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Emerging Markets Jetzt in die Türkei investieren: Himmelfahrtskommando oder Husarenstreich?

30.08.2019, 19:04  |  29377   |   |   

Macht es Sinn, jetzt Türkei-Papiere als Rendite-Turbos ins Depot zu packen, da die vermeintlich sicheren Industrieländer-Bonds kaum noch was abwerfen? Was Kapitalmarkt-Experten von dieser Investment-Idee halten.

Schnell wird deutlich, dass Anleger zu kurz springen, wenn sie nur auf den Rendite-Vergleich von Staatsanleihen schauen. Besonders im Fall Türkei lohne ein genauerer Blick auf die hohen Risiken, die aber auch eine besondere "Prämie" anbieten würden, wenn man dem Gedankengang von Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement bei Starcapital, folgen möchte: "Türkei-Anleihen haben nach der Lira-Krise im August 2018 ein attraktives Risiko/Ertragsprofil erreicht. Wir haben daraufhin unser Engagement in türkischen Staats- wie auch Unternehmensanleihen in EUR oder USD aufgestockt. Die Verschuldung ist deutlich niedriger als die von vielen Staaten der Eurozone. Die politische Unsicherheit schlägt jedoch immer wieder auf die Stimmung der Investoren. Wir versuchen von dieser 'Schurken-Prämie' zu profitieren", sagte der Fondsmanager im Gespräch mit der wallstreet:online-Redaktion.

Dass der Rendite-Vergleich zu oberflächlich für eine fundierte Investmententscheidung sei, meint Dmitri Barinov, Fondsmanager bei Union Investment: "Länderspezifische Faktoren spielen eine große Rolle. Dazu zählen etwa gestiegene Fiskalausgaben, der Ausgang von Wahlen, das Risiko eines bewaffneten Konflikts und die Gefahr von US-Sanktionen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht, dass eine Kaufentscheidung nur aus Renditegesichtspunkten nicht ausreicht: Es ist vor allem in turbulenten Zeiten deutlich einfacher, eine Anleihe aus dem Euroraum wieder zu verkaufen als eine EM-Anleihe", so Barinov.

Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), weist ebenfalls daraufhin, dass neben Renditevergleichen die Risiken ein zentraler Faktor bei der  Entscheidung für oder gegen ein Investment sind: "Das hängt sehr von dem Schwellenland ab. Generell spiegeln die Renditeunterschiede nicht das wahre Emittentenrisiko wider, gerade in Zeiten von Anleihemarktblasen". Vöpels Antwort auf die Frage nach Türkei-Anleihen als Rendite-Beimischung ist unmissverständlich: "In Ländern wie der Türkei kommt ein hohes politisches Risiko hinzu. Also eher: nein".

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