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Kampf der Titanen: Wird USA oder China die wirtschaftliche Supermacht?

Gastautor: Dr. Viktor Heese
12.03.2019, 11:50  |  1479   |   |   

Der Handelskonflikt ist erst der Anfang des Kampfes um die ökonomische Globalherrschaft. Wie stark sind die Chinesen wirklich, wenn sie den USA Paroli bieten, diskutiert folgende Kurzanalyse. Wirtschaftliche Macht hat immer zwei Seiten, sie kann vom Staat feindlich (Handelskrieg, Embargo) oder friedlich (Markteroberung, Wettbewerb) eingesetzt werden. Unter diesen Aspekt sind die unteren Vergleichskriterien zu hinterfragen. China war bis 1820 die führende Wirtschaftsmacht und holt sich ihre alte Position zurück. Wiederholt sich die Geschichte?

Zur Methode: Analysten ist aufgefallen, dass das BIP (1) die Frage „Wer regiert (wirtschaftlich) die Welt?“ nicht beantworten kann. Zur Potentialanalyse sind noch das Auslandskapital (2)), das Inlandsvermögen (3) und die Großkonzerne (4) eines Landes hinzuziehen. Werden die „Machtfaktoren“ kombiniert, verstärkt sich ihre Wirkung. Deswegen belegen die Global Player bei allen Faktoren immer vordere Plätze. Ausrutscher gibt es auch. Die Schweiz besitzt einige Konzerne von Weltrang (Nestle & Co.), ist also stark beim Kriterium (4). Sie wird aber wegen ihrer Größe niemals zum Global Player aufsteigen. Deutschland wohl auch nicht? Ob mehr Kriterien ein genaueres Bild zu liefern vermögen, darüber streiten sich die Ökonomen.

Kriterium Wachstum (1):     China geht mit 1:0 in Führung

Das BIP eines Landes ist vergleichbar mit dem Gewinn eines Konzerns. Isoliert gesehen ist es per se noch keine Waffe. Es liefert aber die Grundlage für den Aufbau aller anderen „Machtfaktoren“ und ist „die Mutter jedes volkswirtschaftlichen Erfolges“. Ein reiches aber autarkes Land ökonomischen kann dennoch Einfluss gewinnen, wenn es wichtige Auslandsbeteiligungen kauft, wie die Golf-Staaten in der deutschen Wirtschaft. Im Mittelalter waren das reiche Genua und Venedig militärisch mächtig, weil sie Söldner-Armeen anwarben. 

China hatte 2017 auf der Basis der Kaufkraftparität ein BIP von 23 Bill. USD, die USA von 19 Bill. USD. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlands .... Durch den 3% bis 4%igen Wachstumsvorsprung, wird sich der Abstand von Jahr zu Jahr vergrößern. Für China ist der US-Handel heute wichtig aber nicht mehr überlebensnotwendig wie vor 20 Jahren als es Kapital brauchte. Ein völliger Abbruch würde eine Reduzierung des chinesischen Wachstums „nur“ um ein Drittel implizieren.

Kriterium Inlandsvermögen (2): Reiche US-Amerikaner gleichen 1:1 aus
Der zweite Indikator, das Inlandsvermögen misst die finanziellen Aktiva (Wertpapiere, Geldvermögen, Beteiligungen) der Bürger eines Landes. Hier liegen die US-Amerikaner, die dank 150 Jahre Frieden und Kapitalismus große Reichtümer angehäuft hatten, nach Crédit Suisse deutlich vorne. https://www.credit-suisse.com/corporate/de/articles/news-and-expertise .... Sie verfügen über ein Vermögen von 106 Bill., China „lediglich“ über 52 Bill. USD. Damit die privaten Finanzaktiva zum „Machtfaktor“ werden, müssen die Bürger dem Staat das Vermögen in Form von Anleihen (freiwillig) oder Steuern (unfreiwillig) zur Verfügung stellen. Denn Handelskriege sind genauso teuer, wie „heiße“ Kriege. Auch beim Inlandsvermögen ist der rasche Sprung der Ostasiaten in die Weltspitze erstaunlich. Geht es in diesem Tempo weiter - das Vermögen des Reiches der Mitte ist seit 2000 um das 14Fache, das der USA nur um das 2fache - haben die Chinesen die Amerikaner bis 2025 eingeholt. 

Kriterium Auslandsvermögen (3):     Chinesen setzen auf ihr Auslandsvermögen und führen 2:1

Während das Inlandsvermögen erst aktiviert werden muss, ist das Auslandsvermögen - definiert als Summe der Bestandteile Direkt- und Portfolioinvestitionen, Krediten und Beteiligungen - schon im Ausland tätig. Hohes Auslandvermögen wäre theoretisch eine ideale ökonomische Waffe, gäbe es da nicht ein Hindernis. Praktisch kann es sogar bedeutungslos werden, wenn die Souveränität der Staaten ins Spiel gebracht wird. Es kommt auf die ökonomische Stärke des Schuldners an. Im 19.Jahrhundert wurden Zahlungsunwillige oder -unfähige noch mit „Kanonenbooten“ bedroht und die Schulden mit Gewalt eingetrieben. Heute kann China ein armes afrikanischen Land mit der Kreditverweigerung disziplinieren, nicht aber die reichen USA mit der Kündigung ihrer Staatsanleihen. 

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