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Börse: „Es ist durchaus noch Luft nach oben“

Gastautor: Frank Fischer
16.05.2018, 17:53  |  4627   |   |   

Die drohenden Absage des Gipfels zwischen den USA und Nordkorea und Spekulationen über die finanzpolitischen Pläne der künftigen italienischen Regierung lassen die meisten Marktteilnehmer weiterhin nervös reagieren. Dazu kommt, dass sich die Konjunkturerwartungen gedreht haben. Die sind in Europa deutlich gefallen, wie auch speziell in Deutschland. Insgesamt herrschen negative Konjunkturerwartungen vor. Wir befinden uns also schon jenseits des Tops bei der konjunkturellen Lage.

Aber wir sollten vorsichtig sein. Die Lage kann sich auch schnell wieder drehen. Man darf den Trend nicht einfach nach unten fortschreiben. Es könnte durchaus sein, dass auf diesem Level die Konjunkturerwartungen bald wieder nach oben drehen. Das gilt übrigens auch für die USA. Auch hier sind die Konjunkturerwartungen bereits negativ. Die Aktienkurse hatten darauf schon im Februar und März mit einer Korrektur reagiert. Die Frage ist also: war es das schon, oder kommt da noch was? Es kann durchaus sein, dass wir bis Mitte Juni noch steigende Kurse sehen und dann erst im Sommer eine Pause machen.   

Insgesamt kann man feststellen: Trotz aller Unsicherheiten, die immer wieder von US-Präsident Trump ausgehen, hat sich die Stimmung der Marktteilnehmer wieder etwas verbessert. Wir sind noch nicht wieder im Angst machenden Bereich, dass etwa die Stimmung an den Märkten zu gut ist. Dann würde nämlich wieder eine Korrektur drohen. Aber soweit sind wir noch nicht. Wir sehen für DAX, Dow Jones, S&P 500 & Co. durchaus noch Luft nach oben.

Wir haben die Aktienquote über den langjährigen Durchschnitt erhöht

Deshalb haben wir in unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem PRIMA – Globale Werte die Aktienquote auch wieder nach oben gefahren, nachdem wir sie in der zurückliegenden Korrekturphase deutlich gesenkt hatten. Sie liegt derzeit sogar über dem langfristigen Durchschnitt. Das liegt jedoch auch an Zukäufen von Aktien, deren Unternehmen sich in Sondersituationen befinden und die sich daher vom normalen Geschehen an den Börsen etwas abgekoppelt haben.

So haben wir uns vor allem bei Telecom Italia, aber auch beim portugiesischen Energieunternehmen EDP Renováveis engagiert. Dessen Hauptaktionär EDP befindet sich gerade in einem Abwehrkampf, da dessen chinesischer Großaktionär Chinese Three Gorges ein Übernahmeangebot unterbreitet hat.  Hier beobachten wir die Entwicklung mit Spannung.

Bei Telecom Italia hat eine neue Zeitrechnung begonnen

Bei Telecom Italia stellt sich die Situation ganz anders dar. Der einstige Staatsmonopolist ist, wenn man es drastisch ausdrücken will, nur noch ein Schatten seiner selbst. Vor 20 Jahre wurde das Unternehmen privatisiert – mit wenig Erfolg. Die vor knapp drei Jahren erfolgte Beteiligung des französischen Großaktionärs Vivendi hatte dann dazu geführt, dass der Aktienkurs nahezu halbiert wurde und der Schuldenberg immer höher wurde. Nun hat der Staat durch die halbstaatlichen Beteiligungsholding Cassa depositi e prestiti (Cdp) wieder knapp fünf Prozent an Telecom Italia erworben und will gemeinsam mit dem US-Hedgefonds Elliott, der rund 9 Prozent der Aktien kontrolliert, den angeschlagenen Konzern wieder auf Trab bringen. Auf der Hauptversammlung wurde jetzt neu Unternehmensleitlinien verabschiedet, wobei von 15 Aufsichtsratsmitgliedern nun zehn auf das Duo Cdp-Elliott entfallen. Der Vivendi-Konzern, der bislang 10 Mitglieder stellte, muss sich künftig mit fünf begnügen. Damit schwindet sein Einfluss entscheidend.. Das sind zwei von einigen eher defensiven Titeln im Portfolio, die zu einer leicht erhöhten Aktienquote geführt haben.

Beim Blick nach vorne sind es immer noch die sich abschwächenden Konjunkturerwartungen, die für negative Schlagzeilen sorgen können. Kaum ein Marktteilnehmer erwartet hier kurzfristig eine Verbesserung. Aber, wie schon angedeutet, das kann natürlich auch zu positiven Überraschungen führen – dann würden viele auf dem falschen Fuß erwischt. Auf der anderen Seite sollte man noch ein weiteres Risiko im Blick haben: Viele Unternehmen sind weiterhin hoch verschuldet. Es wäre daher wünschenswert, wenn die Firmen – wie auch viele Staaten – die derzeit noch gute Lage nutzen, um ihre Verschuldung abzubauen. Denn wenn es mal nicht mehr so gut läuft, könnte dies fatale Folgen haben. Die nächste Rezession kommt bestimmt, fragt sich nur wann.

 

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