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Alles nach Plan Türkei senkt Leitzins drastisch: Chance für Schwellenland-Investments?

12.09.2019, 13:15  |  6477   |   

Heute trafen sich die türkischen Notenbanker und haben den Zins für einwöchiges Notenbankgeld erneut gesenkt: um 325 Basispunkte - von 19,75 auf 16,5 Prozent. Es ist die zweite Zinsentscheidung unter dem neuen Notenbank-Chef Murat Uysal. Zuvor hatte Erdogan erheblichen Druck ausgeübt: „Ich habe eine Allergie gegen Zinsen“, soll der türkische Präsident laut Medienberichten gesagt haben.

Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin bei der Helaba, ordnete die jüngsten Tendenzen in Türkei exklusiv für die wallstreet:online-Leser ein: „Die türkische Wirtschaft erholt sich allmählich von dem Währungsschock im August 2018 und dem darauffolgenden schweren Wachstumseinbruch. Jüngste Zahlen des Statistikinstituts der Türkei zeigen, dass die Wirtschaft in Q2 2019 um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft ist. Dieser Rückgang ist ausschließlich auf das zweite Quartal 2018 zurückzuführen. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs die Wirtschaft in Q1 und Q2 2019 um 1,6 Prozent bzw. 1,3 Prozent. Auf Jahressicht könnte somit eine Rezession vermieden und sogar ein leicht positives Wirtschaftswachstum erreicht werden“. Für Traud steht fest: „Wichtigster Wachstumstreiber sind die Exporte, vor allem Dienstleistungen (Tourismus). Zwischen Januar und Juli 2019 besuchten circa 25 Millionen Touristen das Land, der höchste jemals gemessene Wert.“

Über die Inflation und Zinsentwicklung in der Türkei sagte Traud: „Der Rückgang der Inflation um vier Prozentpunkte auf 15,7 Prozent im zweiten Quartal 2019 hat die Zentralbank dazu bewogen, ihren Leitzins („One-week repo auction rate“) um 425 Basispunkte auf 19,75 Prozent zu senken. Mit 15 Prozent fiel die Inflation im August auf ein 15-Monatstief. Dies könnte der Zentralbank das notwendige Argument für eine weitere Leitzinsreduzierung in der Größenordnung von zwei-drei Prozentpunkten geben.“ Und weiter führt die Helaba-Chefvolkswirtin aus: „Dazu kommt, dass die Währung aufgrund der besseren Wirtschaftsdaten seit Anfang Mai aufgewertet hat und selbst von den jüngsten Verwerfungen in Argentinien relativ unbeeindruckt blieb. Für Unsicherheit sorgen immer wieder die Kommentare des türkischen Staatspräsidenten. Er erwartet auf absehbare Zeit Zinsen im einstelligen Bereich.“

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