Daimler-Aktie: Aufschwung mit Background oder Strohfeuer?

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Gastautor: Martin Brosy
18.11.2019, 18:04  |  3113   |   

Die Daimler-Aktie hat im Oktober gut zwanzig Prozent zugelegt. Basiert diese Performance auf fundamental guten Zahlen oder ist es nur ein Strohfeuer und jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf? Es gibt einige Punkte, die dafür und dagegen sprechen. Lesen Sie, welche das sind!

Bild: Mercedes-Haus in Stuttgart

Nur zur Erinnerung: Am 7. Oktober schloss das Papier bei 43,925 Euro. Einen Monat später stehen wir bei 53,32 Euro (Stand: Schlusskurs 5.11). In dieser Zeit hat aber auch der DAX um gut 1.000 Punkte zugelegt. Ist Daimler nur ein Mitläufer oder kann sich der Wert auch entgegen dem Trend behaupten?

Durch zahlreiche Geschäftsfelder gut aufgestellt

Die Konzernstruktur ist klar gegliedert. Neben der Autosparte Mercedes-Benz Cars mit den Marken Mercedes-Benz und Smart existieren noch die Sparten der Nutzfahrzeuge Mercedes-Vans, Daimler-Trucks und Daimler Buses. Hinzu kommen Dienstleistungen im Sektor Finanzdienstleistungen durch Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank. Letztere bietet Leasing, Finanzierung, Kfz-Versicherungen und Geldanlagen in Deutschland. Auf dem eng umkämpften Markt der Kfz-Versicherungen behauptet sich die Mercedes-Benz Bank mit sogenannten Telematik Tarifen, für die der Fahrstil und zurückgelegte Strecken analysiert werden. Kunden können dabei mit einem Einsparpotenzial der individualisierten Rate gegenüber der regulären Prämie von bis zu 20 Prozent profitieren. Ein Vergleich bei check24/kfz-versicherung gibt darüber näher Auskunft.

Positiv: Gute Entwicklung der Finanzmittel

Geringe Finanzmittel sorgen für kleine Dividenden. Die Aussichten, dass Daimler die zuletzt deutlich auf 3,25 Euro je Aktie gekürzten Dividende auch im nächsten Jahr ausschüttet, sind trotzdem ungewiss. Die Prognose beim Free Cashflow wurde in diesem Jahr bereits gekappt. Maßgebliche Einflussgröße bleibt aber der Konzerngewinn, wovon in aller Regel 40 Prozent ausgeschüttet werden. Geld spülte vor allem der Verkauf von Mercedes-Modellen in die Kasse. Insgesamt wurden im III. Quartal 590.514 Fahrzeuge verkauft. Die Kompaktwagen liefen besonders gut:

  • Die neue A-Klasse Limousine
  • die neue B-Klasse
  • das neue CLA Coupé

Positiv: Gute Zahlen im III. Quartal

Insbesondere bei Cars und Vans konnte Daimler die miserablen ersten beiden Quartale deutlich übertrumpfen. Auf einen Blick nehmen sich die Zahlen alles in allem wirklich gut aus:

Positiv: Strafzölle in den USA vorerst vom Tisch

Der US-Handelsminister Wilbur Ross äußerte sich zu den von Präsident Trump angekündigten Strafzöllen auf Auto-Importe Anfang November zurückhaltend. Auf deraktionär.de war zu lesen, dass gute Gespräche mit einzelnen Unternehmen über ihre Investitionspläne und Verhandlungen mit den Regierungen stattfanden. Allerdings ist Donald Trump immer noch die letzte Instanz.

Negativ: Konjunkturabschwung in den Lkw-Märkten

Im LKW-Geschäft musste die Rendite-Prognose dagegen gesenkt werden. Schwächere Märkte in Nordamerika und Europa belasteten den Absatz, sodass es in Nordamerika vermutlich zu Stellenabbau kommt. Laut Finanzvorstand Harald Wilhelm seien Werksschließungen aber angesichts des Einbruchs der Auftragseingänge nicht geplant.

Negativ: Hohe Rückstellungen für behördliche und gerichtliche Verfahren

Im Quartalsbericht wurde auch gemutmaßt, dass die bisher gebildeten Rücklagen für Gerichtsverfahren und Bußgelder aufgrund der Untersuchungen rund um Dieselabgase nicht ausreichen könnten. Zwar wies laut handelsblatt.com im März das Stuttgarter Oberlandesgericht eine diesbezügliche Musterfeststellungsklage aus formalen Gründen zurück, die laufenden Diesel-Verfahren unterlägen allerdings nach Worten von Finanzvorstand Wilhelm erheblichen Unsicherheiten. Sollte Daimler hier noch einmal tief in die Tasche greifen müssen, könnte sich das negativ auf die Renditeerwartungen auswirken.

Die Probleme um mutmaßlich illegale Dieselabgastechnik kostete den Konzern im ersten Halbjahr bereits Milliarden. Ungemach droht sowohl vom US-Justizministerium als auch von der Politik in Deutschland. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) warf Daimler erst kürzlich "Trickserei" und "Salamitaktik" vor, weil Daimler seine angeblich illegale Abgastechnik weiter für gesetzeskonform hält.

Negativ: 870 Millionen Euro Bußgeld im Zuge des Abgasskandals

Im September verurteile die Staatsanwaltschaft Stuttgart Daimler zur Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 870 Millionen Euro. Offizielle Begründung: fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht in einer mit der Fahrzeugzertifizierung befassten Abteilung. Auf ntv.de wurde die Behörde derart zitiert, „dass Daimler auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichte und den Betrag binnen sechs Wochen an das Land Baden-Württemberg zu überweisen habe.“

Die Analysten sind sich uneinig

Wie genau die Daimler-Aktie aktuell zu bewerten ist, darüber sind sich die Analysten uneinig. Die Meinungen reichen hier tatsächlich von verkaufen über halten bis zu kaufen. Hier die Meinungen einiger Bankhäuser in der Übersicht:

Fazit: Viele Unsicherheitsfaktoren trotz guter Kennzahlen

Das Schicksal eines Aktienwertes liegt nicht nur in seinen eigenen Händen. Geht der allgemeine Trend nach unten, kann sich unter Umständen auch ein gesunder Konzern nicht dagegen wehren. Die Autoindustrie wurde durch den Dieselabgas-Skandal in ihren Grundfesten erschüttert. Hinzu kommt der allgemeine Umbruch hin zur Elektromobilität. Das geht an die Substanz auch eines Weltkonzerns wie der Daimler AG. In diesem Jahr hat das Kraftfahrt-Bundesamt bereits Rückruf-Bescheide für 684.000 Mercedes-Fahrzeuge erlassen. Auch bei den Konkurrenten Volkswagen und seinen Töchtern Audi und Porsche kamen in diesem Jahr schon Strafgelder von mehr als zwei Milliarden Euro zusammen.

Maßnahmepaket wird mit Spannung erwartet

Vorstandschef Källenius muss am 14. November beim Kapitalmarkttag von Daimler in London ein Konzept vorlegen, dass den Spagat zwischen Investitionsbedarf in neue Antriebe und Technik und den Renditeanspruch der Anleger meistert. Letztere mussten nicht zuletzt aufgrund der milliardenschweren Dieselrückstellungen und Bußgelder deutliche Gewinneinbußen hinnehmen. Källenius forderte deshalb bereits bei seinen Führungskräften dramatische Effizienzsteigerungen und schnelle Sparerfolge.

Kaufen wäre schon spekulativ

Mit dem Halten der Aktie kann man derzeit sicher nicht viel falsch machen. Ein Kauf wäre aber schon spekulativ zu nennen. Die aktuelle Entwicklung machte die Aktie schon Anfang des Jahres durch. Der Kurs von 53,44 Euro Anfang März konsolidierte sich bis etwas über 50 Euro, um dann bis Ende April bis auf 58,44 Euro zu klettern. Diese Entwicklung könnte auch jetzt wieder stattfinden, vorausgesetzt, der Gesamtmarkt bleibt freundlich. Alles in allem wird der Kursverlauf mittelfristig wechselhaft bleiben. Das Allzeithoch von 109,39 Euro (07.05.1998) liegt noch in weiter Ferne.

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