Interview mit dem Finanzexperten Andreas Klein: Mit Plan zur finanziellen Sicherheit

Gastautor: Rainer Brosy
23.06.2020, 13:40  |  549   |   |   

In der aktuell andauernden Krisensituation sorgen sich viele Menschen um ihre finanzielle Sicherheit.

Doch wie viel Risiko ist für Sicherheit notwendig? Wie handeln besonders erfolgreiche Anleger?

Wie sollte ich mich in schwierigen Phasen verhalten? Im Interview mit dem unabhängigen Finanzberater Andreas Klein werden einige Grundsätze klar, die jeder Deutsche verinnerlichen sollte.

Der mehrfach ausgezeichnete Finanzexperte beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Strategie, Anlagemöglichkeiten und die richtige Grundeinstellung.

 

Bild: Andreas Klein; Bildquelle: Finanzen auf den Punkt – Andreas Klein / whofinance.de

 

Wie kommen Sie durch die aktuelle Wirtschaftskrise?

 

Als Berater oder Kunde kommt man ganz leicht durch die aktuelle Phase, wenn man diese als zeitlich begrenzte Phase versteht. Es ist nicht der finale Weltuntergang, sondern nur eine Phase. Ein gebrochenes Bein ist eine Phase, aber kein lebenslanges Problem. Außer ich bin nicht anständig versichert gegen finanzielle Ausfälle und meine Einnahmen sind nur von meinem Job oder meiner Firma abhängig. Dann habe ich ein Problem. Aber jeder kann ja für sich bestimmen, wie er sich aufstellt. Natürlich gibt es Branchen oder Jobs, die jetzt stark krisengeschüttelt sind. Die Frage ist doch aber, was hat man getan, damit eine Wirtschaftskrise nicht zur persönlichen Krise wird.

 

Welche Möglichkeiten haben Unternehmer, die während der vergangenen Monate Verluste

eingefahren haben, jetzt ihr Vermögen abzusichern?

 

Wenn man Verluste eingefahren hat, also zum Beispiel gesunkene Fondspreise, sind diese nicht realisiert, sondern nur der aktuelle Kurs ist günstig. Also ein hervorragender Zeitpunkt zum Kaufen. Das Schlimmste wäre aktuell zu verkaufen, weil man keine Strategie festgelegt hat. Die Formulierung „abzusichern“ klingt für mich nach „Verluste realisieren und aussteigen“. Dann wird es zum Verlust. Man muss eine andere Denkweise zum Thema Risiko entwickeln. Am Anfang der Beratung eines Neukunden frage ich gerne, was man für die sichersten Anlageformen hält. Die Standardantwort der Deutschen ist meist: Tagesgeld, Girokonto, Sparbuch. Meine Standardantwort ist, dass ich genau diese Produkte für die riskantesten Anlagen überhaupt halte. Keine Rendite, teilweise sogar Kosten. Das ist Risiko pur. Da spare ich lieber 10 Jahre in irgendeinen Aktienfonds, schaue zwischendurch nicht mehr ins Depot und warte ab. Da kommt statistisch im Normalfall immer wesentlich mehr raus als bei den angeblich „sicheren“ Sparformen. Das interessante an den Kundenantworten ist, dass fast alle in einer Firma arbeiten oder selbst eine besitzen. Diese Firmen haben oft nur ein Ziel. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Rendite. Jeder Angestellte fragt seinen Chef, ob er mehr Gehalt (oder sagen wir lieber: einen Anteil vom Unternehmensgewinn) bekommen kann. Trotzdem hält sich nachhaltig das Fehlwissen, dass Aktien/Fonds riskant sind. Das ist irgendwie eigenwillig.

 

Wie können sich Privatpersonen finanziell vor den Folgen der Corona-Krise schützen?

 

Die Corona-Pandemie wird immer als Grund der Krise bezeichnet. Dabei war sie nur eines der möglichen Streichhölzer an einem lange bekannten Pulverfass. Seit über 2 Jahren sprechen wir Fachleute über diverse Strukturprobleme der Wirtschaft, der Geldanlage, der niedrigen Zinsen oder des fehlenden Finanzwissens der Menschen. Hundert andere Dinge hätten der Auslöser einer Krise oder Rezession sein können. Für Privatleute und Unternehmen ist die Frage immer die gleiche:

Wie kann ich mich selbst so gut informieren, beraten lassen und aufstellen, um kein Opfer einer Krise zu sein? Das klingt vielleicht unmöglich, aber das ist es nicht. Wer nicht selbst vorsorgt hat kein Geld zur Überbrückung von finanziellen Ausfällen. Wer nur ein Standbein als Unternehmer hat, ist finanziell schlecht beraten. Immer. Wer es in den letzten 10 bis 30 Jahren nicht geschafft hat, Geld anzusammeln, hat einfach den falschen Job oder ein nicht gut aufgestelltes Unternehmen. Das mag zwar hart klingen, aber die erfolgreichen Menschen zeigen uns ja, dass es auch anders geht.

 

Was raten Sie Personen, die während der Krise ihr Geld anlegen möchten?

 

Geld investieren, Immobilien kaufen, Fonds besparen usw. ist immer sinnvoll. Zu jedem Zeitpunkt. Jeder möchte dabei immer den besten Zeitpunkt erwischen, um maximale Rendite zu bekommen. Das ist utopisch und faktisch nicht möglich. Aber es gibt alle paar Jahre einen Zeitpunkt, wo es günstiger, besser und profitabler ist: mitten in einer Krise. Ich habe in der Beratung von hoch vermögenden Kunden gelernt, dass man investiert, wenn die Kanonen donnern. Oder etwas fachmännischer ausgedrückt: Antizyklisch investieren, also jetzt, hilft schon mal bei günstigerem Einstieg als in Hochphasen. Sie können das auch umdrehen, wenn man zum Beispiel über Erfolg oder Fortbildungen spricht. Die erfolgreichsten Menschen investieren genau dann in persönliche Weiterentwicklung und Fortbildung, wenn sie sowieso schon spitze sind, um sich von den Mitbewerbern abzusetzen. Im Juni 2020 erzählte mir ein Fahrzeughändler, dass er genau jetzt richtig investiert, da die Einkaufspreise für Fahrzeuge günstig sind und die Mitbewerber alle Investitionen heruntergefahren haben. Genau das ist immer das Erfolgsrezept, was wir in der Beratung unserer Kunden vermitteln: Langfristig denken und bei Gelegenheit schnell handeln. Natürlich gehört eine Menge Mut dazu, um mitten in einer Krise zu investieren. Aber schauen Sie sich die letzten Jahrzehnte an. Oder die ganz aktuelle Krise. Wir haben innerhalb von wenigen Wochen Sprünge im DAX von mehreren Tausend Punkten. Das zeigt, dass es ein Grundvertrauen der Menschen in Politik, Berater, Märkte und Investments gibt.

 

Vor welchen Fehlern sollten sich Unternehmer und Privatpersonen jetzt im Umgang mit ihrem Vermögen hüten?

 

Ich glaube nicht daran, dass man jetzt eine andere Strategie fahren sollte als vor oder nach der Krise. Entweder habe ich eine Strategie oder ich bin Glücksritter ohne Plan. Gerne erinnere ich mich an meine Jugend, als mich der heutige Basketball-Star Dirk Nowitzki in einem Spiel ganz schön fertig gemacht hat. Danach habe ich mich über zwanzig Jahre immer wieder gefragt, wieso er so erfolgreich wurde. Er hatte meiner Ansicht nach Willen und Strategie. Jedes Jahr in seiner Karriere hat er mit Strategie seine Bewegungsabläufe optimiert oder geändert, um für seine Gegner unberechenbar zu sein. Das ist pure Strategie. Und ganz genauso ist es bei Immobilien, Geldanlage, Altersvorsorge usw. auch. Deshalb bespreche ich mit Kunden immer erst eine Strategie. Zum Beispiel:

Willst du in deinem Leben ein Einfamilienhaus kaufen oder eventuell 1 Haus für Dich plus 10 vermietete Wohnungen? Zuerst wird bei beiden Beispielen ein Einfamilienhaus zum Selbstbewohnen gekauft, aber die Strategie für die Finanzierung der ersten Immobilie ist eine ganz andere, als wenn ich nur ein Haus kaufen möchte. Banken müssen nach EU-Recht immer alle Immobilien und Finanzierungen prüfen. Wenn ich nur ein Haus kaufen/bauen will, brauche ich keine große Strategie, werde aber auch nie wirklich erfolgreich, vermögend oder finanziell unabhängig werden.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass es viele Möglichkeiten des Sparens, zur Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau (z.B. Immobilien) gibt. Aber es halten sich nachhaltig Fehleinschätzungen und mangelndes Wissen der Menschen ist das Problem. Wir wohnen in der Nähe von Atomkraftwerken, aber machen uns Sorgen, dass eine Selbstständigkeit zu riskant ist oder ETF-Sparpläne Vermögen vernichten. Ich kann nur jedem raten, sich unabhängig beraten zu lassen und immer auf die goldene Regel zu achten: Lass Dich nur von jemanden beraten, der mehr kann oder erreicht hat als Du selbst. Lerne einfach von den Erfolgreichsten.

Über den Experten:

Andreas Klein ist gelernter Bankkaufmann und studierter Betriebswirt, der seit 2000 in der Beratung von Privatkunden und Unternehmern tätig ist. Nach der Tätigkeit in der Konzernberatung einer großen Sparkasse war er Führungskraft bei international tätigen Fonds-, Immobilien- und Vermögensanlagegesellschaften. Seit 2015 ist er als unabhängiger Finanzberater tätig und legt heute die Schwerpunkte auf Immobilien/Finanzierung und Sparen/Altersvorsorge. Seine Kunden zeichnen ihn jährlich als einen der besten unabhängigen Berater Deutschlands aus (www.whofinance.de/berater/andreas-klein).

 

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Rainer Brosy
Geschäftsführer

Rainer Brosy (B.Eng.) ist seit 10 Jahren Geschäftsführer einer Digital-Agentur und führt gerne Interviews mit Köpfen aus der Businesswelt.

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