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Interview mit Christopher Affelt „Bulli-Anleihe": Können die Autoliebhaber halten, was sie Investoren versprechen?

13.11.2019, 12:29  |  14982   |   |   

Christopher Affelt (Bild), Geschäftsführer von Die Autoliebhaber GmbH, möchte Anleger von seiner „Autoliebhaber"-Anleihe überzeugen. Die Kapitalmarkt wallstreet:online-Redaktion hat sich die „Bulli-Anleihe" genauer angesehen und den Unternehmer zum Interview gebeten:

wallstreet:online: Herr Affelt, Ihr Investment-Angebot Autoliebhaber-Anleihe 6,9 Prozent Zins 2019/2024 versprüht Charme – vor allem gegenüber Bulli-Freunden. Das darf natürlich nicht über die Risiken Ihrer Anleihe hinwegtäuschen: Also, was ist aus Ihrer Sicht das größte Risiko eines Anleihegläubigers, der auf Ihr Unternehmen als Emittentin vertraut?

Christopher Affelt: Das größte potentielle Risiko ist die Dieselproblematik und die damit zusammenhängenden möglichen Marktveränderungen auf Grund lokaler Dieselfahrverbote. Unser Unternehmen ist sehr breit aufgestellt, die Leitphilosophie "alles aus einer Hand für alle VW Bus-Modelreihen". Aus diesem Grunde haben wir unsere Geschäftsbereiche in fünf Sparten strukturiert, die wichtigsten sind Ersatzteile, Reparatur und Vermietung. Jeder Sparten kann jeweils jedes einzelne T-Model zugeordnet werden (z. B. Ersatzteile für VW T1 bis T6).

Risiko Fahrverbote

Dieselfahrverbote würden viele VW T4 und T5 Busse betreffen. Fahrzeuge mit H-Kennzeichen (T1 bis T3) und T6 ab 2018, sowie Busse mit Benzinmotoren wären davon so gut wie gar nicht betroffen. Lokale Fahrverbote führen bei fast 600.000 zugelassenen VW Bussen alleine in Deutschland aber nicht zu Marktverwerfungen im existentiellen Maße. Als Indikator können wir auf zahlreiche Reparaturen an VW T4 Bussen mit Saugdieselmotoren (T4 Diesel mit 60, 68 und 77PS) speziell aus den Baujahren 1990 – 1995 verweisen. Für diese Dieselbusse gibt es überhaupt keine Nachrüstmöglichkeiten, nicht einmal auf die grüne Umweltplakette (somit sind diese Busse bereits heute von Fahrverboten in mehreren Großstädten betroffen).

"Kein Golf Diesel"

Was ich an dieser Stelle sagen will, ist, dass der VW Bus kein Golf Diesel ist – dieser würde vielleicht entsorgt. VW Busse werden auf Grund des hohen inneren Wertes immer einen Käufer und eine alternative Nutzung finden. Das gilt sowohl für als Schulbusse eingesetzte VW Busse als auch für den Handwerkerbus aus einem betroffenen Stadtgebiet in Deutschland (z. B. Stuttgart). Es wird sich immer ein Käufer finden, der einen Dieselbus innerhalb kurzer Zeit kauft und dann als Festivalbus, Freizeitbulli etc. herrichtet und weiternutzt. Selbstverständlich schränke ich diese Einschätzung auf erhaltenswerte Diesel-Busse ein (sprich: unserer Kundenpotential). Ich meine keine schrottreifen Gammelbusse mit 500.000 km, diese werden unabhängig von Fahrverboten verschrottet.

wallstreet:online: Die Kernfrage aus unserer Sicht ist, ob Ihnen über die gesamte Laufzeit genügend Mittel zur Verfügung stehen, um die 6,9-Prozent-Zinsforderungen der Anleihegläubiger zu erfüllen und die Anleihebeträge am Laufzeit-Ende in 2024 fristgerecht zurückzahlen zu können.

Christopher Affelt: Aus meiner Sicht bestehen keine Zweifel, dass wir allen Forderungen der Anleihegläubiger rechtzeitig nachkommen können. Wie in unserem Businessplan beschrieben, muss bei Vollplatzierung (1,1 Mio Euro inkl. 100.000 EUR Nachrangdarlehen) 2019 bis 2024 ein Gesamtumsatz von 16,6 Mio EUR erwirtschaftet werden, um Zins und Rückzahlung zu gewährleisten. Das wären dann im Durchschnitt 3,3 Mio EUR pro Jahr. 2018 haben wir alleine mit dem Ersatzteilverkauf einen Bruttoumsatz von 710.000 EUR erzielt – die Steigerungsrate lag seit 2015 immer um 50% pro Jahr.

Mehr Hebebühnen

Nun haben wir in 2019 nach dem Umzug ins Autohaus die neuen Sparten Reparatur, Verkauf und Vermietung implementiert. Besondere der Bereich Reparatur weist hohes Potential auf. In unserem Autohaus befinden sich sieben Hebebühnen, für die Arbeitsstunden mit hohen Margen berechnet werden können. Je Arbeitsbühne kann rund 14.000 Euro netto pro Monat umsetzen. Bei sieben Hebebühnen können theoretisch um 100.000 EUR pro Monat und rund 1,0 Mio EUR pro Jahr umgesetzt werden. Dazu kommen die Umsätze aus der wachsenden Ersatzteilsparte, der Verkauf ganzer VW Busse und die Vermietung. Sofern wir keine Vollplatzierung erreichen, sind die notwendigen Umsatzzahlen entsprechend kleiner.

wallstreet:online: Wie viel Gewinne bzw. Verluste haben Sie in den letzten Jahren seit Bestehen Ihres noch recht jungen Startups jeweils jährlich gemacht? Wie soll sich Ihr Businessplan bis 2024 und darüber hinaus entwickeln?

Christopher Affelt: In den letzten drei Jahren hatten wir einen EBIT von 9.341 EUR (in 2016), 23.472 EUR (in 2017) und 40.713 EUR (in 2018 GmbH/Einzelunternehmen konsolidiert). Für 2019 erwarten wir einen Verlust um 100.000 EUR, der zu einem großen Teil dem Umzug ins Autohaus geschuldet ist. Diesen einmaligen Kosten stehen ideale Arbeitsbedingungen und vorgefundene Werkzeuge wie sieben Hebebühnen entgegen. Für 2020 erwarten wir einen Gewinn um 100.000 EUR, für 2021 um 380.000 EUR, für 2022 um 550.000 EUR, für 2023 um 750.000 EUR und für 2024 um 850.000 EUR. Alle Planzahlen, die sich aus dem Zahlenwerk 2014 bis 2018 ergeben, können unserem Businessplan entnommen werden. Diese Betriebsergebnisse sind EBT-Werte, also inkl. bereits bezahlter Zinslasten. Sofern die EBT-Werte um 50 Prozent geringer ausfallen, kann das gesamte Fremdkapital dennoch vollständig zurückgezahlt werden.

wallstreet:online: Ihre fünfjährige Anleihe läuft bereits seit dem 10. Februar 2019. Wie viel von Ihrem geplanten, maximalen Emissionsvolumen von 999.500,00 Euro haben Anleger bereits gezeichnet? Und: Welche Typen von Anlegern greifen bei Ihnen zu?

Christopher Affelt: Aktuell sind 3 Prozent der Anleihe platziert, zudem 65 Prozent  einer zweiten Emission in Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrückritt. Nahezu alle Zeichner entstammen unserem Kundenumfeld, das für Wertpapiere nicht affin ist. So musste bisher jeder einzelne Zeichner des Wertpapieres zunächst ein Bankdepot einrichten. Daher wurden Vermittler eingebunden, die auf Grund der Wertpapierstrukturierung und Regulierung erst ab Sommer 2019 tätig werden konnten. Im Zusammenhang mit dieser Erfahrung richten wir das Wertpapier nun auch an professionellen Anlegern aus. Diese sind herzlich eingeladen, jede Art von Information anzufragen und unsere Anleihe zu zeichnen.

wallstreet:online: Was haben Sie mit den Erlösen aus der Anleiheemission vor?

Christopher Affelt: Wie eben erwähnt, ist der geplante Kapitalbedarf durch ideale Standortbedingungen gesunken. Das wichtigste – umfangreiches Werkstattinventar – war vorhanden. Nun fehlt lediglich etwas Spezialwerkzeug (ca. 10.000 EUR), Gabelstapler (ca. 15.000 EUR), Abschleppwagen (ca. 20.000 EUR) und ein gutes Lagersystem (ca. 30.000 EUR) – Gesamtinvestition also ca. 75.000 EUR. Zudem soll ein Webportal erstellt werden (ca. 45.000 EUR), das unsere fünf Geschäftsbereiche mit Ihren unterschiedlichen IT-Systemen sinnvoll vernetzt und für den Kunden nutzbar macht. Zudem steht noch unsere Anbindung an eine Datenbank (Neuteile Hersteller bzw. Zulieferer) aus, die mit 30 – 40.000 EUR zu Buche schlägt. Für die Vermietungssparte sollen weitere VW Busse angeschafft werden. Der restliche Nettoerlös aus der Emission deckt Vorlaufkosten für weiteres Personal, umfangreiches Marketing und natürlich die Kosten zur weiteren Steigerung der Ersatzteilsparte, mit der alles angefangen hat.

wallstreet:online: Planen Sie weitere Finanzierungen bzw. Anleiheemissionen während der Laufzeit Ihrer ersten Anleihe?

Christopher Affelt: Definitiv ja. Auf dem in etwa gleich großen Nachbargrundstück befindet sich ein seit Jahren leerstehendes Autohaus, das sich hervorragend für die Erweiterung unseres Geschäftes eignet. Auch sind wir aktuell mit dem brasilianischen Importeur (VW T1 Busse) und sogar mit der Volkswagen AG selbst (Thematik werksneue T6-Busse und ab ca. 2022 der ID-Buzz) im Gespräch. In diesem Zusammenhang sollen Anleihen strukturiert werden, um Immobilie und das Handelsgut zu finanzieren. Dass hierbei die Rechte der erstrangigen Anleihe, die wir aktuell platzieren, nicht gemindert werden, haben wir vertraglich zugesichert.

wallstreet:online: In einem Interview mit unserer Partnerredaktion von Fondsdiscount.de haben Sie erklärt, dass Sie im Laufe der Zeit einige gute VW Busse „weggestellt“ hätten. Das seien die Aktien in Ihrem Portfolio. Könnten Sie das unseren weniger Bulli-affinen Lesern bitte erklären, wie Bullies zu Aktien werden können?

Christopher Affelt: Alle seit mindestens 25 Jahren ausgelaufenen T-Busse von Volkswagen sind zu gesuchten Klassikern geworden, allen voran der als Hippie-Bus bekannte VW T1. Über die gesamten 1970er und 1980er Jahre (sehr guter Zustand) für wenige tausend Mark zu haben, explodierten die Preise Ende der 2000er Jahren bis in den 6-stelligen Euro-Bereich. Dieser Hype hat sich zwar mittlerweile gelegt – vor allem wegen der T1 Brasilienexporte – dennoch stecken die T1 Verkaufspreise auch heute noch die meisten werksneuen VW T6 in die Tasche. Für den VW T2 – aktuell die höchsten Wertzuwachsraten – und den VW T3 gilt ähnliches. Stark steigende Preise!



Feuerwehr-Bus im Depot

Ich habe z. B. einen Feuerwehr T3 Bus im „Depot“, den ich vor Jahren für 2.000 Euro von einer Freiwilligen Feuerwehr erstanden habe. Top gepflegt, aber etwas mager ausgestattet – den Wert schätze ich auf heute knapp fünfstellig. Nach T1, T2 und T3 folgt nun der T4. Aus den rund 400 T4-Einheiten, die bis heute durch meine Hände gegangen sind, habe ich diejenigen aussortiert, die meiner Meinung nach Potential für hohe Wertzuwächse aufweisen. Vorwiegend Benziner, aber auch Diesel aus den ersten 3 Baujahren 1990-1992. VW Busse sind sehr liquiditätsnah - auch mit geringen Hintergrundwissen - fast jederzeit gut im Markt zu platzieren - unabhängig vom Model.

Zu beachten ist jedoch, dass diese Form der Geldanlage ohne Hobby nicht geht! Es fallen laufende Kosten an, bei eingelagerten Exemplaren z. B. die entsprechend umzulegenden Kapitalkosten für Grund & Boden – beispielsweise Mietausfälle durch Platzverbrauch wegen Eigenbedarf. Wer diese Form der Geldanlage anstrebt, sollte also mindestens etwas Autoliebhaber sein. Alle anderen können sich über unsere Anleihe mit Kapital an der Infrastruktur beteiligen, die zur Erhaltung der VW Busse unabdingbar ist. Markt und Nachfrage sind riesig und als Investor haben Sie die Möglichkeit, z. B. Anmietungen zu Sonderkonditionen vorzunehmen. Dies gilt auch für den VW T1- Bulli, den wir in unsere Spezialvermietung aufnehmen wollen.

wallstreet:online: Herr Affelt, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Christoph Morisse.

Kurzvita von Christopher Affelt
Christopher Affelt ist Geschäftsführer der Autoliebhaber GmbH und war bereits beim Rechtsvorgänger in oberster Position tätig. Vor den Autoliebhabern und parallel zum Lehramtsstudium war Christopher Affelt Institutsleiter bei einem Bildungsträger. Die unternehmerische Tätigkeit begann bereits zu Abiturzeiten – Herr Affelt ist ein klassischer Unternehmertyp.

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