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Kurz vor dem Knall

Gastautor: Florian Müller
09.02.2018, 08:08  |  6169   |   |   

Die Überbewertung an den amerikanischen Märkten ist unübersehbar. Wie ich bereits in einem vorangegangen Artikel anhand des P/E Ratio (Kurs/Gewinn Verhältnis) aufzeigte, befinden wir uns im absoluten Höchstkurs bei 33,5. Seit 1870, wie Sie der unteren Grafik entnehmen können, gab es nur einen Zeitpunkt, an dem dieser Wert höher lag. Das war mit 44,2 in den Jahren 2008/2009. Was bedeutet diese Zahl von 33,5?

Die Zahl bedeutet, dass die Gewinne erst nach 33,5 Jahren subsummiert den derzeitigen Kurs widerspiegeln. Es ist das geglättete KGV über 10 Jahre. Im Umkehrschluss kommen wir auf eine prozentuale Verzinsung von 2,98%. Noch nach der Krise im Jahr 2009 standen wir bei einem Wert von 13,3, was einer Verzinsung von 7,52% entsprach. Je niedriger der Wert, umso schneller trägt allein der Gewinn in wenigen Jahren den Unternehmenswert an der Börse. Je länger dieser Horizont dauert, umso gefährlicher wird es, an der Börse zu investieren, da die erwartete Verzinsung deutlich geschmälert wird. Um das Ergebnis einzelner Jahre nicht zu verfälschen, da der Gewinn nach Bilanzierungspolitik der Konzernleitung so gesteuert werden kann, wie es die Firmenbosse für richtig halten, nimmt man den geglätten Gewinn der letzten 10 Jahre (E10) um Verfälschungen auszugleichen. E10 steht hierbei für Earnings der letzten 10 Jahre. P steht für Price, also den Kurs. Das gibt einen besseren Überblick über die tatsächliche Situation des Unternehmens. Somit spiegelt der kumulierte Gewinn derzeit keine rosigen Aussichten auf zukünftige Renditen beim S&P 500. Ebenfalls sehr deutlich in der Grafik zu sehen ist die Abweichung des S&P 500 von der Regressionslinie. Diese beträgt derzeit 123% und zeigt deutlich aus langfristiger Sicht, wie die Verzerrung weiter vorantreibt.

[1] Quelle: https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2018/02/02/is-the-stock-market-cheap

Ein weiteres Indiz für eine deutliche Überbewertung des amerikanischen Aktienmarktes ist der sogenannte Q-Ratio. Was besagt dieser Wert genau: Ein Q-Ratio größer 1 signalisiert, dass die Unternehmen an der Börse zu einem höheren Wert gehandelt werden als die Summe ihrer Vermögen. Dieser überproportionale Marktwert (Börsenwert plus Verbindlichkeiten) kann daher rühren, dass die Erwartung der zukünftigen Gewinnaussichten äußerst positiv ist. Eine überschwängliche Phase, in der wir uns derzeit bewegen. Der langfristige Median, den wir hier in der Grafik sehen, liegt bei 0,69. Derzeit befinden wir uns bei 1,22, also auch der zweithöchste Wert seit dem Jahr 1900. Lediglich 1999/2000 zum Höhepunkt der Dotcom Blase standen wir bei einem höheren Wert von 1,6.

[1] Quelle: https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2018/02/02/the-q-ratio-and-market-valuation-january-update

Fazit: Wir haben am Anfang der Woche einen Vorgeschmack erlebt an der Wallstreet, wie schnell und mit welcher Vehemenz es nach unten gehen kann. In 70 Minuten verlor der Dow Jones knapp 1000 Punkte. Die Konjunkturdaten aus den USA sind robust, die Steuerpolitik befeuert die Märkte nach oben. Doch wir müssen das Chance/Risiko Verhältnis abwägen. Und was sehen wird hier? Chance nach oben 20%, 30% in meinen Augen, in der Endphase einer Euphoriephase maximale Übertreibung!? Das Risiko nach unten ist aber deutlich höher mit 40%, 50%, 60%. Die Phase, in der wir uns befinden, ist derzeit wie der Tanz auf einem Pulverfass. Indizien gibt es einige: Viele Fondsmanager haben ihre Cashquote auf Höchststand, Schuldenquote auf Rekordhoch, höher als in 2008/09, Italienkrise nicht ausgestanden und und und..

 

Auf gute Investments

Ihr Florian Müller

www.boerseneinmaleins.de

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