Hilfe! Ich spare mich arm. Im Interview mit Lutz Hering, Geschäftsführer der DRH Vermögensverwaltung GmbH.

Gastautor: Rainer Brosy
02.09.2020, 09:26  |  1552   |   |   

Herr Hering, wie schätzen Sie die Lage am Zinsmarkt ein?

Die Lage ist bescheiden. Die Gründe dafür liegen für jeden sichtbar auf der Hand.

Die weltweite Verschuldung der Staaten hat sich mit dem Corona-Lockdown massiv erhöht und liegt höher als nach dem 2. Weltkrieg. In Folge dessen kam es weltweit zu Zinssenkungen, um die Schuldenberge beherrschbar zu machen.

Der Abbau dieser Verschuldung wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen und wird nicht das Problem unserer Kinder sein, sondern eine Herkulesaufgabe für unsere Enkel.

Was bleibt, wird ein dauerhaft niedriges Zinsniveau sein, welches gepaart mit etwas Inflation zu einer negativen Realverzinsung führt. Der Fachbegriff hierfür lautet: „finanzielle Repression“ übersetzt: „schleichender Sparverlust“.

Bild: Lutz Hering. Bildquelle: www.drh.de

Gibt es aus Ihrer Sicht überhaupt noch die Möglichkeit für Zinserträge?

Zinsen gibt es allerorts. Leider sind diese zumeist mit einem negativen Vorzeichen ausgestattet. Hegt der Anleger den Wunsch nach positiven Renditen, dann bleiben meist Schuldner wie Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland übrig. Ein wichtiges Detail ist dabei erwähnenswert. In Summe sind diese Staaten in ihrer Geschichte bereits 20 mal Pleite gegangen….

Sicherlich gibt es noch vereinzelte Sparanlagen, die auf den ersten Blick attraktiv erscheinen mögen. Aber eben nur so lange, wie der Anleger Gebühren, Steuern und Inflation ausblendet.

Auch des Deutschen Lieblingskind, die Kapitallebensversicherung, ächzt unter den Niedrigzinsen. Die meisten Versicherer garantieren mittlerweile nur noch das eingezahlte Kapital – Adé Garantiezins!

Was bringt die Zukunft?

Aus unserer Sicht wird es nicht zur klassischen Inflation (Geldentwertung) kommen. Aber eine Vermögensinflation sollte man doch in Betracht ziehen. Dies würde bedeuten, dass sich bestimmte Vermögenswerte im Preis verteuern. Denn wenn Geld scheinbar in unbegrenzter Menge zu einem Nullzins zur Verfügung steht, dann wird sich dieses Geld einen Kanal zur Investition suchen. Die Ausläufer dieser Geldpolitik sind schon heute sichtbar. Die Preise von Immobilien, Gold und Unternehmensbeteiligungen (Aktien) steigen, weil der Zins als Anlagealternative fehlt.

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Rainer Brosy (B.Eng.) ist seit 10 Jahren Geschäftsführer einer Digital-Agentur und führt gerne Interviews mit Köpfen aus der Businesswelt.

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