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So viel Deutschland steckt in Apple-Herausforderer Huawei

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.02.2017, 11:16  |  406   |   |   

Ursprünglich ist Huawei angetreten, um die Phalanx der westlichen Telekommunikationsnetz-Ausrüster zu brechen. Nachdem dies mit riesigem Erfolg gelungen ist, schicken sich die Chinesen nun an, auch Samsung (WKN:881823) und Apple (WKN:865985) das Fürchten zu lehren.

Auffällig ist, dass Technologie und Ingenieursgeist aus Deutschland dabei eine durchaus wichtige Rolle spielt. Schau mal, was ich alles zusammengetragen habe. Da Huawei auf dem besten Weg ist, zum Top-Duo aufzuschließen, könnte auch die ein oder andere deutsche Aktie in ihrem Fahrwasser profitieren.

Der Aufstieg von Huawei

Als Huawei 1987 gegründet wurde, war der Auftrag klar: China wird viele Milliarden in neue Telekommunikationsnetze investieren müssen. Wenn das Land nicht schleunigst eigene Kompetenz aufbaut, dann werden die westlichen Technologieführer alle Gewinne aus dem Land tragen. So etwas mögen die Parteikader nicht. Aus bescheidenen Anfängen wuchs so über die Jahre der weltweit führende Ausrüster für die Telekommunikationsindustrie heran, der nicht nur Nokia (WKN:870737) und Ericsson (WKN:850001) entthronte, sondern auch für Netzwerktechniker wie Cisco und Hewlett-Packard gefährlich wird.

Sich immer neue Ziele setzend, begann man dann irgendwann, billige Handys zu produzieren. Sobald Huawei den Dreh raushatte, strebte sie an, eine neue Stufe zu erklimmen. Anstatt als No-Name mit Minimargen auszukommen, wird nun alles daran gesetzt, zum besten Smartphone-Hersteller der Welt aufzusteigen.

Das konzerneigene Halbleiterunternehmen HiSilicon entwickelt hochintegrierte Chipsätze, die mittlerweile zu den schnellsten der Welt gehören. Das macht die Produkte für technikaffine Käuferschichten attraktiv gegenüber der Konkurrenz, die meist auf Standardware zurückgreift. Zudem wird über das Sponsoring einiger der besten Champions-League-Clubs von Arsenal bis zum BVB, der Verpflichtung von Messi als Werbefigur, sowie mit anderen großen Kampagnen die Bekanntheit erhöht und der Markenwert aufgeladen.

Innovations-Partnerschaften mit vielen großen Mobilfunkkonzernen verzeichnen vor allem in Europa große Erfolge. Ein eWEEK-Artikel von Mai 2016 schreibt mit Bezug auf einen Analysten von Kantar Worldpanel ComTech, dass Huawei den Marktanteil in Deutschland auf fast 12 % steigern konnte, von gut 6 % im Vorjahr. In Italien und Spanien dürfte der Wert mittlerweile bei über 20 % liegen.

Kein Wunder verkündet Forbes, dass Huawei die kommende Nr. 1 weltweit sein wird.

Welche Rolle dabei Deutschland spielt

Nokia und die frühere Mobilfunksparte von Siemens haben sich über die Jahre immer mehr aus Deutschland verabschiedet. Auch der Blackberry-Konzern, der einige Jahre am damals bedeutenden Nokia-Standort Bochum investierte, vermochte nicht, die hinterlassene Lücke zu schließen und gab 2014 auf. Huawei nutzte hingegen die Gunst der Stunde, um sich hierzulande breit zu machen. Heute sieht sich der Konzern als der größte chinesische Arbeitgeber Deutschlands mit fast 2.000 Mitarbeitern, darunter zahlreiche Ingenieure.

Das Management spricht offen darüber, dass man ein europäisch-chinesisches Unternehmen sein will, das gemeinsam mit seinen Partnern von den Stärken beider Seiten profitiert. Die wichtigsten Standorte liegen dabei in Düsseldorf und München, wo die Westeuropazentrale und das European Research Center angesiedelt sind. Auch Wissenschaftler der RWTH Aachen und der Fraunhofer-Gesellschaft sind in das paneuropäische Forschungsnetz eingebunden.

Durch aktive Verbandsarbeit sucht der Konzern nicht nur die Nähe zu möglichen Mitstreitern, sondern auch zur Politik. In zahlreichen Bundes- und Landesinitiativen spielt Huawei mittlerweile eine konstruktive Rolle.

Symptomatisch für den Fokus auf deutsche Ingenieurskraft ist die Kooperation mit Porsche Design. Dabei kam eine Variante des Mate 9 heraus, das auch bei den anspruchsvollsten Smartphone-Nutzern in die engere Auswahl kommen dürfte. Ein Highlight dabei ist die Leica Dual Kamera, die exklusiv bei Huaweis Spitzenmodellen zum Einsatz kommt. Die ausgefeilte Schnellladetechnik liefert Dialog Semiconductor (WKN:927200) zu und die Sensorik kommt von Bosch, dem klaren Weltmarktführer bei mikroelektromechanischen Systemen (MEMS).

Darüber hinaus kooperiert Huawei mit Infineon bei Sicherheitschips für das Internet der Dinge und das andere Siemens-Spin-off TDK-Epcos ist ein wichtiger Lieferant von passiven elektronischen Bauteilen. Höchstwahrscheinlich liefern zudem Spezialchemie-Konzerne wie Henkel Adhesives, Merck Performance Materials oder Covestro noch Klebstoffe, Flüssigkristalle, Polycarbonat und Ähnliches, die sowohl auf der Platine, als auch im Display und in der Verschalung gebraucht werden. Henkel behauptet beispielsweise, bei Dreiviertel aller Handys weltweit beteiligt zu sein.

Anzunehmen ist auch, dass Fertigungs- und Automatisierungstechnik aus Deutschland eine wichtige Rolle spielen, um die Qualität der Massenproduktion hoch zu halten. Infrastrukturseitig arbeitet Huawei mit SAP unter anderem an der gemeinsamen Entwicklung von HANA-Hardware und Smart-City-Lösungen. Wenn es um öffentliche Cloud-Rechenzentren geht, ist T-Systems erste Wahl, beim Thema Industrie 4.0 wurde im September eine Zusammenarbeit mit ABB vereinbart und DHL ist ein zentraler Logistikpartner.

Viele Chancen

Huawei orientiert sich an den Besten — und dafür benötigt sie die besten Partner und Zulieferer. Diese finden die Chinesen bevorzugt in Deutschland und Europa. Das Beispiel Dialog Semiconductor zeigt, wie einzelne Lieferanten vom Erfolg eines Geräteherstellers wie Apple oder eben Huawei profitieren können. Wenn die Erfolgssträhne weiterhin anhält, dann sollte sich das auch in der Bilanz des ein oder anderen Unternehmens in Huaweis Fahrwasser ausdrücken.

Aber auch insgesamt ist es ein gutes Zeichen, dass die deutsch-chinesische Innovations-Partnerschaft in beiden Richtungen funktioniert. Die beiden starken Exportnationen ergänzen sich in idealer Weise, um die Digitalisierung der Industrie voranzubringen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt Cisco. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2018 $90 Calls auf Apple, Short Januar 2018 $95 Calls auf Apple.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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