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Aktientrend Value-Aktien: Antizyklische Werte mit Katalysator

13.10.2019, 08:41  |  4246   |   |   

An der Börse haben Rohstofftitel zuletzt kaum Beachtung gefunden. Dabei gibt es dort einige Value-Perlen mit Potenzial für eine deutliche Neubewertung.

IMO 2020 steht vor der Tür

Das Unternehmen Scorpio Tankers (IK) ist in der Branche der maritimen Schifffahrt tätig. Obwohl auf diese mehr als 90% des weltweiten Güter- und Rohstoffverkehrs entfallen, findet sie in der Öffentlichkeit und in Aktionärskreisen kaum Beachtung – sie ist eben nicht so „sexy“ wie das neueste Biotech- oder Internet-Start-up.

Nichtsdestotrotz birgt sie extremes Potenzial, kann sie dem Aktionär doch enorme Gewinne, aber auch Verluste einbringen. Bei der Schifffahrtsbranche handelt es sich nämlich um einen Zykliker, welcher von Angebot und Nachfrage beherrscht wird. Man könnte sogar sagen: In der Schifffahrtsbranche herrschen Angebot und Nachfrage in ihrer reinsten Form – Kapitalismus funktioniert hier noch wie vor 100 Jahren.

Die monegassische Reederei Scorpio Tankers betreibt eine Flotte von mehr als 100 Produktentankern, womit sie zu einem der größten börsennotierten Schifffahrtspapieren zählt. Darüber hinaus ragt sie durch ein überaus positives Alleinstellungsmerkmal hervor: Scorpio Tankers verfügt über die größte und neueste Flotte im Produktentankersegment.

Neue Schiffe haben ihren älteren Pendants einen deutlich niedrigeren Treibstoffverbrauch voraus. Der Großteil aller Betriebskosten wird durch Treibstoffkosten verursacht. Durch diesen Wettbewerbsvorteil kann das Unternehmen exponentiell von der neuen Regulierung der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) profitieren, welche 2020 in Kraft treten wird. Die IMO hat beschlossen, dass ab 2020 nur mehr Treibstoff mit einem Sulfurgehalt von unter 0,5% verbrannt werden darf. Bis dato ist ein Anteil von 3,5% erlaubt; man spricht hierbei von Schweröl.

Hebelwirkung der Charterraten

Dieses Gesetz wird nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Produktentankersegment zugutekommen – denn während die Beförderung von Schweröl mit herkömmlichen Rohöltankern erfolgt, muss der neue Treibstoff mit Produktentankern transportiert werden. Diese Verschiebung wird die Charterraten für Produktentanker signifikant in die Höhe schnellen lassen – Bärenmarkt hin oder her.

Die Industrie rechnet damit, dass die Nachfrage nach Produktentankern um bis zu 7% zunehmen wird – was in der Schifffahrt eine immense Zahl darstellt. Falls dies so eintreten sollte, darf je nach Schiffstyp mit Charterraten zwischen 30.000 und 50.000 USD pro Tag gerechnet werden. Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2019 lagen diese zwischen 10.000 und 20.000 USD. Im Falle Scorpios würde das mehr als 900 Mio. USD Free Cashflow bedeuten – bei einer Marktkapitalisierung von 1.400 Mio. USD.

Warum nimmt die Börse dies nicht wahr? Ganz offensichtlich empfinden die Börsianer aktuell Hass gegenüber der Schifffahrtsbranche. Seit der Finanzkrise kennen Schifffahrtspapiere nur die Richtung nach unten. Viele Investoren, private wie auch institutionelle, haben sich in dieser Industrie mehrmals die Finger verbrannt. Jeder Ausruf einer Trendwende stellte sich als Fehlalarm heraus. Zudem lastet der Handelskrieg zwischen den USA und China schwer auf der Branche.

Der Dschungel lichtet sich

Das israelische Konglomerat Delek Group (IK) lockt mit einer Dividendenrendite von 7%, Aktienrückkäufen und erstklassigen Assets. Trotzdem wird das Unternehmen deutlich unter dem Wert seiner Beteiligungen gehandelt. Das Holdingunternehmen hat sich in der Vergangenheit an Firmen in unterschiedlichsten Branchen beteiligt, von Biotechnologie bis hin zur Rüstungsindustrie.

Aktuell besteht das Portfolio aus sechs börsennotierten und drei privaten Unternehmen; sechs dieser neun Unternehmen sind im Öl-und-Gas-Segment tätig, die restlichen drei im Versicherungsbereich, im Autohandel und in der Wasseraufbereitung. Aktuell findet jedoch ein Wandel statt: Das Unternehmen entwickelt sich zu einem reinen Öl-und-Gas-Player. Der Verkauf von Non-Core Assets wird voraussichtlich bis zu 1 Mrd. USD in die Taschen spülen – bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 1.700 Mio. USD! 

Diese Entwicklung wurde vom milliardenschweren Großaktionär Yitzhak Tshuva in die Wege geleitet. Der israelische Selfmade-Milliardär ist dafür bekannt, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen. 1998 wurde er mittels einer feindlichen Übernahme zum Mehrheitsaktionär. Das Unternehmen erwies sich für Tshuva als Glücksgriff.

Im Laufe der Jahre stieß er jedoch auf ein Problem: Niemand außer ihm selbst verstand die unübersichtliche Struktur und das komplexe Geschäftsmodell. Damit ist jetzt aber Schluss. Insbesondere zwei Tochterunternehmen sind eine genauere Betrachtung wert: Das erste, Delek Drilling, ist an einem der weltweit größten marinen Erdgasvorkommen, dem Leviathan-Feld vor der Küste Israels, beteiligt und nimmt voraussichtlich im vierten Quartal 2019 den Betrieb auf. Ein Großteil des Gases wird zu sehr lukrativen Bedingungen über eine ungenutzte Unterwasserpipeline nach Ägypten exportiert werden.

Steuerfreies Nordseeöl 

Beim zweiten interessanten Tochterunternehmen handelt es sich um Ithaca Energy, ein Öl-und-Gas-Unternehmen mit erstklassigen Assets in der Nordsee. Die voraussichtliche Vervierfachung der Produktionsmenge bis Ende 2019 durch eine kürzlich angekündigte Akquisition honoriert die Börse derzeit nicht. Trotz der eigentlich positiven Nachrichten ist die Delek-Aktie in den letzten Monaten um 20% gefallen.

Dies mutet extrem irrational an, denn das Unternehmen hat seinen Absatz für die nächsten Jahre zu Ölpreisen zwischen 65 und 70 USD pro Barrel durch Termingeschäfte abgesichert. Somit ist das Unternehmen vom aktuellen Marktgeschehen komplett entkoppelt. Die Kirsche auf der Sahnetorte: Ithaca zahlt quasi keine Steuern, da Verlustvorträge von 2.200 Mio. USD in der Bilanz stehen. Das israelische Holdingkonstrukt wird weiterhin so bewertet, als wäre es ein undurchsichtiger Dschungel. Spätestens 2020 ist das Unternehmen allerdings ein reiner Öl-und-Gas-Player mit einer hohen Dividendenrendite, erstklassigen Assets und zweistelligem Wachstum!

Fazit

Das Rohstoffthema lässt sich nicht nur mit den allbekannten Titeln spielen, sondern idealerweise mit Nischenplayern, die ein attraktives Chancen-Risiko-Profil aufweisen.

Autor: David Waschnig, Redaktion Smart Investor

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