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USA Ist Wohlstand teilbar? Karl Widerquist sagt...

27.02.2018, 08:22  |  4996   |   |   

Der Politphilosoph und Wirtschaftswissenschaftler Karl Widerquist, außerordentlicher Professor an der Georgetown University in Katar, erinnert sich an eine Umfrage vor zehn Jahren, die zeigte, dass nur 12 Prozent der Amerikaner ein universelles Grundeinkommen befürworteten.

Das hat sich schnell geändert. Heute unterstützen 48 Prozent der Amerikaner die Idee eines Grundeinkommens, so das Umfrageergebnis einer neuen Studie der Northeastern University unter mehr als 3.000 Erwachsenen in den USA. "Es stellt eine enorme Steigerung der Unterstützung dar", sagte Widerquist, der ein bekannter Verfechter eines universellen Grundeinkommens ist. "Es ist wirklich vielversprechend.", so Widerquist. Die Vorschläge für universelle Grundeinkommensprogramme variieren. Am meisten ist die Idee verbreitet, dass der Staat regelmäßig Schecks (Guthaben) an alle verschickt, unabhängig von ihrem Einkommen oder ihrer Beschäftigung.

In Finnland und Kanada sind bereits Pilotprojekte für solche Programme im Gange. Im ländlichen Kenia wird ein Grundeinkommen von der gemeinnützigen Organisation GiveDirectly verwaltet. Indien - mit einer Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern - erwägt die Schaffung eines universellen Grundeinkommens.

Einige Projekte in den USA 

Y Combinator Research, mit Sitz in Oakland, Kalifornien, startete im vergangenen Jahr einen Test eines Grundeinkommens und sammelt Gelder, um das Forschungsprojekt zu erweitern. Dieses Jahr soll in Stockton, Kalifornien, die Stockton Economic Empowerment Demonstration des Bürgermeisters Michael Tubbs mehrere Dutzend Familien mit niedrigem Einkommen 500 Dollar pro Monat in einer Grundeinkommensstudie auszahlen. 

Diese Beispiele stellen eine gute Gelegenheit dar, um die vielen Mythen über ein universelles Grundeinkommen zu entlarven, sagte Guy Standing, Mitbegründer des Basic Income Earth Network. Vor kurzem sprach er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, Schweiz, zu diesem Thema. "Die Behauptung wird oft aufgestellt, dass, wenn man den Menschen ein Grundeinkommen gibt, sie faul werden und aufhören zu arbeiten", sagte Standing. "Es ist eine Beleidigung der menschlichen Verhaltensweisen. Grundeinkommen fördern die Produktivität der Menschen, anstatt sie zu reduzieren." so Standing. Das liege daran, dass die Forschung gezeigt hat, dass Grundeinkommen die psychische und physische Gesundheit der Menschen verbessern können, meint Standing. 

Steigende Ungleichheit und ihre enormen Auswirkungen ergeben einen "perfekten Rückenwind" für das Grundeinkommen, so Standing. "Die Menschen sagen: `Sehen Sie, wir können die Ungleichheit nicht weiter wachsen lassen, denn die politischen Folgen könnten eine Katastrophe sein´", so Standing und wies auf den jüngsten Anstieg autoritärer Staatsführer hin.

Selbst inmitten einer boomenden Wirtschaft ist das Lohnwachstum schleppend verlaufen. Gleichzeitig wird die Liste der Jobs, die Roboter besetzen können, immer länger und auch beunruhigender. Die Northeastern University-Umfrage zeigte, dass drei Viertel der Amerikaner glauben, dass Maschinen mehr Arbeitsplätze wegnehmen werden, als sie generieren. "Wir müssen den Menschen nicht mit Obdachlosigkeit und Armut drohen, um sie zur Arbeit zu bringen", sagte Widerquist.

52 Prozent der Amerikaner gegen ein Grundeinkommen 

Die Idee des Grundeinkommens ist bei bestimmten Gruppen beliebter. Beispielsweise wollen 65 Prozent der Demokraten ein universelles Grundeinkommen. Auch 54 Prozent der Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren wollen es. Zum Vergleich: Nur 28 Prozent der Republikaner unterstützen das universelle Grundeinkommen. "Alles, das wie Wohlfahrt klingt, erhält negative Reaktionen von den Republikanern," sagte Frank Newport, Chefredakteur von Gallup.

Newport sagte, dass er es interessant fand, dass die Öffentlichkeit nicht unbedingt will, dass der Staat für das universelle Grundeinkommen bezahlt. Stattdessen sagen 80 Prozent der Befürworter, dass die Unternehmen, die von künstlicher Intelligenz (KI) profitieren höhere Steuern zahlen sollten, um ein Grundeinkommen zu finanzieren.

"Man kann keine freie Marktwirtschaft haben, wenn die Menschen ständig unsicher sind", meint Standing. "Man kann nicht erwarten, dass sie unter Unsicherheit rational handeln." so Standing.

 

Dieser Beitrag basiert auf einen Bericht auf CNBC.

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