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Schuldenkrise Eine drastische Reduktion der Geldvermögen muss kommen

Gastautor: Max Otte
12.02.2018, 10:06  |  5935   |   |   

Es gibt zu viele Schulden auf der Welt. In den letzten Jahrzehnten ist die Summe der Geldforderungen in den meisten Ländern viel stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung.

 

Die Geldflut hat Tradition und ist über die Jahrzehnte zu einer Sturzflut angeschwollen. In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand in den westlichen Industrienationen der Glaube, dass ernsthafte Wirtschaftskrisen der Vergangenheit angehören und dass die Regierungen und Notenbanken die Wirtschaftsentwicklung „steuern“ können. Immer, wenn es ökonomische Krisen oder Probleme gab, drehten die Notenbanken den Geldhahn auf:

 

  • nach dem Börsencrash im Oktober 1987, den ich als junger Praktikant an der Frankfurter Wertpapierbörse miterlebte
  • nach der Asienkrise 1997/1998
  • nach der Russland-Krise 1998/1999
  • nach der Pleite des Hedgefonds LTCM 1998 ebenso
  • nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000
  • nach den Anschlägen vom 11. September 2001
  • nach der Rezession des Jahres 2003
  • nach der Finanzkrise 2007/2008
  • während der Eurokrise ab 2010, insbesondere ab 2012

 

Manische Gelddruckerei

 

Im Juli 2012 fasste EZB-Chef und Ex-Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi die Haltung der Europäischen Zentralbank in drei Worten zusammen: „Whatever it takes“ – was auch immer notwendig ist, werde die EZB tun, um den Euro zu erhalten. Dass es Draghi dabei nicht um den Euro ging, sondern um die Zahlungsfähigkeit der angeschlagenen Länder des Südens und ihrer Banken, sei hier nur am Rande erwähnt.

 

Als ich im Jahr 2006 meine Sorgen zur Überschuldung im Rahmen der Buchvorstellung von „Der Crash kommt“ in der ehrwürdigen Berliner Urania äußerte, erläuterte ich meine Bedenken, dass die Welt überschuldet sei. Prof. Michael Burda von der Humboldt-Universität meinte damals, dass das nicht so problematisch sei: „Die Schulden des einen sind immer die Guthaben des anderen, und zusammen ist das alles null.“

 

Ein fragiles Kartenhaus aus Schulden

Insgesamt sind die Schulden von Staaten, privaten Haushalten und Nichtfinanzunternehmen in der westlichen Welt von 1980 bis 2012 von 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf rund 340 Prozent des BIP gestiegen. Wenn man diese Zahlen um die Inflation bereinigt, haben die Unternehmen mehr als drei-, die Staaten mehr als vier- und die privaten Haushalte sogar mehr als sechsmal so viele Schulden wie 1980.

 

Seit dem Jahr 2000 wachsen die Schulden viel schneller als die Weltwirtschaft. Noch im Jahr 2000 lagen sie einer Berechnung von McKinsey zufolge bei 246 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, 2007 bei 269 Prozent, 2014 dann bei 286 Prozent. 

 

 Im Jahr 2010 veröffentlichten die amerikanischen Ökonomie-Professoren Kenneth Rogoff und Carmen Reinhard eine Studie mit dem Titel „Wachstum in Zeiten der Verschuldung“. Sie kamen zu dem Schluss, dass Staatsschulden über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wachstumshemmend sind. Später wurde die Studie methodisch angegriffen, aber was jedem Laien klar ist, darüber müssen Ökonomen anscheinend intensiv streiten. Ich will den Streit hier gar nicht vertiefen: Zu viele Schulden sind riskant, und irgendwann sind sie wachstumshemmend.

 

Die Staatsschulden in den USA haben zum Beispiel wieder das Niveau wie im Zweiten Weltkrieg erreicht. Danach konnten die USA ihre Schulden auf natürlichem Wege zurückführen. Aber die USA gehörte eben zu den Siegermächten. Hätte das Deutsche Reich sich im Ersten Weltkrieg behauptet, hätte vielleicht auch Deutschland seine Schulden auf „natürlichem Wege“ zurückführen können. Und nach 1945 machten die USA 40 Prozent der Weltwirtschaft aus. Europa lag in Trümmern – von hier kamen massive Wachstumsimpulse.

 

Was machen wir Europäer?

Wir bemühen uns eifrig zu sparen, während überwiegend amerikanische, aber auch andere Hedgefonds fleißig Schulden machen, um Unternehmen in Europa zu kaufen. Waren im Jahr 2003 noch ungefähr 60 Prozent der Aktien von DAX-Unternehmen in deutscher Hand, sind es heute nur noch ungefähr 30 Prozent. Wenn die ganze Schuldenlawine kollabiert, halten die Family Offices der Reichen und das Ausland Aktien und Unternehmensanteile, und viele Deutsche werden Geldforderungen haben. Auch der deutsche Staat begnügt sich damit, Geldforderungen an das Ausland zu haben. Bereits 2014 hatte die Bundesbank Forderungen von über einer halben Billion Euro gegenüber den anderen Euroländern aufgebaut. Norwegen, China, Singapur oder Katar sind da klüger – die investieren über ihre Staatsfonds ihre Leistungsbilanzüberschüsse in Sachwerte, nämlich in Unternehmensbeteiligungen oder Rohstoffe.

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