mic AG verliert vor Gericht mic AG unterliegt im Rechtsstreit mit Ex-Vorstand: Kolbe wehrt sich gegen „Unwahrheiten“

Gastautor: IR-News
19.11.2020, 15:38  |  1110   |   |   

Im Rechtsstreit zwischen der mic AG und ihrem ehemaligen Vorstand Oliver Kolbe hat der Bundesgerichtshof BGH nun zugunsten des ehemaligen Managers entschieden.

Das Gericht wies die Nichtzulassungsklage des Unternehmens sowie seiner Tochtergesellschaft Securize IT Solutions AG ab.

Die mic AG ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die hauptsächlich in mittelständische Tech-Unternehmen investiert. Im Jahr 2014 übernahm Oliver Kolbe den Vorstandsposten bei den Münchnern. Es sei eine intensive Zeit gewesen, erzählt Kolbe gegenüber wallstreet:online. Er habe viel Aufräumarbeit leisten müssen. Namhafte Investoren wie der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer waren abgesprungen, weil Absprachen mit Kolbes Vorgängern nicht eingehalten wurden.

Kolbe legte in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat einen Plan vor, das Unternehmen umzukrempeln. Nach zwei Jahren im Amt folgte im Herbst 2016 für ihn überraschend die Abberufung als Vorstand. Der Aufsichtsrat warf Kolbe vor, dass der Manager nicht mehr im Interesse des Unternehmens handele. Es kam zum Rechtsstreit zwischen der mic AG und seinem Ex-Vorstand. Nach dem jetzt gefällten Urteil zeigt sich Kolbe im w:o – Interview erleichtert.

wallstreet-online: Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat nunmehr letztinstanzlich der Bundesgerichtshof die Nichtzulassungsbeschwerden der mic AG, sowie deren Tochtergesellschaft Securize IT Solutions AG, abgewiesen. Damit sind die zu Ihren Gunsten entschiedenen Urteile des Oberlandesgerichtes München rechtskräftig. Was hat Sie bewogen, die Angelegenheit so lange gerichtlich zu verfolgen?

Oliver Kolbe: Ich war immer der Überzeugung, als Vorstand der genannten Gesellschaften fachlich richtig und im Einklang mit Recht und Gesetz gehandelt zu haben. Die von mir Ende 2016 initiierten Klagen richteten sich gegen falsche Entscheidungen des Aufsichtsrates, verbunden mit unwahren Behauptungen zu meiner Person, insbesondere vom damaligen Berater und heutigen Vorstand der mic AG, die bedauerlicherweise während der letzten Jahre auch in die Öffentlichkeit getragen wurden. Dem musste ich mit großer Entschlossenheit und Ausdauer entgegentreten.

wallstreet-online: Warum haben der Aufsichtsrat und der Gründer damals so harsch auf Ihr Restrukturierungskonzept reagiert?

Oliver Kolbe: Der Aufsichtsrat der mic AG hat den von mir entwickelten Refokussierungsplan im Sommer 2016 einstimmig zugestimmt. Die darin definierte, neue Strategie beinhaltete, während der folgenden zwölf Monate das fragmentierte Portfolio der mic AG um unrentable Beteiligungen aus der Vergangenheit zu bereinigen und sich zukünftig auf nur wenige, aber profitable Kernbeteiligungen zu konzentrieren. Darüber hinaus wurde von mir empfohlen, das Personal einschließlich Berater abzubauen und Veränderungen im Vorstand vorzunehmen, da sich der Gründer der mic AG, mein damaliger Vorstandskollege Claus-Georg Müller, zu der Zeit aufgrund gesundheitlicher Probleme bis aus dem operativen Geschäft weitestgehend zurückgezogen hatte. Meine für mich überraschende Vorstandsabberufung, während einer urlaubsbedingten Abwesenheit nur wenige Wochen später, lässt die Brisanz der Inhalte dieses Strategiepapiers, sowie den Mut den es erfordert hätte, konsequent reinen Tisch zu machen, erahnen.

wallstreet-online: Ist es jemals zu einer Aussprache zwischen Ihnen und den Verantwortlichen der mic AG gekommen?

Oliver Kolbe: Leider nein. Es wurden einige Vergleichsvorschläge diskutiert, aber jeweils von der mic AG abgelehnt.

wallstreet-online: Zuletzt machte die mic AG mit einer großen Übernahme Schlagzeilen. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Unternehmens aus heutiger Sicht?

Oliver Kolbe: Ich wünsche den Aktionären der mic AG eine prosperierende Entwicklung ihrer Beteiligung. Meiner Kenntnis nach gab es in den letzten drei Jahren mehrfach öffentliche Ankündigungen für Übernahmen und IPOs, deren Umsetzungen aber hinter den Erwartungen blieben. Die mic AG ist heute ein kleiner börsennotierter Mantel, dem der Wind durch die Löcher pfeift. Ich halte insbesondere das Risiko weiterer Rechtsstreitigkeiten sowie von Niederlagen in noch laufenden Verfahren für groß.

wallstreet-online: Wie geht es für Sie beruflich weiter? Sind Sie weiter in der Branche tätig?

Oliver Kolbe: Ich bin seit bald 20 Jahren in der Beteiligungsbranche in exekutiven Funktionen und als Unternehmer tätig, und das werde ich auch weiterhin bleiben. Ich habe einige sehr interessante Angebote von börsennotierten, wie auch nicht börsennotierten Beteiligungsgesellschaften vorliegen, die ich sorgfältig und in aller Ruhe prüfe.

wallstreet-online: Herr Kolbe, vielen Dank für das Gespräch.

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