Gold – bringt die FED neue Rekorde? - Seite 2

Gastautor: Daniel Saurenz
31.08.2020, 10:21  |  504   |   |   
Research von PIMCO:
Gold verliert nicht an Glanz
 Nicholas Johnson, Portfolio Manager Commodities, PIMCO
 Zu Beginn des Monats August erklomm der Goldpreis neue Höchststände, beflügelt durch die rekordniedrigen Zinsen in vielen Regionen, die Inflationssorgen und die wachsende Staatsverschuldung. Dennoch deutet PIMCOs Bewertungsmodell darauf hin, dass das Edelmetall nach wie vor attraktiv bewertet ist – selbst auf diesem Niveau.
Bewertung unter Berücksichtigung der Realrendite
 Unser Modell basiert auf unserer Einschätzung, dass der Preis von Gold zwar durch viele Faktoren beeinflusst wird, aber nur einer von ihnen die Mehrheit seiner Bewegungen im Laufe des vergangenen Jahrzehnts erklärt: die Veränderung der realen (d. h. der inflationsbereinigten) Rendite von Staatsanleihen. Wie wir in vorangegangenen Beiträgen erläutert haben, hat Gold von Natur aus grundsätzlich eine Realrendite von null – ebenso, wie Währungsbewegungen durch Unterschiede in der Realrendite angetrieben werden, sollte es sich auch mit dem Goldpreis verhalten. (Wir beziehen uns auf die Real- und nicht die Nominalrendite, da der Goldpreis aus historischer Sicht tendenziell im Einklang mit der US-Inflation anzog.)  Seit etwa 2006 wurde Gold wie ein Vermögenswert mit einer realen Duration von knapp 30 Jahren gehandelt (was bedeutet, dass sich ein Rückgang der Realrendite von US-Staatsanleihen um 100 Basispunkte in einem Anstieg des Goldpreises um rund 30 Prozent niederschlug). Aus Marktperspektive würde man bei einem Anstieg der Realrenditen von US-Treasuries also davon ausgehen, dass die Anleger eine leichte Präferenz für diese Vermögenswerte entwickeln und von Gold auf US-Staatsanleihen und inflationsindexierte US-Staatsanleihen (TIPS) umschichten. Im Zuge dessen sollte der Goldpreis sinken. Umgekehrt müsste es beim Goldpreis tendenziell aufwärts gehen, wenn die Realrenditen auf US-Staatsanleihen nachgeben.   Das folgende Schaubild illustriert, dass der Spotpreis von Gold zwar zuletzt gestiegen ist (als die Renditen auf US-Staatsanleihen zurückgingen), der um die Realrendite bereinigte Goldpreis (der Goldpreis unter Berücksichtigung der Realrendite für seine empirische Duration) sich dagegen aber recht stabil hielt. Dieser rangierte während der vergangenen 15 Jahre in einer engen Bandbreite, mit nur wenigen Ausnahmen. Die erste trug sich nach der Auflegung von Gold-ETFs im Jahr 2004 zu, die den Anlegern einen neuen Zugang zum Markt ermöglichten und den Gleichgewichtswert für den um die Realrendite bereinigten Goldpreis in die Höhe trieben. Die zweite Ausnahme folgte auf die Finanzkrise, als sich die Anleger für Gold begeisterten sowie für dessen Preisanstieg in jedem der vorangegangenen zehn Jahre. Aktuell wird Gold im unteren Bereich der seit 2004 bestehenden Preisspanne gehandelt. Wir halten es jedoch für wahrscheinlich, dass sich der um die Realrendite bereinigte Preis innerhalb dieser Bandbreite verteuern könnte, da die zuletzt kräftige Wertentwicklung des Edelmetalls mehr Interesse an diesem Markt weckt, ähnlich der Entwicklung infolge der Finanzkrise von 2008.
Wichtigste Schlussfolgerungen
Trotz der zuletzt kräftigen Aufwärtsbewegung des Goldpreises halten wir das Edelmetall nach wie vor für attraktiv bewertet – es ließe sich gar als günstig bezeichnen –, wenn man die historisch niedrigen Realzinsen bedenkt. Das Hauptrisiko geht von einem Anstieg der Realzinsen aus, der Gold verhältnismäßig unattraktiver machen würde. Allerdings ist zu den aktuellen Bewertungen ein gewisser Puffer gegen eine derartige Entwicklung vorhanden, da der um die Realrendite bereinigte Goldpreis seit 15 Jahren im unteren Bereich seiner Preisspanne rangiert. In unserem Basisszenario verharren die Zinsen in einer relativ festen Bandbreite; dieser Ausblick, kombiniert mit unserer Einschätzung, dass die Dynamik von und das Interesse an Gold einen Anstieg des um die Realrendite bereinigten Goldpreises bewirken, legt nahe, dass das Edelmetall noch mehr Aufwärtspotenzial birgt.
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