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Neuwagenkäufe Die Europäer kehren dem Diesel den Rücken

Gastautor: w:o Gastbeitrag
10.09.2018, 11:34  |  3102   |   |   

In allen europäischen Ländern haben Neuwagenkäufer im ersten Halbjahr 2018 Diesel-Pkw den Rücken gekehrt. Das zeigt die Analyse der Pkw-Neuwagenzulassungen. In Europa, definiert als die EU plus Norwegen und Schweiz, ist der Dieselanteil unter den Pkw-Neuwagenverkäufen um 8,4 Prozentpunkte auf 36,8% in den ersten sechs Monaten des Jahres eingebrochen (siehe Abb. 1).

Gastbeitrag von Ferdinand Dudenhöffer*

Dabei war der Einbruch keineswegs in Deutschland am größten. Regelrecht eingestürzt ist der Dieselmarktanteil in Slovenien. Dort hat der Diesel 15,0% Marktanteil verloren, gefolgt von Spanien (-12,9%), Rumänien (-12,2%), England (11,2%), Schweden und Litauen (-10,7%), Irland (-10,6%). In Deutschland hat der Diesel 9,2 Prozentpunkte verloren, im Europa 8,4 Prozentpunkte. (Die Daten der Abb. 1 sind weiter unten im Text im Anhang als Tabelle). Die Enttäuschung über Dieselgate, manipulierte Abgaswerte, deutlich zu hohe Stickoxide-Ausstoß im Alltagsfahrbetrieb zieht sich wie ein roter Faden durch ganz Europa.  

Deutschland wird zum Land der Dieselfahrverbote

Dabei war in keinem Land in Europa die Enttäuschung über den Diesel bei den Verbrauchern so groß wie in Deutschland. Hohe öffentliche Empörung und hoher Schaden entstehen in Deutschland mit den Dieselfahrverboten in den Städten. Nach unseren Daten können wir in Deutschland in mehr als 20 Städten mit Dieselfahrverboten rechnen, darunter, Hamburg, Stuttgart, Kiel, Aachen, Frankfurt, Köln, Berlin, Freiburg, Dortmund, Hagen, Mainz, Heilbronn, Reutlingen, Düren, Oldenburg. Und auch die juristischen Scharmützel in Düsseldorf und München werden wohl nicht lange tragfähig sein.

Deutschland wird weltweit Weltmeister für Dieselfahrverbote. Das ist keine Sache von sechs oder acht Monaten, sondern wird bis ins Jahr 2020 und 2021 reichen. Hardware-Nachrüstung für Diesel-Pkw wurde von den Autobauer und der Bundesregierung renitent ausgesessen. Die Probleme der Städte sind seit dem Jahr 2010 bekannt und ignoriert worden. Längere Fahrverbote, die Entwertung eines großen Teils des Volksvermögens sind in Deutschland nicht zu vermeiden. In den anderen Ländern ist die Lage bei weitem nicht so tragisch wie in Deutschland. Trotzdem kehren auch dort die Autokäufer dem Diesel den Rücken. Eine Zeit zurück vor Dieselgate wird es nicht geben. Zu groß sind die Enttäuschungen der Kunden, zu groß ist das verlorene Vertrauen, zu teuer werden neue Diesel mit richtiger Abgasreinigung werden. Zu gut sind die Alternativen Benziner kombiniert mit neuen 48 Volt Hybriden und Stück für Stück nach 2020 Elektroautos.

Die Entwicklung wird für die Autobauer teuer werden. Das illustriert die Abb. 2. Im August 2018 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß bei Pkw-Neuwagen bei 131,8 gramm/km, der Dieselanteil bei Neuwagen betrug in Deutschland 32,6%. Mehr SUV, weniger Diesel läßt den CO2-Wert in die Höhe steigen.

Ab September gehen die CO2-Wert durch die Decke: 150 g CO2/km   
 
Dabei wurde der CO2-Ausstoß bisher nach dem alten NEFZ-Prüfzyklus gemessen. Ab 1. September 2018 gilt der WLTP. Dann werden die blauen Balken in Abb. 2 förmlich durch die Decke gehen. Wir gehen von einem Pkw-Diesel-Marktanteil um die 33% aus für die nächsten 12-15 Monate aus. Nach den NEFZ-Werten und steigenden SUVAnteilen bedeutet das CO2-Emissionen von etwa 131 Gramm/km pro neuem Pkw im Schnitt in Deutschland bedeuten.  
 
Da aber NEFZ durch WTLP abgelöst wurde und beim WTLP die gleichen Fahrzeuge etwa 20% mehr Treibstoff und CO2 auf dem Papier emittierten, macht die CO2-Kurve ab September einen kräftigen Sprung nach oben. Die meisten Prognosen gehen von einem Mehrverbrauch in der Höhe von 20% durch den WLTP aus. Unterstellen wir mal konservativ, dass es im Mittel nur 15% sind, dann können wir bei 33% Dieselanteil in Deutschland mit 150 CO2/km pro Durchschnitt-Neuwagen rechnen. Derzeit liegt der Grenzwert für die EU bei 130 g CO2/km.

Würden jetzt die Strafzahlungen auf die WLTP-Emissionen, so wie sie etwa bei der Kfz-Steuer berücksichtigt werden, für die Grenzwerte der EU herangezogen, müssten mit Milliarden Strafzahlungen an die EU-Kommission gerechnet werden. Das hat man vorerst abgebogen – Otto-Normalverbraucher bezahlt zwar seine Kfz-Steuer nach WLTP, aber die Autobauer rechnen für Brüssel „zurück“. Das wird nicht in alle Ewigkeit gehen. Im politischen Prozess wird die unterschiedliche Behandlung von Autobesitzern und Autobauern beim Thema CO2 sicher Diskussionen aufwerfen. Viele Sympathien auch im politischen Raum hat die Autoindustrie in den letzten drei Jahren verloren. Das macht die zu erwartende Diskussion um „Umrechnungsfaktoren“ von WTLP auf NEFZ für den „Klimawandel“ nicht einfacher. Das Risiko für die Autobauer der ausgesessen Hardware-Nachrüstung kann also sehr teuer werden.

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4 Kommentare

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Kommentare

Statt dessen erhöht sich die Produktion europäischer Autohersteller und der Verkauf innerhalb Europa von E-Autos :-) allerdings wird sich der Wandel nicht so drastisch bei den Auto-Aktien auswirken, weil es schlichtweg nur ein Austausch der produzierten Autos ist... Gewinner werden viel eher die Rohstoff-Lieferanten sein, weil deren Gut verstärkt anch gefragt wird für die erforderlichen Batterien, zum Beispiel bei Kidman :-)
Natürlich sinkt der Verkauf neuer Diesel in den Ländern wo sich der Import gebrauchter Diesel auch mal stark erhöht hat! Nennt sich Kanabalisierungseffekt, warum viel für neues ausgeben, wenn es gebraucht etwas gleich gutes für weniger Geld zu bekommen ist?

Z. B.
Kroatien mit plus 89%
Österreich plus 41%
Frankreich plus 34%


Gebrauchte Diesel aus Deutschland werden zum Exportschlager

https://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/statistik-gebrauchte-diesel-aus-deutschland-werden-zum-exportschlager/22822494.html
und die Alternative Herr Dudenhöfer? Brennstoffzelle, haben sie sicher in der Eile vergessen zu erwähnen,vielleicht weil es ja noch keine deutschen Alternativen gibt?na ja dann muß es eben ein Asiate werden die sind deutlich weiter im Kopf und am Markt
Ich empfehle das Buch "Die Diesellüge" von Holger Douglas zum Thema.
Hier eine Leserrezension zum Buch (Zitat):

"Hier wird zusammengestellt, wie sehr der Kampf gegen den Diesel rein ideologisch motiviert ist. Bei der Diskussion um Schadstoffe werden Physik, Technik, Machbarkeit von den Medien wie auch der Politik komplett ignoriert oder übergangen. Stets sich verbessernde Luft steht wie der Hase und der Igel immer neuen, aus der Luft gegriffenen und unrealistischen Grenzwerten gegenüber. Dubiose Organisation wie die "Deutsche Umwelthilfe" oder Greenpeace machen sich reich zu Lasten der Dieselfahrer und Steuerzahler. Der deutsche Michel nickt dazu weil er von den Medien und der Politik systematisch und ideologiegetrieben falsch informiert und belogen wird. Dieses Buch klärt auf über Technik und unsinnige oder nicht mögliche Softwareupdates und Nachrüstungen. Es wird die Technik erläutert, auch für Laien verständlich. Und es wird klar benannt, heute ist es der Diesel, morgen der Benziner. Es geht alleine um Ideologie und nicht um Umweltschutz, Gesundheitsschutz oder Klimaschutz. Es sollten nicht nur betroffene Diesel-Besitzer lesen."

Quelle: https://www.amazon.de/Die-Diesel-L%C3%BCge-Hetzjagd-Auto-wehren/dp/3959721447

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