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Volk stimmt ab: Kommt das Vollgeldsystem in der Schweiz?

03.05.2018, 13:32  |  6365   |   |   

In gut sechs Wochen stimmen die Schweizer darüber ab, ob nur noch die Schweizer Nationalbank (SNB) Geld schaffen darf. Die sogenannte Vollgeldinitiative sorgt für Kritik, denn es gibt kein Land mit einem ähnlichen Ansatz. 

Am 10. Juni 2018 sind die Schweizer zum Urnengang aufgerufen, um über eine nahezu revolutionäre Idee abzustimmen, denn wie die NZZ schreibt will die Initiative "die Geldschöpfung der Geschäftsbanken via Kredite verbieten und somit das zurzeit auf Bargeld beschränkte Produktionsmonopol der Nationalbank auf Buchgeld ausdehnen." Dies würde bedeuten, dass Geschäftsbanken nur Kredite vergeben dürfen, die in voller Höhe durch Spareinlagen gedeckt sind.

Blickt man zurück, so konstatiert die NZZ: "Ende 2017 belief sich der Bargeldumlauf auf knapp 87 Milliarden Franken. Das sofort verfügbare Buchgeld machte mehr als den sechsfachen Betrag aus, rund 550 Milliarden Franken. Diesen weit grösseren Betrag haben die Geschäftsbanken geschaffen." Gegen diese Methode wendet sich die Vollgeldinitiative. Es geht um sogenanntes Buchgeld, dass bei der Kreditvergabe entsteht. Dieses System kann dazu führen, dass sich die Banken verschulden.

Mit der Initiative soll das Ende der Bankenkrise eingeläutet werden, denn "sofort verfügbare Konti bei Geschäftsbanken (Zahlungsverkehrskonti und Sichteinlagen) wären künftig zu hundert Prozent durch Notenbankgeld gedeckt." Darüber hinaus heißt es: "Die Geschäftsbanken könnten weiterhin Kredite gewähren, wären dabei aber mangels Möglichkeit zur eigenen Geldschöpfung weniger flexibel."

Selbst die Schweizer Nationalbank (SNB) ist gegen ein Vollgeld-System, denn es würde das Finanzsystem weniger stabil machen, die Bankdienstleistungen verteuern, die Kreditversorgung verschlechtern, die Geldpolitik erschweren und die Bilanz der Notenbank aushöhlen, so ein Kommentar in der NZZ. Darüber hinaus heißt es, dass "die Schwächen des gegenwärtigen Finanzsystems sich durch schrittweise Reformen und Adjustierung von bestehenden Instrumenten zuverlässiger beheben (lassen) als durch einen kompletten Umbau des Systems."

Bereits vor drei Jahren wurde von der Schweizer Vollgeldinitiative berichtet. Wie Daniel Stelter schrieb, war auch in Island ein ähnlicher Ansatz in der Diskussion und weiter: "Ich finde, dass es sich zumindest lohnt, diesen Weg genauer anzuschauen." Dieser Wunsch muss vermutlich noch aufgeschoben werden, da man der Abstimmung in der Schweiz wenig Erfolg attestiert. 

Quellen:

NZZ

NZZ vom 30.04.2018

NZZ vom 06.04.2018

Cicero vom 08.04.2015

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