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Der bessere Kauf: Die neue Home24-Aktie versus Steinhoff International

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.09.2018, 08:49  |  1583   |   |   

Zwei Einzelhändler, die angetreten sind, IKEA vom Thron zu stoßen: die skandalträchtige Steinhoff International (WKN:A14XB9) und der Börsenfrischling Home24 (WKN:A14KEB). Gibt es dort für Anleger noch etwas zu holen und, wenn ja, bei welcher Aktie ist man besser aufgehoben?

So unterschiedliche und doch so ähnliche Konkurrenten

Steinhoff hat lange Zeit auf den Ausbau der stationären Präsenz gebaut und so das Netzwerk auf viele Tausend Standorte ausgeweitet. Home24 hingegen ist zunächst mit einer reinen Onlinestrategie angetreten, um die Branche aufzumischen.

Erleben, fühlen, probesitzen – Möbel und Einrichtungsgegenstände will man in echt sehen, sollte man denken. Steinhoff wäre dann klar im Vorteil. Aber die Samwer-Brüder sahen das anders. Mit Home24 und dem brasilianischen Ableger Mobly schufen sie einen ambitionierten E-Commerce-Spieler, der sich genau auf diesen schwergewichtigen Bereich konzentriert.

Mittlerweile bewegen sich die beiden aufeinander zu. Steinhoff implementiert bei diversen Töchtern E-Commerce-Initiativen wie zum Beispiel die Omnichannel-Strategie der osteuropäischen Pepco oder den Marketplace der französischen Conforama. Home24 auf der anderen Seite hat begonnen, Showrooms zu eröffnen, zuletzt in bester Lage in der Stuttgarter Innenstadt.

Beide einigt auch der Fokus auf Eigenmarken sowie natürlich ein unbändiger Wachstumsdrang. Jeder Euro, den sie irgendwie in die Hände bekommen oder aus der Bilanz quetschen konnten, wurde über die letzten Jahre in die Expansion gesteckt: neue Länder, erweitertes Produktsortiment, aufwendige Kampagnen sowie besser Prozesse und Systeme.

Auch im Luftschlösserbauen sind beide stark. Home24 sollte heute schon längst Milliardenumsätze schreiben, wenn es nach den Investorenpräsentationen des Rocket Internet (WKN:A12UKK)-Managements von vor einigen Jahren geht. Steinhoff ist das eigene Vorgehen bekanntlich zum Verhängnis geworden, weshalb der Expansionsdrang sich dort zunächst auf Sparflamme befindet. Home24 soll hingegen mit den neu eingeworbenen Mitteln aus dem Börsengang die nächste Raketenstufe zünden.

Ein Vergleich in Zahlen

in Mio. EUR Steinhoff Home24
6-Monats-Umsatz zum 31.03.2018 9.345 164
Börsenwert am 07.09.2018 629 610
Mitarbeiter 130.000 1.303
Länderpräsenz ca.30 8

Tabelle erstellt vom Autor auf Basis der letzten Investorendokumente. Steinhoff-Umsatz ohne POCO (verkauft).

Wie man deutlich erkennen kann, ist die Steinhoff-Organisation rein physisch derzeit noch ein ganz anderes Kaliber: 100-mal mehr Mitarbeiter, über 50-mal mehr Umsatz und eine ungleich größere geografische Abdeckung.

Ein Vergleich der Profitabilität ist hingegen schwierig. Beide sind derzeit froh, wenn sie beim bereinigten operativen Gewinn vor Abschreibungen („adj. EBITDA“) nicht ganz so schlecht aussehen. Home24 befindet sich diesbezüglich nach eigenen Angaben in Brasilien mittlerweile im schwarzen Bereich, ist aber insgesamt noch defizitär. Steinhoff dagegen ist immerhin noch leicht im Plus, trotz aller Probleme.

Interessanterweise bewertet der Markt aktuell beide fast genau gleich. Als Anleger müssen wir daher im Moment nur die Frage beantworten, welches der beiden Unternehmen langfristig die dickeren Gewinne einfahren wird.

Wo dein Geld am besten aufgehoben ist

Klar ist für mich, dass beide Aktien nichts für schlechte Nerven sind. Sowohl für Steinhoff als auch für Home24 wird der Verlauf der kommenden drei Jahre entscheidend sein für das weitere Schicksal. Der eine muss sich operativ wie finanziell stabilisieren, um die Gläubiger zu beruhigen und wieder Gewinne erwirtschaften zu können. Der andere muss eine kritische Marktposition erobern, um irgendwann den Schalter zur Profitabilität umlegen zu können.

Home24 hat selbstverständlich beim Wachstum nun deutlich die Nase vorn. Steinhoff dürfte auf absehbare Zeit stagnieren. Um allerdings das Umsatzniveau von Steinhoff zu erreichen, braucht der Onlinehändler noch viele Jahre der starken Expansion; bei einer Rate von jährlich 30 % wahrscheinlich über 20 Jahre (!), wenn man annimmt, dass auch Steinhoff sich letztlich wieder einigermaßen berappeln kann. Grundsätzlich gefällt mir zwar der daten- und plattformgetriebene Ansatz von Home24, der eine Ergebnisbeschleunigung in diversen Dimensionen und über einen langen Zeitraum verspricht. Trotzdem bleibt für mich unklar, ob die aggressive Strategie aufgeht und tatsächlich irgendwann die erhofften Gewinne sprudeln, bevor das Wachstumskapital ausgeht.

Eine ähnlich stark aufgepumpte frühere Beteiligung, das E-Commerce-Portal Lineo, wollte von Mexiko aus ganz Lateinamerika aufrollen, konnte aber die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen und wurde kürzlich zu einem relativ kleinen Preis an einen chilenischen Konkurrenten abgegeben. Ähnliches droht Home24 auch in Brasilien, wo es außerhalb der Metropolen noch in fast jedem der weit verstreuten Orte lokale Schreiner und Handwerker gibt, die unschlagbar günstig den Grundbedarf abdecken. Folglich stelle ich mir die weitere Expansion nicht so leicht vor.

Da finde ich Steinhoff eigentlich noch handfester. Dort muss das Management nicht 20 Jahre pausenlos Höchstleistungen erbringen, sondern „lediglich“ die kurzfristigen Verluste im Rahmen halten und ein Konzept präsentieren, das den langfristigen Bestand sichert. Das ist sicherlich auch keine triviale Aufgabe, aber ich denke, es ist zu schaffen. Die Holding muss jedenfalls nicht in ihre Bewertung hineinwachsen, sondern eher andersherum, weil der Buchwert deutlich über dem Aktienkurs liegt.

Sicher ist jedoch, dass IKEA derzeit vor keinem der beiden größere Angst haben muss. Vielmehr könnte andersherum die neue Strategie der Schweden den Plänen von Home24 und Steinhoff einen Strich durch die Rechnung machen. Vorsichtige Anleger warten daher besser ab, bis mehr Klarheit über den weiteren Marktverlauf herrscht, und schauen sich derweil bei solideren Unternehmen um.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Steinhoff. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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