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Marktkommentar: Patrick Zweifel/Avo Ora (Pictet): Warum China auf Wachstumskurs bleibt
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Marktkommentar Patrick Zweifel/Avo Ora (Pictet): Warum China auf Wachstumskurs bleibt

Nachrichtenquelle: Asset Standard
06.11.2018, 11:15  |  443   |   |   

Handelskrieg zwischen USA und China: Warum China es mit seiner Politik schafft, auf Wachstumskurs zu bleiben.

Eine stärker auf Wachstumsförderung ausgerichtete Fiskal- und Geldpolitik dürfte dem chinesischen BIP-Wachstum im kommenden Jahr wichtige Impulse geben.

CHINA REAGIERT AUF US-HANDELSZÖLLE

Vor dem Hintergrund der auferlegten US-Handelszölle gehen wir davon aus, dass die chinesische Fiskal- und Geldpolitik stärker auf Wachstumsförderung ausgerichtet sein wird. Infolgedessen dürfte das BIP im kommenden Jahr um zusätzliche 0,5% steigen. Dennoch glauben wir, dass es sicherlich länger dauern wird, bis die Konjunkturbelebungsmassnahmen der Regierung in Peking greifen, und sie auch nicht ganz so viel Schlagkraft haben werden wie in früheren Lockerungszyklen.

Handelspolitik

Während China seine Zölle auf US-Einfuhrwaren im Wert von 110 Mrd. USD bereits auf bis zu 25% erhöht hat, hat das Land seine Einfuhrzölle, mit denen es chinesische Importeure, Unternehmen und Verbraucher belastet, gesenkt und plant weitere Senkungen. Berücksichtigt man auch die Senkung der Meistbegünstigungszölle (MFN), die am 1. November fällig sind, so hat China seine durchschnittlichen MFN-Zölle von 9,9% auf 7,5% herabgesetzt. Durch niedrigere Zollabgaben auf Einfuhren aus anderen Ländern werden Abgabenpflichtige entlastet, die durch höhere US-Zölle belastet werden.

Geldpolitik

Mit der Senkung seines Mindestreservesatzes um 250 Bp seit April hat China ein deutliches Signal ausgesendet. Die Investitionsausgaben im Bereich Immobilien und Produktion sind im 3. Quartal bereits gestiegen. Wir gehen davon aus, dass der Reservesatz bis März 2019 um weitere 100 Bp gesenkt wird.

Senkung des Mindestreservesatzes als Zeichen für geldpolitische Lockerung
Mindestreservesatz China & VPI-Inflationsrate

Grafik: Senkung des Mindestreservesatzes als Zeichen für geldpolitische Lockerung

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Oktober 2018


Fiskalpolitik

Teil des Instrumentariums ist auch eine proaktivere Fiskalpolitik in der Gestalt einer Steuersenkung von 1,3 Bio. RMB für das Gesamtjahr. Dies entspricht fast 2% des BIP von 2017, davon resultieren etwa 500 Mrd. RMB aus einer Senkung der Einkommensteuer mit Wirkung zum 1. Oktober.

Für 2019 ist mit weiteren Massnahmen zu rechnen, insbesondere mit der steuerlichen Förderung von Infrastrukturinvestitionen sowie der Senkung der Mehrwertsteuer und der Körperschaftsteuer.

EIN STEINIGER WEG: KAPITALABFLÜSSE, INFLATION UND SCHULDENABBAU

China muss bei der Ausweitung seiner fiskal- und geldpolitischen Massnahmen drei grosse Hürden überwinden:

  1. Zinsdifferenz China-USA (Spread der 10-jährigen Anleihen mit 40 Bp auf 7-Jahres-Tief) und Risiko von Kapitalabflüssen  
  2. VPI-Inflation auf 7-Monats-Hoch
  3. Schuldenabbau: Inländisches Gesamtfinanzierungsvolumen auf Rekordhoch

China hat die Kapitalkontrollen bereits verschärft, um die erste Hürde zu überwinden. Der Anstieg der Inflation wird von der Politik als temporär betrachtet, zumal das Ziel von 3% noch nicht erreicht ist. Dieses Thema steht daher nicht im Vordergrund. Schuldenabbau dürfte erst wieder betrieben werden, wenn die handelspolitischen Spannungen nachlassen, da kurzfristiges Wachstum momentan oberste Priorität hat.

Kapitalabflüsse sind aufgrund von Kapitalkontrollen weiter niedrig.
China: Nettoportfoliozuflüsse durch gebietsfremde Anleger* (kumulative Zuflüsse YTD) [Abb. links]/Chinesische Nettokapitalströme* (kumulative Ströme YTD) [Abb. rechts]

Grafik: Kapitalabflüsse sind aufgrund von Kapitalkontrollen weiter niedrig

Abb. links Quelle: Pictet Asset Management, International Institute of Finance (IIF). * Nettokäufe von Aktien und Anleihen durch gebietsfremde Anleger. IIF Portfolio Flows Tracker.

Abb. rechts Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. * Veränderung der Devisenreserven (ohne Währungsbewertungseffekt), bereinigt um Leistungsbilanztransaktionen und Netto-Direktinvestitionsströme.


Bislang scheinen die Massnahmen Wirkung zu zeigen und die Anleger sind an Bord geblieben. Die chinesischen Kapitalabflüsse sind zwar im September gestiegen, aber aufgrund der Kapitalkontrollen weiterhin überschaubar – gegenüber 2017 haben sie sich sogar halbiert (Abb. rechts). Hinzu kommt, dass sich die ausländischen Zuflüsse im selben Zeitraum verdreifacht haben (Abb. links).

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