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ANALYSE - QSC Der Mittelabfluss ist gebremst

Gastautor: Klaus Singer
27.11.2001, 11:49  |  223   |   |   
QSC setzt in den ersten neun Monaten 20,2 Mio. Euro um. Der größte unabhängige DSL-Anbieter Deutschlands hat per September insgesamt 26.779 Leitungen verkauft. 17.557 sorgen im laufenden Jahr für Umsatz, 9.222 generieren erst ab dem kommenden Jahr Erlöse. Bis zur Jahresmitte waren 15.636 Leitungen abgesetzt worden. Die ersten neun Monate sehen ein Vorsteuerergebnis von minus 78,3 Mio. Euro. Das liegt deutlich über dem Vorjahreswert von minus 51,7 Mio. Euro. Das EBITDA erreicht 64,6 Mio. Euro. Im Vorjahr waren minus 44 Mio. Euro angefallen. Der Liquiditätsbestand kommt per September auf 175,9 Mio. Euro.

Die Gesellschaft bekräftigt ihre reduzierten Prognosen, wonach sie zwischen 26 und 34 Mio. Euro umsetzen will. Der EBITDA-Verlust soll Werte zwischen 85 und 100 Mio. Euro erreichen. QSC erwartet nun eine deutliche Steigerung des Leitungsverkaufs und hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Außerdem sollen sich neue Vertriebskooperationen auszahlen. Dabei setzt man besonders auf die Zusammenarbeit mit , die im Dezember in 46 Städten startet. Im Laufe des kommenden Jahres sollen sich mindestens 20.000 Privatanwender für Tiscali DSL FlatPlus entscheiden, was monatlich konkurrenzfähige 59 Euro je Anschluss kostet.

Die Analysten von Merck Finck & Co bewerten die Aktie mit „buy". Sie heben besonders die Kooperation mit Media(netCom) hervor, die QSC in die Lage versetze, Videos über das Internet anzubieten. Mit Video-On-Demand, dem Zugriff auf 2.500 Spielfilme der Bibliothek des Partners, eröffnen sich neue Einnahmequellen.

QSC ist an einem kritischen Punkt. Die Infrastruktur ist fast vollständig aufgebaut. Jetzt kommt es darauf an, diese zu nutzen, sprich Kunden zu gewinnen. Die zuletzt gemeldeten Kooperationen stimmen vorsichtig optimistisch. Im Gegensatz zu früher gemeldeten Allianzen, die sich eher auf den Geschäftskundenbereich bezogen, dokumentieren die neueren Meldungen die Hinwendung zum Privatkunden-Geschäft. Diese mit Leben zu erfüllen, dürfte im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld allerdings nicht einfach werden. Noch klafft eine große Lücke zwischen 20 Millionen erreichbaren Kunden und der Anzahl der tatsächlich verkauften Leitungen.

Wie das Unternehmen selbst schreibt, liegt das Vorsteuerergebnis weiterhin deutlich unter der Markterwartung. Das dritte Quartal zeigt jedoch vorsichtige Anzeichen einer Wende. 7,8 Mio. Euro an Erlösen liegen über den Vergleichswerten von 7,2, bzw. 5,3 Mio. Euro für das zweite, bzw. das erste Quartal 2001. Der Vorjahreswert liegt bei 1,2 Mio. Euro. Das Vorsteuerergebnis kommt auf minus 23,6 Mio. Euro und bewegt sich damit in etwa auf der Höhe des dritten Quartals 2000 (minus 21,5 Mio. Euro). Das EBITDA für das abgelaufene Quartal kommt auf minus 18,9 Mio. Euro. Damit kann gegenüber dem Vorquartal, das noch mit minus 23,6 Mio. Euro abschloss, eine deutliche Verbesserung erreicht werden. Der Bestand an liquiden Mitteln betrug per Ende Juni 211,4 Mio. Euro. Im dritten Quartal wurden somit 35,5 Mio. Euro verbraucht. Im zweiten Quartal lag der Mittelverbrauch bei 39,2 Mio. Euro, im ersten flossen 44,2 Mio. Euro aus der Kasse.

Die Uhr tickt: Rechnet man mit einem durchschnittlichen Mittelabfluss von 25 bis 30 Mio. Euro je Quartal, ist irgendwann im ersten Halbjahr 2003 die Kasse leer. Ende April war das Management davon ausgegangen, dass zum Jahresende voraussichtlich 170 Mio. Euro in der Kasse liegen werden 184795. Jetzt dürften es wohl weniger als 150 Mio. Euro werden. Das Ziel, im Jahre 2003 die Gewinnschwelle zu erreichen, scheint damit immer noch realistisch. Dennoch rückt der konkrete Zeitpunkt aktuell nach hinten. Noch ist die Gesellschaft bis dahin durchfinanziert und hat keine nennenswerten Schulden.

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