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Börsenausblick: Comeback in Sicht

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Gastautor: Raimund Brichta
05.01.2019, 12:31  |  756   |   

Die wenigsten Leute kümmern sich um ihr Geschwätz von gestern. Ich schon. Deshalb zuerst ein Blick zurück auf das, was ich im Ausblick für 2018 geschrieben hatte:

Anfang Januar hatte ich die Erwartung, „dass bis in den März hinein, möglicherweise auch bis zum Sommer, die Börsenampeln auf grün stehen.“ Damit traf ich zwar nicht voll ins Schwarze, aber realitätsfern war dieser Ausblick auch nicht. Die Ampeln sprangen schon im Februar auf rot und damit gut vier Wochen früher, als ich das für möglich gehalten hatte. Danach sprangen sie aber wieder auf grün, und der DAX kletterte bis Juni noch einmal über 13.000 Punkte.

Mein Ausblick für die zweite Jahreshälfte traf dann voll ins Schwarze: „Allerdings könnte sich die zweite Jahreshälfte von der des vergangenen Jahres deutlich unterscheiden. Die Gefahr, dass es im zweiten Halbjahr heftiger rappelt, schätze ich 2018 nämlich größer ein als 2017.“ Wie heftig es gerappelt hat, zeigt der DAX-Absturz von über 13.000 zur Jahresmitte auf 10. 559 am Jahresende.

Soweit der Rückblick. Wie aber wird 2019 verlaufen? Auch hier scheue ich vor einer konkreten Aussage nicht zurück.

Handelskrieg und Brexit hin, Italienkrise her – die entscheidenden Impulse für die Börsen dürften in diesem Jahr aus anderer Richtung kommen: von den Notenbanken, vor allem von der amerikanischen. Und hier wird alles davon abhängen, wann Notenbankchef Powell einsieht, dass er die Zahnpasta nicht zurück in die Tube kriegt. Dass er also das Geld, das die Notenbank seit der Finanzkrise in die Märkte gepumpt hat, nicht wieder einsammeln kann (mehr dazu hier).

Dies ist das entscheidende Experiment, das er derzeit versucht und an dem er scheitern wird. Dass er gleichzeitig die Zinsen erhöht hat, macht die Sache zwar nicht besser, die Zinsen sind aber das kleinere Problem. Denn Zinsen senken und erhöhen die Notenbanken schon seit mehr als hundert Jahren. Darin haben sie Erfahrung.

Noch nie zuvor haben sie aber den Zahnpastaversuch gemacht. Noch nie zuvor haben sie ihre Bilanzsummen dermaßen aufgebläht wie seit der Finanzkrise, und dementsprechend haben sie auch
noch nie zuvor versucht, diese wieder erheblich zu schrumpfen.

Der Fachbegriff Bilanzsumme mag dem Laien wenig sagen. Deshalb hier im Klartext, was sich dahinter verbirgt: In dem Maße, in dem die Notenbanken ihre Bilanzsummen aufgebläht haben, haben sie Notenbankgeld in Umlauf gebracht. Und in dem Maße, wie sie die Bilanzsummen wieder verringern, würden sie dieses Geld vernichten. Das hat es in diesem Ausmaß noch nie gegeben.

Deshalb stellt es ein noch nie dagewesenes Experiment dar.
Die Konstruktionsweise unseres Geldsystems lässt eine Geldvernichtung in diesem Ausmaß aber nicht zu, ohne das gesamte System in den Abgrund zu stürzen. (Warum das so ist, hatte ich ebenfalls hier beschrieben.) Zu dieser Erkenntnis muss Powell noch kommen.

Solange er kein Einsehen hat, wird es an den Börsen holprig bleiben. Ich setze jedoch darauf, dass ihm im Lauf des Jahres ein Licht aufgehen wird. Dann wird er das Experiment stoppen. Und spätestens dann dürften auch die Börsenampeln wieder auf grün springen.

Das bedeutet: Anfang des Jahres könnten die Ampeln noch rot zeigen und allenfalls vorübergehend mal auf gelb springen. Mit grün rechne ich erst im weiteren Verlauf. Die zweite Jahreshälfte könnte dieses Mal sogar deutlich besser werden als die erste. Und der DAX könnte am Jahresende deutlich höher stehen als zwölf Monate zuvor – selbst wenn er erst noch einmal tiefer rutschen sollte,

meint Ihr
Raimund Brichta


Weiterlesen auf: https://wahre-werte-depot.de/boersenausblick-comeback-in-sicht/


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