasser allein ausreicht, um unseren nachhaltigen Fokus zu belegen. Dieser Irrtum wurde uns bewusst, als wiederholt Fälle von umweltbelastender Vorgehensweise und fragwürdiger Unternehmensführung einiger asiatischer Wasserfirmen aufgedeckt wurden, deren Aktienkurs massiv unter Druck kam. Da wurde uns klar, dass wir bei unserer Aktienselektion zwingend ESG-Kriterien mitberücksichtigen müssen und sich damit auch die Performanceaussichten des Fonds verbessern.

wallstreet:online: Ihr Fonds wurde für 2019 und 2020 mit dem FNG-Siegel, einem Gütesiegel für nachhaltige Publikumsfonds, ausgezeichnet. Dabei erfüllte Ihr Fonds nicht nur die Mindeststandards des Siegels, sondern wurde sogar mit zwei von drei möglichen Sternen für eine besonders hochwertige Nachhaltigkeits-Strategie gekürt. Können Sie unseren Lesern Ihre Nachhaltigkeits-Strategie näher erläutern?

Sybille Wyss: Unsere Nachhaltigkeitsstrategie geht weit über ein einfaches Ausschlussverfahren hinaus.

Unternehmen, welche unseren minimalen Anforderungen nicht erfüllen, wie eine Null-Prozent-Toleranz zu umstrittenen Geschäftsfeldern, Unterzeichnung der UN Global Compact Prinzipien und pendente Kontroversen, werden direkt ausgeschlossen. Bei den verbleibenden Firmen messen wir anhand unseres eigens entwickelten Bewertungsmodells, wie nachhaltig sich eine Firma im Vergleich zum gesamten Wasser-Anlageuniversum schlägt. Dieses Ergebnis fließt direkt in die Gesamtbewertung ein und genießt daher in der Aktienselektion einen hohen Stellenwert.

Haben wir uns für den Aktienkauf einer Firma entschieden, üben wir unsere Stimmrechte gemäß der Nachhaltigkeitsrichtlinie von ISS-oekom aus. Wir stehen außerdem in regelmäßigem Austausch mit dem Management dieser Unternehmen, und beteiligen uns, wann immer möglich, an kollaborativen Engagements, welche zum Beispiel von UN PRI koordiniert werden.

wallstreet:online: Laut dem „FNG-Nachhaltigkeitsprofil“, einem Transparenzdokument des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), sind bei Ihrem Fonds Investments in Glückspiel, Pornographie, Alkohol, Tabakwaren, Waffen/Rüstungsgüter sowie Kernenergie ausgeschlossen. Investments in Unternehmen, die in den Sektoren Chlor und Agrochemie tätig sind, werden bisher aber nicht ausgeschlossen. Wäre dies nicht auch ein wichtiges Ausschlusskriterium für einen nachhaltigen Wasserfonds?

Sybille Wyss: Keine Firma in unserem Anlageuniversum ist im Bereich Agrochemie tätig. Im Bereich Chlor sieht es anders aus, denn Chlor dient in der Wasseraufbereitung zur Desinfektion. Es gibt mit UV-Strahlung und Ozon zwar Alternativen, doch keine der beiden erreicht was Chlor bewirkt, nämlich die kontinuierliche Desinfektion in einem Wassersystem. Da Chlor- und Agrochemie als ein Ausschlusskriterium gelten, lässt sich das eine nicht ohne das andere ausschließen. Nichtsdestotrotz legen wir auf den sorgsamen Umgang mit Chlor großen Wert und überprüfen daher alle Firmen auf kontroverses Umweltverhalten und scheiden betroffene Firmen systematisch aus.

wallstreet:online: Ihr eigens entwickeltes Bewertungsmodell verwendet Big Data und AI, heißt es auf der Webseite des „Tareno Global Water Solutions Fund“ . Können Sie unseren Lesern mehr dazu verraten?

Sybille Wyss: Big Data und AI verwenden wir in unserem Bewertungsmodell zur Quantifizierung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Dazu verwenden wir unter anderem aggregierte ESG-Daten von Arabesque S-Ray™, die uns eine Gesamteinschätzung des jeweiligen Unternehmens liefert. Arabesque S-Ray™ ist der weltweit erste Anbieter, welcher Informationen zur Nachhaltigkeit mit Hilfe von modernster Informationstechnologie und künstlicher Intelligenz sammelt und aufbereitet. Dazu verwenden sie über 200 Parameter aus über 30‘000 Quellen, die auf täglicher Basis verarbeitet werden. Aktueller geht es kaum.

Im September 2017 haben wir als erster Vermögensverwalter der Schweiz die Zusammenarbeit mit Arabesque S-Ray™ begonnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Sybille Wyss sprach Ferdinand Hammer, stellv. Chefredakteur von wallstreet:online.


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