Drogenbeauftragte will Eindämmung von Werbung für Online-Glücksspiel

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
23.04.2020, 06:35  |  159   |   |   

BERLIN (dpa-AFX) - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, hat in der Corona-Krise eine Eindämmung von Werbung für Online-Glücksspiel gefordert. Die CSU-Politikerin sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Auf Kosten von suchtkranken Menschen Profit zu machen, geht gar nicht. Bundesweit gezielte Werbung für Online-Casinos zu schalten, ist illegal und gerade jetzt in Coronazeiten, wo die Menschen allein zuhause sitzen, schlichtweg skrupellos. Diese Situation darf so nicht bleiben, daher werde ich mich an die TV-Sender und Medienaufsicht wenden."

Online-Glücksspiel sei schon ohne Corona nicht gerade das "Gelbe vom Ei", sagte Ludwig. "Es birgt eine weitaus höhere Suchtgefahr, als das Spielen "vor Ort", weil keinerlei gesellschaftliche "Kontrolle" vorhanden ist."

Nach Beobachtung des Bundesverbandes deutscher Glücksspielunternehmen nimmt illegales Glücksspiel im Internet in der Corona-Krise zu. Viele Menschen seien zu Hause und im Netz unterwegs, sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Barth. Die Werbung illegaler und oft im Ausland beheimateter Anbieter von Online-Glücksspielen steigere und verlagere sich. Nach einigen auch zweitinstanzlichen Urteilen in Deutschland gegen ihre Fernsehwerbung werde inzwischen verstärkt beispielsweise auf Facebook , in privaten Radiosendern und in Zeitungen geworben. "Wenn ein Werbekanal gerichtlich geschlossen wird, werden zwei neue geöffnet", sagte der Bremer Lotto-Chef.

Es gebe auch inhaltliche Verlagerungen, etwa bei Anbietern illegaler Sportwetten im Netz: "Mangels Sportereignissen machen jetzt eben welche Online-Casino", sagte Barth. Die Kunden nähmen bei all dieser Werbung oft gar nicht wahr, dass es um illegale Produkte gehe.

Derzeit hat Schleswig-Holstein als einziges Bundesland Lizenzen für Online-Glücksspiele vergeben. Der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, dass künftig Glücksspiele im Internet wie Online-Poker oder Online-Casinos in ganz Deutschland erlaubt werden. Die Ministerpräsidenten der Länder hatten den Vertrag Mitte März grundsätzlich beschlossen. Vorgesehen sind aber Auflagen zum Spielerschutz sowie Einschränkungen bei der Werbung.

Der Staatsvertrag muss noch von den einzelnen Landesparlamenten ratifiziert werden und soll am 1. Juli 2021 in Kraft treten. Eine Neuregelung des Glücksspielmarktes wurde als notwendig erachtet, weil es in den vergangenen Jahren massive Veränderungen gegeben hat mit einem Boom von bisher nicht regulierten Glücksspielen im Internet.

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