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Max Otte ist bullish für den Dax und denkt über den Dexit nach

12.11.2018, 13:46  |  27657   |   |   

Max Otte sagte in "Der Crash kommt" 2006 die Finanzkrise voraus. Bereits 1998 warnte er in einem Vortrag an der Boston University, vor der Fehlkonstruktion des Euro und mahnte eine Reform der Europäischen Union an. Max Otte ist Gründer des Instituts für Vermögensentwicklung, Herausgeber des Kapitalanlagebriefs Der Privatinvestor und Berater des Max Otte Vermögensbildungsfonds. Die wallstreet:online Redaktion sprach mit ihm über die aktuelle Gemengelage an den politischen und wirtschaftlichen Fronten.

Wie war Ihre erste Reaktion auf die Nachricht, dass Angela Merkel den 
Parteivorsitz abgeben wird?

Ich war eines der ersten CDU-Mitglieder, die öffentlich gefordert haben, dass Merkel weg muss. Die Nachricht von ihrem Rückzug von Parteivorsitz hat mich nicht beruhigt. Meine Sorgen, ob wir die CDU reformieren und auf den richtigen Weg zurückbringen können, sind eher größer geworden.

Glauben Sie, dass Angela Merkel die vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin vollständig absolvieren wird?

Nein. Nach der Abwahl von Volker Kauder und dem Rückzug vom Parteivorsitz ist es eine Frage der Zeit, bis sie abtritt.

Gerhard Schröder hat Angela Merkel nahegelegt, die Vertrauensfrage zu stellen. Was halten Sie von dieser Empfehlung?

A ja, da hat sich Schröder mal wieder ins Gespräch gebracht. Ob sie die Vertrauensfrage stellt oder ob hinter den Kulissen verhandelt wird, ist sekundär.

Sie sind ein bekennender Euro-Gegner und sagen, Deutschland muss aus dem Euro raus. Was ist(sind) die Alternative(n) zum Euro?

Der Euro ist eine riesige Fehlkonstruktion. Er bringt Europa nicht zusammen, sondern dividiert es auseinander. Für eine Währungsunion brauchen Sie Mobilität von Kapital, Waren und Dienstleistungen, und Arbeit. Nun fliehen die jungen Menschen aus den Ländern im Süden, die eine Jugenarbeitlosigkeit von zum Teil 40 Prozent und mehr haben. Das hat uns der Euro eingebrockt. Natürlich können Sie auch so Mobilität von 
Menschen erzwingen. Aber ob wir so ein gutes Europa bauen, muss doch sehr in Frage gestellt werden.

Während es aber vor sechs oder sieben Jahren im Zuge der ersten Griechenlandkrisen noch eine offene Diskussion darüber gab, ob der Euro so Bestand haben kann. Mittlerweile werden diese Diskussionen gar nicht mehr geführt, und die Probleme werden unter den Tisch gekehrt.

Die Alternativen zum Euro sind zum Beispiel ein Austritt einiger Krisenländer aus der Eurozone. Dieses Modell habe ich vor einigen Jahren für Griechenland, Spanien und Portugal vorgeschlagen. Mittlerweile sind die Ungleichgewichte aber noch größer geworden, so dass es nicht mehr funktioniert.

Eine weitere Alternative sind Parallelwährungen. Italien bereitet das ansatzweise mit der Diskussion von Mini-Bots vor - Schuldscheine des Landes, mit denen die Regierung ihre Rechnungen begleicht, mit denen aber auch Steuern bezahlt werden können. Kalifornien hat das unter Gouverneur Schwarzenegger gemacht, als das Land in der Krise war. 
Natürlich würde diese Parallelwährung niedriger notieren. Wenn die Staatschulden auch darauf umgestellt würden, käme das einem Schuldenschnitt gleich.

Und schließlich kann es auch einen Austritt Deutschlands geben, einen "Dexit", wie mein Kollege Dr. Bruno Bandulet in seinem neuen Buch vorgerechnet hat. Das wäre nicht schön, aber irgendwie auch verkraftbar und immer noch die bessere Alternative zum "weiter wie bisher".

Im "Focus" warnen Sie vor einer Pleitewelle? Was sind die Hauptrisikofaktoren, gegen die das Finanzsystem nicht ausreichend abgesichert ist?

Die Schulden der Welt sind seit der Finanzkrise massiv gestiegen - absolut und relativ. Das Schuldenrad dreht sich also weiter - in den USA bei den Auto- und Studentenkrediten, bei den Entwicklungsländern durch Auslandsverschuldung in Fremdwährung (meistens Dollar) und generell durch eine Explosion der Staatschulden. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Target-II-Kredite im EZB auf dem höchsten Stand aller Zeiten sind.

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Rechnen Sie mit einem EU-Austritt Italiens und/oder eines weiteres Landes?

Es ist schwer zu sagen, wie lange sich die Politik noch mit allen Mitteln gegen diesen an sich notwendigen Schritt stemmen wird. Es wäre gut, wenn wir die Eurozone reformieren, aber im Moment wage ich da keine Prognose.

Wo sehen Sie den DAX zum Jahresende? 10.000 Punkte oder 13.000 Punkte?

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Kommentare

Heinz Erhard war schon immer ein komischer Klugscheizzer.
Nur dann kann man eine aussage so auslegen
Ich glaube Otte Hat genug Intellekt (im Gegensatz zu anderen) um das zu sagen was er meint.
Auf die Frage 10000 oder 13000, welche nur zwei Extremstände zur Auswahl stellt, hat er geantwortet 13000. Das bedeutet dann, er erwartet über 11500 und nicht definitiv 13000!

he

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