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Die neuen Banken-und Broker Die neuen Banken-und Broker: Viel Marketing und viele Probleme

Pleiten im FinTech-Bereich verursachen Millionenschäden

Die neuen Banken-und Broker: Viel Marketing und viele Probleme

 

Der Coolness-Faktor der Neobroker und Neobanken ist hoch: Banking und Trading ganz lässig mit dem Smartphone, auch aus der U-Bahn oder vom Strand auf Bali. Aber wenn es um das eigene Geld und den eigenen Vermögensaufbau geht sollte der Coolness-Faktor besser nicht die größte Rolle spielen. Mit Millionen-Summen für Werbung ist die Neobank N26 aus Berlin am Start und konnte in der Anfangsphase viele Kunden gewinnen. Inzwischen fällt das Urteil des Handelsblatt (April 2022) vernichtend aus:

 

„Es gab Zeiten, da versetzte die Berliner Smartphonebank N26 die etablierten Banken in Angst und Schrecken. So rasant wuchs die Bank. Das ist längst vorbei. N26 ist zwar das teuerste deutsche Finanz-Start-up. Doch das Unternehmen hat so viele Probleme, dass es seinen Vorsprung im digitalen Banking verspielt hat… Denn N26 beherrscht Teile des wesentlichen Bankgeschäfts nicht“.

 

Bild: Der Akteinkurs. Bildquelle: Lorenzo Cafaro via Pixabay

 

Diese Einschätzung würde in etwa der Einschätzung einer renommierten Autozeitung gleichkommen, nach der ein Automobilwerk nicht in der Lage ist, vernünftige Autos an seine Kunden auszuliefern. Vermutlich wäre das der Anfang vom Ende des Autobauers. Das Handelsblatt belegt sein Urteil mit Fakten: „Jüngstes Beispiel sind die Sperrung von Konten und mangelnde Kommunikation. Kundinnen und Kunden sind empört, weil ihnen in den vergangenen Tagen abrupt das N26-Konto gekündigt wurde“. Zuvor hatte die Neobank bereits Schwierigkeiten, weil nicht entschlossen genug gegen Geldwäsche vorgegangen wurde. Und die smarten Banker mussten sich aus ausländischen Märkten wieder zurückziehen. Aber N26 ist nicht die einzige Negativ-Beispiel in der boomenden und von Investoren umworbenen FinTech-Branche.

 

Pleiten im FinTech-Bereich verursachen Millionenschäden

 

Die Städtchen Monheim und Bad Dürrheim haben ein identisches Problem: Die Gemeinden haben sich von der weltweit hochgelobten Startup Greensill Bank überreden lassen, Millionenbeträge bei dem Newcomer anzulegen. 38 Millionen Euro Steuergelder investierte alleine Monheim dort – die Bank ist insolvent, das Geld mit größter Wahrscheinlichkeit weg. Geld von Steuerzahlern. Im Fall Bad Dürrheim sind es „nur“ zwei Millionen Euro, die abgeschrieben werden müssen. Um die Relation deutlich zu machen: Dafür könnte eine Gemeinde gleich sieben moderne Schulbusse kaufen. Vielleicht hätten die kommunalen Beamten misstrauisch werden sollen, als Bilder des charmanten und coolen Gründer zu sehen waren, der stolz vor seiner Flotte von gleich vier Learjets posierte. Seriöses Banking geht anders.

 

Skepsis gegenüber smarten FinTechs ist groß

 

60 Prozent aller Deutschen können sich nicht vorstellen, Kunde einer Neobank zu werden. Und 36 Prozent haben auf diese Frage des Digitalverbandes BITKOM sogar mit „auf keinen Fall“ geantwortet. Die Gründe für diese Ablehnung wurden klar benannt: Fast die Hälfte der Befragten nannten als Grund ihrer Ablehnung, dass es nicht einmal in dringenden Fällen eine individuelle Beratung geben würde. Ob eine Neobank wie die umstrittene N26 oder die Trading-App Trade Republic – viele der Befragten glauben nicht einmal, dass die lautstark auftretenden Neu-Banker lange auf dem Markt sein werden. Nur angesichts immer noch hoher Kosten bei den Traditionsbanken, vor allem beim Aktienhandel, dem Trading, sind Alternativen gefragt, die nicht die Mängel der Neugründungen haben.

 

Trading-App eines langjährigen Brokers gewinnt bei Kunden

 

Nur smarte FinTechs beherrschen das Thema Technologie – zu dieser Überzeugung könnte man gelangen, wenn man auf die Werbung von N26, Trade Republic und anderen blickt. Das entspricht aber nicht der Realität: Die weit weniger bekannte Trading App von AGORA direct landet in der Bewertung der App-Nutzer weit vor Trade Republic und auch deutlich vor N26. Obwohl AGORA direct definitiv kein „Neobroker“ ist: Schon seit 1999 konnten Kunden bei dem Berliner Unternehmen online Konten eröffnen und seit 2005 ist der weltweite Handel mit allen Börsenprodukten über ein einziges Konto möglich. Zudem gewinnt dieser Online-Trader auch regelmäßig die Vergleichstests in einer anderen Kategorie: Die Kosten seien laut TÜV überwachten Rankings deutlich niedriger als bei den klassischen Banken und gleichzeitig wesentlich transparenter als bei den neuen Online-Brokern. Hinzu kommt ein weiterer großer Vorteil: Hier gibt es noch die in der BITKOM-Umfrage von Vielen vermisste persönliche Betreuung, ganz ohne Chatbot und KI-generierter Antwortmail. Die ZEIT fasste das Dilemma von N26 im April in dieser Schlagzeile zusammen: „Coolheit ist keine Bank“.



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Gastautor: Rainer Brosy
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Rainer Brosy
Geschäftsführer

Rainer Brosy (B.Eng.) ist seit 10 Jahren Geschäftsführer einer Digital-Agentur und führt gerne Interviews mit Köpfen aus der Businesswelt.

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