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China-Krise: Die Wirtschaft fällt langsam auseinander

Gastautor: Arthur Vott
02.11.2018, 10:32  |  2940   |   |   
Der IWF spricht Warnungen aus

Der internationale Währungsfonds (IWF) warnte Mitte Oktober davor, dass weltweit strengere finanzielle Bedingungen ein Risiko für das globale Wirtschaftswachstum darstellen. Die Warnung mag vielleicht ein wenig spät kommen (vergleichen Sie hierzu Monthly Markets #4), aber wenn die Ökonomen aus Washington Warnungen aussprechen, merkt man, dass die Lage langsam ernst wird. Schließlich hat der IWF betont, dass die Gefahr für potentielle Krisen nicht nur für Schwellenländer besteht, sondern auch für Industrieländer wie der USA, Europa, Japan und China relevant ist.

In den letzten Ausgaben haben wir uns bereits auf die Rolle der Entwicklungsländer, der USA und Europa in dieser Gleichung konzentriert. Wir stellten heraus, wie die fortschreitende Normalisierung der Geldpolitik weltweite Verwerfungen erzeugt, und somit nach und nach faule Kredite zum Platzen bringt. Die Entwicklungsländer, als schwächste Glieder, stehen im Zentrum dieses Prozesses. Von da aus würde sich eine Krise Richtung Europa und zuletzt Richtung USA entwickeln. Ein wichtiger Player, den wir zugegebener Weise bisher ignoriert haben, fehlte bisher in dieser Gleichung. Wir sprechen von China. Diese Ausgabe hat daher die besorgniserregende Lage Chinas zum Thema.

Chinas Wachstum stockt

Schon in Ausgabe #3 des Monthly Markets haben wir extensiv über den Yuan berichtet und erste Risse in der Wirtschaft Chinas aufgedeckt. Mit der Herausgabe der neuen chinesischen Wirtschaftszahlen hat sich unsere Meinung nur bestärkt. Der einst gefeierte Wirtschaftstanker fängt an, an Kraft zu verlieren. Mit „nur“ 6,5% im dritten Quartal 2018 verzeichnete China das langsamste Wachstum seitdem ersten Quartal 2009. Natürlich deutet diese Entwicklung nicht auf eine unmittelbare Katastrophe hin (6,5% sind immer noch gewaltig), sondern eher auf das Verschwinden jeglichen Aufwärtspotenzials in dem einst gefeierten Land.

Abbildung 1: Seit einigen Jahren hat das Jahreswachstum des BIPs von China deutlich an Dynamik verloren. Die abnehmenden Wachstumsraten erinnern dabei stark an die Asienkrise von 1997.

Seit der Wiedereröffnung der chinesischen Börsen nach dem einwöchigen Nationalfeiertag hat sich die Lage besonders verschlechtert. Der Shanghai Stock Index (SSE) ist allein im Oktober um fast 8% gefallen (ca. -20% YTD) und eröffnet damit eine bemerkenswerte Umdrehung von einem scheinbar unzerbrechlichen mehrjährigen Aufwärtstrend. Die Gründe für die aktuelle Schwäche Chinas sind bei einem uns bekannten Freund wiederzufinden: Dem Dollar. Chinas aktuelle Probleme sind nicht chinesischer Natur, sondern resultieren daraus, dass seit geraumer Zeit zu wenig Dollar-Noten in das Land fließen.

Die Welt und insbesondere China braucht im Rahmen der zunehmenden Globalisierung Dollar-Noten, um ihren Handel möglichst reibungslos zu gestalten. Wie jede andere Bank auf der Welt, besorgen sich chinesische Banken die Noten meistens über kurzlaufende Kredite und verleihen diese über einen längeren Zeitraum an Unternehmen und Haushalte. Meist kommen die Dollar-Noten in Form von Offshore Euro-Dollars durch andere Banken in das Land. Die PBOC (Zentralbank Chinas) nimmt diese eindringenden Dollar und verwandelt sie in Vermögenswerte, wie zum Beispiel US-Staatsanleihen. Anschließend bilden diese US-Staatsanleihen, denominiert in Dollar, die Grundlage für das inländische Währungssystem. Sehr vereinfacht gesagt: Der Renminbi (RMB) wird vom Euro-Dollar unterstützt/abgesichert.

Der starke Dollar führt zu Problemen

Wenn die Banken nun aus irgendeinem Grund in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sollten (z.B. wenn der Dollarpreis steigt), haben sie wenig Möglichkeiten, diese zu lösen. Sie können natürlich versuchen, neue Dollarkredite, die sie für den chinesischen Handel brauchen, zu beschränken. Jedoch würde dies dämpfend auf den Handel und Export wirken. Weniger Dollar für China bedeuten immer eine Verlangsamung des inländischen Wachstums, wie wir aktuell sehen können.

Die Alternative: Die PBOC kann sich dafür entscheiden, ihre Reserven zu mobilisieren. Inländische Banken können dann ihre Dollarfinanzierung von der Zentralbank erhalten, meistens in Form eines Verkaufs von US-Staatsanleihen. Und genau das passiert zurzeit in Rekordhöhe. Die Bestände sinken den vierten Monat in Folge. Aber anders als viele Analysten sehen wir diese Handlung nicht als eine Machtdemonstration in einem potentiellen Handelskrieg, sondern vielmehr als ein Akt der Schwäche. Dieser Trend ist nämlich wahrlich nicht neu, sondern zeichnet sich schon seit 2015 ab (Abbildung 2). Genau ab dem Zeitpunkt, als der Dollar anfing gegenüber den Yuan und weiteren internationalen Währungen aufzuwerten.

Abbildung 2: Seit 2015 fing der Dollar an, gegen den Yuan aufzuwerten. Die Abbildung zeigt, dass genau ab diesem Moment, die historisch starken Wachstumsraten von Reserven und Bilanzsumme nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. Die Bilanzsumme wächst zwar immer noch, jedoch viel langsamer.

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2 Kommentare

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Kommentare

ich glaube... dass Trump aktuell den Eindruck erweckt, es könnte eine Einigung mit China geben... ist schlichtweg nur eine strategische Taktik, einmal steht G20 vor der Tür und zum anderen die Wahlen in den USA.... meiner Meinung nach ;)

Thread: China Crash
manch einer will es leider noch immer nicht glauben und investiert munter weiter in chinesische Aktien, sobald der Kurs mal wieder mächtig per kommunistischem Diktat gepusht worden ist

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