UBS-Analyse Sieben Megatrends für die Zukunft und wie Anleger davon profitieren können

26.08.2020, 17:07  |  20560   |   |   

Die Corona-Pandemie hat in vielen Lebensbereichen für einen Umbruch gesorgt. Trends und Veränderungen, die überlicherweise Jahre brauchen, sind im Rekordtempo zur neuen Normalität geworden. Bestes Beispiel: Das Homeoffice. Auch in vielen anderen Bereichen hält die Digitalisierung Einzug. Analysten der Schweizer Großbank UBS haben sieben Megatrends identifiziert, die unsere Zukunft prägen werden. Jürgen Büttner vom Smart Investor hat sie unter die Lupe genommen.

Pandemie schürt Verunsicherung

Die beiden heftigen Richtungswechsel an den Weltbörsen haben dabei vielzählige Anleger verunsichert zurückgelassen. Das ist kein Wunder – schließlich nehmen die Risiken im Marktumfeld schon seit Jahren stetig zu, und das Coronavirus sorgt für ein zusätzlich erhöhtes Risikoniveau. Wobei das auch so bleiben dürfte. Zumindest sprechen dafür inhaltliche Tiefe und regionale Breite der COVID-19-Problematik, denn nach den Erst- drohen Zweit- und Drittrundeneffekte rund um die Pandemie. Außerdem sind weitere Seuchen oder Wellen und damit das Ergreifen weiterer oder fortgesetzter Maßnahmen nicht ausgeschlossen.



An den Finanzmärkten zerbrechen sich die Akteure deswegen intensiv die Köpfe über die weiteren Einflüsse auf Volkswirtschaften und damit auch Finanzmärkte. Die Bedeutsamkeit eines Themas lässt sich oft daran ablesen, wie viel Research dazu in unser E-Mail-Fach flattert – der Coronavirus-Ordner quillt diesbezüglich längst über. Zu Wort gemeldet hat sich unter anderem die UBS. In einer umfassenden 168-seitigen Studie beschäftigt sich die Schweizer Großbank nicht nur mit den Folgen für einzelne Branchen, sondern auch mit jenen für ganze Megatrends.

Die Grafik zeigt die Einflüsse über alle sieben Megatrends für jede Industriegruppe (1 = am negativsten, 5 = am positivsten) Quelle: UBS

Sieben Megatrends

Konkret haben die Autoren sieben qualitative Megatrends identifiziert. Der erste davon lautet, dass man im Zuge von verändertem Kaufverhalten seitens der Verbraucher eine Entwicklung „vom Materiellen hin zum Intellektuellen“ erwartet. Zweitens rechnet man damit, dass die Globalisierung künftig stagniert. Drittens dürfte die Automatisierung von den Fabriken auf den Mainstream überschwappen und viertens das politische Motto künftig nicht mehr „Was auch immer es kosten mag“ lauten, sondern „Was auch immer übriggeblieben ist“.

In Sachen Nachhaltigkeit dürfte es fünftens zu einer Verlagerung der bisherigen Bevorzugung der Aktionäre zu einer stärkeren Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten kommen. Sechstens sei davon auszugehen, dass Hyperkapitalismus von höheren Steuern abgelöst wird, und siebtens prognostiziert die UBS, dass sich trotz Pandemie dank E-Health und größerem Gesundheitsbewusstsein die durchschnittliche Lebenserwartung erhöht.

Unterschiedliche Brancheneffekte

Beim Herunterbrechen der gewonnenen Erkenntnisse auf Branchenebene kommen die Experten zu dem Schluss, dass die Bereiche Reisen und Freizeit sowie die Luftfahrt am stärksten betroffen wären. Ebenfalls unvorteilhafte Effekte seien für die Segmente Getränke, Luxusgüter, Öl und Gas, Onlinereisen, Banken, allgemeiner Einzelhandel, Flughäfen und Fluggesellschaften, Autos sowie Chemikalien zu erwarten.

Im Gegenzug dazu verspricht man sich für die Branchen Bildung und E-Commerce die besten Impulse. Als ebenfalls überdurchschnittlich begünstigt dürften sich darüber hinaus Pharma, Lebensmitteleinzelhandel, Supportdienstleistungen sowie die Online-Lebensmittellieferung erweisen.

Digitalisierungsschub

Auf grundsätzlicher Basis hat sich auch Barclays mit der Sache auseinandergesetzt. Die Analysten bei der britischen Bank sagen ebenfalls eine Beschleunigung bestehender De-Globalisierungs-Trends sowie einen zusätzlichen Schub in Richtung Automatisierung und Digitalisierung voraus. Denkbar sei auch, dass es beim bisherigen Wachstum des internationalen Flugverkehrs, des Tourismus, der Bildung im Ausland, der Wanderarbeit und dem Aufstieg von Ballungsgebieten zu einem Bruch komme. Der Wunsch nach einer „grüneren“ und damit umweltfreundlicheren Politik könnte dagegen weiter zunehmen.

Auch als Folge dieser möglichen Veränderungen hält Barclays darüber hinaus eine zunehmende makroökonomische Volatilität und wachsende bestehende Gräben für denkbar. So könnte sich die Kluft zwischen Arbeit und Kapital, zwischen höher und niedriger qualifizierten Arbeitnehmern oder zwischen fortgeschrittenen und sich entwickelnden Volkswirtschaften vergrößern. Zu den makroökonomischen Folgen könnten ein weniger synchronisierter globaler Konjunkturzyklus sowie eine größere Streuung und höhere Volatilität der Wachstums- und Inflationsraten gehören.

UBS-Anlagestratege Kiran Ganesh beschreibt die auf die Anleger zukommenden Aufgaben vor diesem Hintergrund wie folgt: „In einer stärker verschuldeten, weniger globalen und mehr digitalisierten Welt bestehen die Hauptschwerpunkte für Investoren darin: a) Einkommen zu finden, b) mit der Volatilität umzugehen und c) Gewinner zu finden und Verlierer zu vermeiden.“

Auf relative Stärke setzen

Angesichts der Komplexität der heutigen Welt könnte so mancher Anleger zur Kapitulation neigen. Aber das hilft erst recht nicht – und dazu besteht auch gar kein Grund: Denn zum einen krempelt selbst Corona die Welt der Megatrends nicht komplett um, sondern stärkt oder schwächt oft nur bestehende Entwicklungen; und zum anderen taugt das einfache Instrument der relativen Stärke als wertvolles Hilfsmittel beim Investieren. Gemeint ist damit der Rat, stabil besser als der Gesamtmarkt laufende Einzeltitel, Branchen oder Länder zu bevorzugen. Interessante Erkenntnisse bringt hierzu ein Blick auf die US-Börse, führten doch die jüngste Erholungsrallye Wachstumstitel, Technologiewerte und Nicht-Basiskonsumgüter-Aktien an. Das heißt, die Marktführer zwischen März 2009 und Februar 2020 wären erneut am Zug.

LPL-Financial-Stratege Jeffrey Buchbinder sagt dazu: „Stärkere Bilanzen, bessere Erträge und eine günstige Positionierung für den ‚Work-from-home-Trend‘ deuten darauf hin, dass der historisch gute Lauf für Wachstumstitel immer noch Beine haben könnte. Auch Technologie und Nicht-Basiskonsumgüter sind im aktuellen Umfeld gut positioniert, wenn man den Workfrom-home-Trend und den hohen Anteil des Internethandels innerhalb der diskretionären Konsumgüter berücksichtigt.“

Autor: Jürgen Büttner

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