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Tesla: Noch näher am Abgrund

Gastautor: Holger Steffen
07.05.2018, 07:34  |  3959   |   |   

Tesla-Chef Elon Musk hatte auf der Telefonkonferenz nach den Quartalszahlen keine Lust, sich mit den Fragen von Leerverkäufern auseinander zu setzen. Das sorgte für einen Kursrückschlag, der aber schnell wieder aufgeholt wurde. Ist das mehr als eine Atempause für das kritisch beäugte Unternehmen?

Indem er zwei Analysten ignorierte, die er zu der Gruppe der – bei Tesla sehr aktiven – Leerverkäufer zählte, hat Elon Musk mal wieder polarisiert. Einerseits wurde ihm das als Arroganz ausgelegt, andererseits sahen etliche Tesla-Freunde darin eine angemessene Reaktion auf eine übermäßige Kritik.

Tatsache ist, dass es bei Tesla durchaus Fortschritte zu vermelden gab. Mit einem Umsatzanstieg um mehr als ein Viertel auf 3,41 Mrd. US-Dollar wurde die durchschnittliche Analystenprognose in Höhe von 3,22 Mrd. US-Dollar deutlich geschlagen. Und obwohl das Unternehmen einen neuen Rekord-Quartalsverlust von mehr als 780 Mio. US-Dollar präsentierte, ist der Cashverbrauch geringer als befürchtet.

Dennoch wird es eng für Tesla. Denn Elon Musk hat den Druck in jeder Hinsicht deutlich erhöht. Erneut wurde betont, dass das Unternehmen zunächst kein Kapital aufnehmen und im zweiten Halbjahr profitabel arbeiten will. Dabei helfen soll eine kräftige Outputsteigerung beim Model 3. Mit einer zehntägigen Produktionspause versucht die Firma, Engpässe zu beheben, um die Zahl der hergestellten Fahrzeuge von 2.270 Stück Mitte April bis auf 5.000 Ende Juni hochzuschrauben. Dafür läuft die Fabrik jetzt rund um die Uhr.

Gelingt der Parforceritt Richtung Profitabilität, dürften die Leerverkäufer stark unter Druck geraten und die Aktie explodieren. Enttäuscht Tesla hingegen nochmals, wird es noch unangenehmere Fragen für Elon Musk geben.

Denn obwohl das Unternehmen das Investitionsbudget für dieses Jahr um 400 Mio. US-Dollar auf 3 Mrd. US-Dollar reduziert hat, ist der Bedarf immer noch immens – und die Liquidität ist auf 2,7 Mrd. US-Dollar zurückgegangen.

Wir sehen Tesla nun neutral und würden prozyklisch agieren. Bei einem Anstieg über 310 US-Dollar kann ein spekulativer Kauf riskiert werden, unter 275 US-Dollar bietet sich hingegen die Shortseite an.

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