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Deutschland Medizinalcannabis: „Aus einem Millionenmarkt wird ein Milliardenmarkt“

14.10.2019, 11:07  |  21804   |   |   

Noch nie haben gesetzliche Krankenkassen in Deutschland mehr Cannabis-Rezepte übernommen, als im zweiten Quartal 2019. Trotzdem sieht Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, noch großes Wachstumspotenzial für den deutschen Markt von Medizinalcannabis.

Gegenüber wallstreet:online erklärte Wurth: „Wir stehen erst ganz am Anfang der Entwicklung. Statt einiger 10.000 Patienten könnten über eine Million Menschen von medizinischem Cannabis profitieren. Statt ein paar Tonnen werden es in absehbarer Zeit eher ein paar hundert Tonnen sein, aus einem Millionenmarkt wird sich ein Milliardenmarkt entwickeln. Wie schnell das geht, hängt allerdings von diversen politischen Stellschrauben ab.”

2017 wurde das Gesetz „Cannabis als Medizin“ einstimmig vom Bundestag beschlossen. Seitdem ist die Nachfrage nach medizinischem Cannabis in Deutschland stetig gestiegen. Im Jahr der Legalisierung wurden insgesamt 1,2 Tonnen medizinische Cannabisblüten, 500 Kilo Cannabis für die Arzneimittelherstellung sowie mehr als 225.000 Einheiten cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel importiert. 2018 waren es bereits rund drei Tonnen Cannabisblüten, fast 1,3 Tonnen Cannabis für die Weiterverarbeitung sowie 203.000 Einheiten Cannabisarzneimittel, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).


Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Im zweiten Quartal 2019 übernahmen gesetzliche Krankenkassen in Deutschland Rezepte für Medizinalcannabis im Wert von 29,5 Millionen Euro. Ein neuer Rekordwert, der einem Anstieg von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Im ersten Quartal 2019 hatten Krankenkassen bereits 24,5 Millionen Euro übernommen. Dies berichtet Marijuana Business Daily und beruft sich auf Daten des GKV-Spitzenverbands.

Bisher muss Deutschland den gesamten Bedarf an Medizinalcannabis durch Importe decken. Cannabis Made in Germany gibt es bisher noch nicht, da es aufgrund eines Fehlers im Ausschreibungsverfahrens des BfArM zu Verzögerungen in der Produktion gekommen war. Erst im Mai 2019 hatte das BfArM per Los entschieden, welche Unternehmen einen Zuschlag bekommen: die beiden kanadischen Cannabisunternehmen Aphria und Aurora und das deutsche Cannabis-Start-Up DEMECAN GmbH haben Anbaulizenzen erhalten. „Die Ausschreibung umfasst insgesamt 10.400 kg Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 kg. Sie ist aufgeteilt auf 13 Lose zu je 200 kg Jahresmenge“, so das BfArM. Die erste Ernte wird für das vierte Quartal 2020 erwartet.

Die jährliche Produktionsmenge von 2,4 Tonnen Cannabis liegt jedoch deutlich unter der Nachfrage. Deutsche Cannabispatienten sind deshalb weiterhin auf Importe angewiesen. Hendrik Knopp, Geschäftsführer von Aphria in Deutschland, erklärte Ende August gegenüber der FAZ: „Wir haben in Deutschland nach wie vor eine Unterversorgung.“ Der legale Cannabismarkt in Deutschland sei sehr streng reguliert, was zu Versorgungsengpässen führe, so Knopp.

Autor: Ferdinand Hammer

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