Phänomenal, Dominik Richter, CEO von HelloFresh HelloFresh: Der allergrößte Corona-Gewinner?

22.05.2020, 00:40  |  1570   |   |   

Phänomenal! Dominik Richter, CEO von HelloFresh, ist mit seinem Versand von Kochboxen einer der größten Profiteure der Corona-Pandemie auf dem deutschen Kurszettel. Seit dem Tief im März 2020 bei Kursen von gut 16 Euro hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. HelloFresh ist mit einem Börsenwert von fast 6.2 Mrd. Euro zudem ein echtes Schwergewicht in Deutschland. Die Zahlen der Berliner gehen regelrecht durch die Decke. Ohne Corona würde das Unternehmen deutlich langsamer wachsen.

SARS-CoV-2 hat bei HelloFresh eine immense Dynamik ausgelöst und die Nachfrage explodieren lassen, weshalb Richter nunmehr sensationell Geld verdient. Richter hat den Jackpot geknackt und mit HelloFresh in 2011 eine richtig geile Firma aufgebaut. 2019 verschickte das Unternehmen mehr als 280 Mio. Mahlzeiten und zählt im Q4 rund 3 Mio. Kunden. Im vergangenen Jahr expandierte der Umsatz um mehr als 37 % auf über 1.8 Mrd. Euro. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 46.5 Mio. Euro, was einer Marge von 2.6 % entspricht. Alleine im Schlussquartal wurden operativ 38.6 Mio. Euro verdient. Q4 war das 3. Quartal in Folge mit einem positiven bereinigten EBITDA. Die Marge lag bei 7.5 %. Unterm Strich wurden noch 10 Mio. Euro versenkt nach mehr als 80 Mio. Euro im Vorjahr.

Für das Jahr 2020 hat Richter einst lediglich ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 22 bis 27 % in Aussicht gestellt bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 4 bis 5.5 %. Nach eigenen Angaben war das Wachstum im Januar und Februar bereits sehr gut und wurde ab der zweiten Hälfte des März regelrecht beflügelt. Diese erhebliche Beschleunigung des Wachstums ist vor allem auf die größere Nachfrage aufgrund der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit auf die sich entwickelnde Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Dank Corona hat der CEO nunmehr auch die Prognose für 2020 deutlich angehoben. Er rechnet mit einem Zuwachs beim Umsatz von 40 bis 55 % bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 6 bis 10 %. Am oberen Ende könnte HelloFresh in 2020 einen Umsatz von 2.8 Mrd. Euro einfahren bei einem bereinigten EBITDA von ca. 280 Mio. Euro. Das wäre natürlich sensationell.

Im Q1 kletterte die Zahle der aktiven Kunden um stramme 68.4 % auf knapp 4.2 Mio. Kunden. Der Umsatz explodierte um 66.4 % auf fast 700 Mio. Euro. Die Marge erreichte einen Wert von 9 % oder ein bereinigtes EBITDA von 63.1 Mio. Euro. Der Free Cashflow erreichte in Q1 einen Wert von sage und schreibe 111 Mio. Euro. Da Corona vor allem im Q2 voll durchgeschlagen hat, wird die aktuelle Periode noch stärker ausfallen als die ersten 3 Monate. Im 1. Halbjahr könnte HelloFresh um über 70 % wachsen. Spätestens ab dem Q3 wird sich das Wachstum aber spürbar verlangsamen und sich auf einem normalisierten Niveau einpendeln. Der Free Cashflow wird auch in den Folgequartalen robust ausfallen.

Per Ende des 1. Quartals hortete HelloFresh rund 300 Mio. Euro an Cash. Auf dem Höhepunkt des Erfolges bei den Zahlen und beim Börsenkurs hat Richter auch die Kasse nunmehr nochmals aufgefüllt. Über eine Wandelanleihe erlöste der CEO weitere 175 Mio. Euro. Nunmehr hockt er auf einer Kasse von gut einer halbe Mrd. Euro. Genauer Verwendungszweck unklar. Für das weitere Wachstum brauchen die Berliner kein Geld. Das lässt sich locker aus dem Cashflow stemmen. Akquisitionen? Das kann eine Option sein. Derzeit aber nicht in Sicht. Richter will sich hier jedoch bereits rechtzeitig bewaffnen. Vielleicht weiß er schon mehr als der Markt. Wir schließen daher eine Übernahme in 2020 nicht aus. Vermutlich ist Richter aber auch den Angeboten der Banken, eine Platzierung zu machen, schlichtweg erlegen. Wir können eine Transaktion in dieser Zeit sehr gut nachvollziehen. Aber eine Wandelanleihe ist schlicht das falsche Instrument für eine liquide Aktie. Das Papier lockt lediglich Leerverkäufer an, die das Delta Hedging zwischen Anleihe und Aktie spielen. Der ehemalige Goldman Sachs Equity-Trader Richter hätte das eigentlich wissen müssen. Uns wäre daher eine kleine Barkapitalerhöhung lieber gewesen. Zudem gibt’s bei der Wandelanleihe auch eine negative, sehr unangenehme Seite. Für den Fall, dass sich die Geschäfte in den nächsten Jahren schlechter entwickeln, kann es zu Problemen bei der Refinanzierung kommen. Ein Wandler ist kein Selbstläufer.

Wir hatten HelloFresh im Mai 2019 bei Kursen von 8 Euro entdeckt. Allerdings bereits bei Kursen von unter 20 Euro zum Verkauf geraten. Ein exzellentes Händchen am Aktienmarkt zeigte Richter im März. Zum Kurs von 16.50 Euro kaufte er sich für rund eine halbe Mio. Aktien seiner Firma. In weniger als 2 Monaten konnte er sein Geld mehr als verdoppeln. Wir gratulieren! Richter hat Anfang 2020 allerdings auch Aktien im Volumen von mehr als 10 Mio. Euro verkauft. Sein Vorstands- und Gründungskollege Thomas Griesel sogar insgesamt sowie auch schon 2019 in deutlich höherem Volumen, zumal der gesamte Vorstand in 2019 über die Gewährung von virtuellen Aktienoptionen als Teil des Vergütungspaketes schon mehr als 18 Mio. Euro erhalten hat. In der Summe können mehr als 2 Mio. Optionen zu 8.12 Euro ausgeübt werden. Das Grundgehalt des Vorstands ist mit 1.2 Mio. Euro relativ überschaubar. Wir raten bei HelloFresh nunmehr erneut, die fetten Gewinne mitzunehmen. Die Bewertung erscheint uns zu ambitioniert.

www.vorstandswoche.de

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